Full text: Studie Staatsbürgerschaft

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Gleichzeitigkeit wird die Einbürgerung von ausländischen Staatsangehörigen von vielen auch 
als Bedrohung eines schon erreichten Niveaus an Sicherheit wahrgenommen. Hintergrund 
dafür ist einerseits die Furcht, dass die Ausweitung der Solidargemeinschaft sich negativ auf 
das Niveau der in der Gemeinschaft verfügbaren Ressourcen auswirken könne, da diese als 
endlich eingeschätzt werden, und andererseits die Wahrnehmung, dass nunmehr Personen 
in die Solidargemeinschaft aufgenommen werden, die die im Aufwachsen in einer 
Gesellschaft als „natürlich“ wahrgenommenen gemeinsamen Charakteristika des „Wir“ – 
gemeinsame Sprache und Geschichte – nicht in ausreichendem Maß teilen würden. Diese 
Wahrnehmung führt oft zu einer Unterstützung restriktiver Einbürgerungspolitiken, übersieht 
aber, dass restriktive Einbürgerungspolitik die Demokratie gefährden kann, in dem sie einen 
wachsenden Teil der Bevölkerung von politischen Teilhaberechten ausschließt.  
 
Debatten um Einbürgerungspolitik müssen sich der identitären Dimension der 
Staatszugehörigkeit bewusst sein, wollen sie mehrheitliche Unterstützung gewinnen. 
Paradoxerweise ist es gerade dazu nötig, vor allem die Bedeutung von Teilhaberechten für 
eine gemeinsame Zukunft zu zeigen und herauszuarbeiten, dass bürgerrechtlich fundierte 
Gleichheit für alle EinwohnerInnen eines Landes die zentrale Voraussetzung für die 
Entwicklung einer Solidargemeinschaft und einer stabilen persönlichen Identität ist. Die 
traditionellen Modelle der Zugehörigkeit setzten auf gemeinsame Herkunft, also die 
gemeinsame Vergangenheit, und gehen davon aus, dass die meisten Menschen ihr ganzes 
Leben an ihrem Geburtsort verbringen werden und daher per Abstammung „dazugehören“. 
In einer globalisierten Welt geht es jedoch verstärkt auch um eine gemeinsame Zukunft an 
wechselnden Orten. Um unter diesen Bedingungen gesellschaftliche Solidarität zu 
ermöglichen, ist eine möglichst weitgehende Teilhabe der gesamten Bevölkerung in allen 
gesellschaftlichen Bereichen nötig. Eine Reduktion oder Verweigerung sozialer und 
politischer Teilhabemöglichkeiten anhand des Staatsbürgerkriteriums untergräbt den 
Gedanken gesellschaftlicher Solidarität und fördert die Orientierung an ethnisch, sozial oder 
politisch geschlossenen Gruppenbildungen. Ein modernes, an Inklusion orientiertes 
Staatsbürgerschafts-konzept muss im Gegensatz Einbürgerung als Integrationsinstrument 
verstehen und all jenen gleichberechtige Partizipationschancen eröffnen, die sich 
längerfristig niedergelassen haben und damit Teil der gemeinsamen Zukunft sind. 
 
 
6. Paradigmen des Zugangs zur Staatsbürgerschaft 
 
 
6.1 Staatsbürgerschaftserwerb aufgrund der Geburt 
 
 
6.2 Ius soli und ius sanguinis 
 
Historisch gesehen, bestimmen zwei Paradigmen den Zugang zur Staatszugehörigkeit 
aufgrund der Geburt: Abstammung und Geburtsort – ius sangunis und ius soli – in der 
deutschen, martialischen Übersetzung: Blutrecht bzw. Bodenrecht. Das ius sangunis 
definiert Staatszugehörigkeit quasi als genetisches Erbe – unabhängig vom Ort der Geburt 
erwirbt ein Kind die Staatsbürgerschaft der Eltern. Staatszugehörigkeit ist hier eine Funktion 
der biologischen Herkunft. Beim ius soli bestimmt der Geburtsort, also die territoriale 
Herkunft die Staatszugehörigkeit. 
 
In der Praxis findet sich meist eine Mischung der beiden Prinzipien mit einer Neigung in die 
eine oder andere Richtung, aber selten die „Reinform“ der beiden paradigmatischen
        

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