Full text: Studie Staatsbürgerschaft

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Entwicklungen in den von ihr untersuchten Ländern deutlich überzeichnete, gilt der Text als 
wesentlicher Beitrag für die wieder beginnenden Staatsbürgerschaftsdebatten im 
ausgehenden 20. Jahrhundert. Die im selben Jahr erschienene Habilitation Rainer Bauböcks 
(Bauböck 1994) mit dem programmatischen Titel „Transnational Citizenship“ lieferte eine 
normativ fundierte und die Entwicklungen der Staatsbürgerschaftspolitik deutlich realistischer 
einschätzende Argumentation für die Entkoppelung von Staatsbürgerrechten und 
Staatsangehörigkeit in einer Migrationsgesellschaft. Hammar´s Diagnose aufnehmend, 
schlug Bauböck als Alternative zur Einbürgerung den Status der „Wohnbürgerschaft“ - die 
Gleichberechtigung von AusländerInnen mit StaatsbürgerInnen nach einem längeren 
Aufenthalt in einem Land vor. Da die Teilhabe an einer Gesellschaft sich im Zeitverlauf durch 
die Präsenz vor Ort und Interaktion mit anderen entwickle, sollte, so Bauböck, auch der 
langfristige Aufenthalt, und nicht der formalrechtliche Staatsbürgerstatus, entscheidend für 
die soziale und politische Teilhabe sein. Eine besondere Bedeutung hatte die Idee der 
Entwicklung einer „Wohnbürgerschaft“ auch auf der Ebene der Europäischen Union, die 
nach dem Gipfel von Tampere eine „Zivilbürgerschaft“ mit einer weitgehenden, allerdings 
keine politischen Rechte umfassenden, Gleichberechtigung von StaatsbürgerInnen und 
langfristig ansässigen Nicht-UnionsbürgerInnen vorschlug. Diese Konzeption fand 
inzwischen vor allem in den Richtlinien zur Rechtsstellung langfristig aufenthaltsberechtigter 
Drittstaatsangehöriger und zum Familiennachzug Niederschlag. 
 
Seit den späten 1990ern entwickelte sich in der Folge der Debattenanstöße durch die 
genannten AutorInnen eine dichte und vielfältige Debatte zum Staatsbürgerschaftsrecht und 
zum Citizenship-Begriff, die in den letzten Jahren durch eine Vielzahl vergleichender 
Untersuchungen von Staatsbürgerschaftspolitiken  (Bauböck et al 2004, Bauböck et al 2009, 
Howard 2009, OECD 2011), ergänzt wurde. Dabei geriet zuletzt vor allem die Bedeutung 
und der Wert der Staatsbürgerschaft in das Blickfeld der internationalen Debatte: Während 
ein Teil der AutorInnen die Staatsbürgerschaft weiter als zentrales Instrument für die 
Teilhabe an einer staatlich verfassten Gesellschaft begreift und den Zugang zu dieser durch 
den Zufall der Geburt als mit dem Konzept der Moderne unvereinbar ansieht, beschreiben 
andere AutorInnen den Verlust des Wertes der Staatsbürgerschaft durch eine zunehmende 
Globalisierung und eine weitgehende rechtliche Angleichung des Status legaler MigrantInnen 
an den der Staatszugehörigkeit. „Geburtslotterie“ oder „Staatsbürgerschaft light“? 
 
Beispielhaft für den erstgenannten Zugang steht Ayelet Shachar, Politikprofessorin an der 
University of Toronto, die in ihrem vielbeachteten Buch „The Birthright Lottery – Citizenship 
and Global Unequality“ (2009) den über den Zufall der Geburt geregelten Zugang zur 
Staatsbürgerschaft und den damit verbundenen Rechten als eine normativ nicht akzeptable 
vormoderne Form der Regelung von Teilhaberechten kritisiert. Die bestehenden 
Zugangsregeln würden das öffentliche Gut „Staatsbürgerschaft“ aufgrund des Zufalls der 
Geburt zuteilen und damit dem feudalen Abstammungsprinzip folgen. Nachdem die 
Staatsbürgerschaft noch immer der Schlüssel zu wesentlichen Lebensressourcen – dem  
Aufenthaltsrecht in einem bestimmten Staat und dem Zugang zu dessen Wirtschaft, 
Sozialleben und politischen System - darstelle, seien die bestehenden Regeln für den 
Zugang zur Staatsbürgerschaft bei der Geburt de facto eine „Geburtslotterie“, die die globale 
Ungleichheit zementiere und den StaatsbürgerInnen des reichen Nordens Privilegien 
verschaffe, für die es keine haltbare normative Begründung gebe. Da nur 2% aller weltweiten 
MigrantInnen sich in ihrem Aufenthaltsstaat einbürgern würden, seien die bestehenden 
Einbürgerungssysteme nicht dazu geeignet, dieses Unrecht zu bekämpfen. Der Zugang zur 
Staatsbürgerschaft durch die Geburt sei, so die Autorin in einem weiteren Text, daher durch 
ein „ius nexi“ zu ersetzen: Staatsbürgerrechte sollten all jenen gewährt werden, die konkrete 
Bindungen zu einer bestimmten Gesellschaft aufweisen würden, allein aufgrund dieser
        

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