Full text: Studie Staatsbürgerschaft

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2. Mindestaufenthaltsdauer 
 
Eine Ermessenseinbürgerung nach einer Mindestaufenthaltsdauer von sechs Jahren ist 
dann möglich, wenn entweder ein Nachweis über Deutschkenntnisse auf dem Niveau-B2 
des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen oder ein Nachweis über 
eine sogenannte „nachhaltige persönliche Integration“ erbracht wird. Hierfür muss entweder 
eine mindestens dreijährige ehrenamtliche Tätigkeit, eine mindestens dreijährige Tätigkeit im 
Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich oder in einem nicht gesetzlichen 
Interessenverband nachgewiesen werden. Werden die Voraussetzungen Deutsch auf B2-
Niveau oder eine „nachhaltige persönliche Integration“ nicht erfüllt, kann die 
Staatsbürgerschaft erst nach zehn Jahren beantragt werden.  
 
Da die Voraussetzungen für eine Einbürgerung nach sechs Jahren nur schwer zu erfüllen 
sind, ist davon auszugehen, dass auch in Zukunft der Großteil der AntragstellerInnen erst 
nach zehn Jahren Aufenthalt die Staatsbürgerschaft beantragen kann. Die Bedingung, dass 
der zehnjährige Aufenthalt im Bundesgebiet nicht unterbrochen sein darf, stellt oftmals eine 
zusätzliche Hürde dar, weil sich dadurch das Aufenthaltserfordernis de facto noch wesentlich 
verlängern kann. Unterbrechungen werden häufig durch administrative Abläufe (z.B. 
Verzögerung der Behörde bei der Erneuerung befristeter Aufenthaltsgenehmigungen) 
verursacht.  
 
 
2.1 Mindestaufenthaltsdauer im europäischen Vergleich: 
 
Beim europäischen Ländervergleich fällt auf, dass keines der übrigen alten EU-15 Staaten 
eine längere Mindestaufenthaltsdauer als zehn Jahre festgelegt hat. Eine längere 
Aufenthaltsfrist hätte Österreich aufgrund der Ratifizierung der Europäischen Konvention 
über die Staatsangehörigkeit vom 6.11.199711 nicht bestimmen können. Artikel 6 dieses 
Übereinkommens legt nämlich eine Höchstaufenthaltsdauer von zehn Jahren fest.  
 
Italien und Spanien fordern zwar ebenfalls zehn Jahre Aufenthalt, kennen aber stark 
verkürzte Mindestaufenthaltsfristen für große MigrantInnengruppen. So genügt 
beispielsweise in Italien für Personen mit italienischen Wurzeln eine Aufenthaltsdauer von 
lediglich drei Jahren. Dieses Erfordernis ist bereits erfüllt, wenn auch nur ein Großelternteil 
einst italienische/r StaatsbürgerIn gewesen ist. Dies betrifft vor allem die große 
Einwanderergruppe der LateinamerikanerInnen (BrasilianerInnen, ArgentinierInnen, etc.). 
EU-BürgerInnen können in Italien bereits nach vier Jahren eingebürgert werden. Von dieser 
Begünstigung profitieren vor allem in Italien lebende RumänInnen, die die größte 
ausländische Bevölkerungsgruppe bilden (Basili/Zincone 2013, 5ff).  
 
EinbürgerungswerberInnen aus Lateinamerika, den Philippinen, Portugal, Andorra, 
Äquatorial Guniea sowie Sephardische Juden können in Spanien die Staatsbürgerschaft 
bereits nach nur zwei Jahren Aufenthalt beantragen (Marín et al. 2012, 3).  
 
In Frankreich, den Niederlanden, Schweden und im Vereinigten Königreich ist die 
Einbürgerung von Drittstaatsangehörigen bereits nach fünf Jahren möglich (Goodmann 
2010, 6ff). 
 
                                                          
11 Europäisches Übereinkommen über Staatsangehörigkeit, BGBl. III Nr. 39/2000.
        

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