Full text: Studie Staatsbürgerschaft

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Zugänge. Eine Interpretation der beiden Prinzipien als Ausdruck eines eher politisch oder 
eher ethnisch geprägten Nationsverständnis, wie sie etwa Brubaker (1992) entwickelte, hält 
einer empirischen Überprüfung nicht stand (Joppke 2003, 435 f.). 
 
Historisch gesehen, ist das ius sangunis ein Kind der französischen Revolution, die mit der 
Zuordnung der Person zum Territorium der Feudalherren brach. Im Europa des 18. 
Jahrhunderts war das ius soli das dominante Zugehörigkeitskriterium in den beiden 
bedeutendsten Königreichen, England und Frankreich, und beinhaltete das Recht des 
Grundherren, über die im eigenen Territorium geborenen Menschen zu verfügen. Die 
Bevölkerung war an den Herren gebunden, der das Land besaß, auf dem sie lebte, daher 
war auch der Ort der Geburt, und nicht die familiäre Abstammung das Kriterium für die 
Zugehörigkeit zum Staat. Die Französische Revolution brach mit dieser Tradition. Da das ius 
soli als Symbol der Feudalherrschaft galt, schrieb der Code Civil von 1804 gegen den Willen 
Napoleons ein patriarchales ius sangunis als zentrales Zugehörigkeitskriterium fest – nur ein 
Kind eines französischen Vaters sollte – unabhängig von seinem Geburtsort - die 
französische Staatsbürgerschaft erhalten. Das Prinzip der patriarchalen Familie ersetzte im 
nachrevolutionären Frankreich die feudale Untertänigkeit. Dieser Rückgriff auf das römische 
Recht wurde durch die Übernahme des Code Napoleon bald gängiges Recht in den meisten 
europäischen Ländern. Nach Österreich (1811) führten Belgien (1821), Spanien (1837), 
Preußen (1842), Russland (1864), Italien (1865), die Niederlande (1888), Norwegen (1892) 
und Schweden (1894) das ius sangunis ein (Weill 2001, 99).  
 
Das nachrevolutionäre Frankreich war EinwanderInnen gegenüber äußerst offen und stellte 
sie rechtlich schnell weitgehend gleich. Die Kombination von rechtlicher Gleichstellung, ius 
sangunis und dem Prinzip des Volksheeres erzeugte nun einen unerwarteten Effekt: Viele 
EinwanderInnen ließen sich nicht einbürgern, damit ihre Söhne dem verpflichtenden 
Militärdienst entkommen konnten, was zunehmend als Problem für die auf einem 
Massenheer beruhende Militärmacht Frankreichs wahrgenommen wurde. Das 
Staatsbürgerschaftsrecht von 1889 führte daher wieder das ius soli ein und machte in 
Frankreich geborene Kinder automatisch zu französischen – und im Fall der Söhne 
wehrpflichtigen – Staatsbürgern (Weill 2001).  
 
Die zweite historische Wurzel des ius soli, die britische Tradition der subjecthood, der 
Unterwerfung des Einzelnen unter die Herrschaft der Krone, ging hingegen ungebrochen auf 
die Kolonien in Nordamerika (USA und Kanada), Europa (Irland), Afrika (Südafrika) und 
Australien über und beeinflusste auch Portugal und Dänemark. Um die Kolonialherrschaft als 
Fortschritt für die Kolonien zu legitimieren, sah die britische koloniale Logik ein 
abstammungsneutrales Zugehörigkeitskonzept vor. Nicht eine Staatsangehörigkeit, sondern 
die gemeinsame Herrschaft der Krone sollte als Klammer das Empire zusammenhalten. Die 
britischen KolonialbeamtInnen blieben UntertanInnen des Könighauses, ihre Kinder wurden 
durch das ius soli ebensolche (mit der Ausnahme von Kindern, die die Kolonialbeamten mit 
Sklavinnen bzw. amerikanischen Indianerinnen zeugten). Im Zuge der Ausdifferenzierung 
von Zugehörigkeitskategorien bekamen immer mehr „UreinwohnerInnen“ der Kolonien 
Zugang zum Status des British Subject. Erst mit der beginnenden Entkolonialisierung nach 
dem 2. Weltkrieg entstand mit dem British Nationality Act von 1948 eine 
kontinentaleuropäische Form der Staatsbürgerschaft, die alle BewohnerInnen des neu 
geschaffenen Commonwealth einschloss und ihnen das Recht auf Niederlassung in 
Großbritannien und sämtliche Bürgerrechte, inklusive des Wahlrechts, zusprach. Seit den 
1970ern wurde dieses Niederlassungsrecht sukzessive eingeschränkt, um die zunehmende 
Migration aus den ehemaligen Kolonien zu bremsen. Der British Nationality Act von 1981
        

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