Full text: Studie Staatsbürgerschaft

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Während die Weitergabe der Staatsangehörigkeit iure sanguinis an die Kinder von 
EmigrantInnen noch argumentierbar scheint, da ja diese mit oder ohne ihre Eltern nach 
einiger Zeit in ihr Herkunftsland zurückkehren könnten, ist eine ungebrochene Weitergabe 
der Staatsangehörigkeit iure sanguinis an deren Kinder – die Dritte Generation - nicht zu 
argumentieren, da diese keinen Bezug zum Herkunftsland ihrer Großeltern mehr haben, 
dessen Intensität eine Weitergabe der Staatsbürgerschaft rechtfertigen würde. 
 
Das ius soli wirkt zwar für die Kinder von EinwanderInnen integrativ, kann aber auch ein 
Einfallstor für die Umgehung von Migrationsbestimmungen darstellen: Die 
Staatsbürgerschaft sichert ein absolutes Aufenthaltsrecht im jeweiligen Staat. Aufgrund des 
menschenrechtlich verankerten Rechts des Kindes auf Familienleben gibt es ein starkes 
rechtliches Argument für ein Aufenthaltsrecht der Eltern. Um zu verhindern, dass Eltern kurz 
vor der Geburt in ein Land einreisen und aufgrund der Geburt ihres Kindes im Land  ein 
Aufenthaltsrecht für sich fordern, wird in den meisten europäischen Ländern, die das ius soli 
anwenden, dieses entweder erst in der dritten Generation angewandt (doppeltes ius soli, 
beide Eltern sind bereits im Land geboren) oder durch Mindestaufenthaltsfristen der Eltern – 
meist zwischen zwei und acht Jahren - oder andere Bedingungen eingeschränkt. Gesamt 
gesehen, ist jedoch aufgrund seiner integrativen Wirkung das ius soli für eine 
Einwanderungsgesellschaft deutlich besser geeignet als das ius sanguinis. Die vorhandenen 
Missbrauchsmöglichkeiten können durch entsprechende aufenthaltsrechtliche 
Qualifizierungen leicht in den Griff bekommen werden. 
 
Neben der integrativen Dimension verweisen das ius soli bzw. das ius sanguinis auch auf 
unterschiedliche Konzeptionen von Staatlichkeit:  Im ius sanguinis ist Staatszugehörigkeit 
eine Funktion der biologischen Herkunft, damit zieht es in Einwanderungsgesellschaften eine 
innere Grenze zwischen jenen, denen die Staatsbürgerschaft „ins Blut gelegt“ wurde, und 
jenen, die sie erst erwerben müssen und macht die res publica so von der Abstimmungs- zur 
vorpolitischen Abstammungsgemeinschaft (Oberndörfer). Nur jene, die auf 
Herkunftskontinuität verweisen können, haben das selbstverständliche Recht auf 
Mitbestimmung über die Gesetze, denen sie unterworfen sind, wer die falschen Eltern hat, 
dessen politische Meinung hat a priori keinen Einfluss. Rechtliche Gleichheit erscheint so als 
Produkt einer als gemeinsam imaginierten Vergangenheit, wer nicht an dieser teilhat, 
braucht eine Sondergenehmigung für die gemeinsame Zukunft. Der politische Raum wird so 
familialisiert und die für die Moderne charakteristische Trennung zwischen Herkunft und 
Rechtsstatus zurückgenommen. Der im Latein wurzelnde juridische Terminus technicus für 
Einbürgerung – Naturalisierung - bringt die Angelegenheit auf den Punkt: Die Grenzziehung 
zwischen dem Innen und dem Außen der politischen Gemeinschaft erfolgt mittels einer 
vorpolitischen Naturmetapher, die den Staat als biologische Gemeinschaft zeichnet und 
damit jede Überschreitung dieser Grenze zu einer „unnatürlichen“ Ausnahme erklärt, über 
die zu bestimmen nur die „natürlichen“ Mitglieder der res publica das Recht hätten. 
 
 
6.3 Staatsbürgerschaftserwerb nach der Geburt – Doppelstaatsbürgerschaft 
 
Der Staatsbürgerschaftserwerb nach der Geburt kann mehrere Formen annehmen. Am 
häufigsten ist die Einbürgerung, die Vergabe der Staatsbürgerschaft auf Antrag des 
Staatsbürgerschaftswerbers nach einem administrativen Verfahren. Seltener sind deklarative 
Regelungen, die Vergabe der Staatsbürgerschaft auf Antrag des Bewerbers aufgrund eines 
Rechtsanspruchs, z.B. Geburt im Inland, oder langdauernder Aufenthalt. Das folgende 
Kapitel beschäftigt sich mit der Einbürgerung als der wesentlichsten Form des
        

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