Full text: Studie Staatsbürgerschaft

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8. Sprachkenntnisse 
 
Eine der allgemeinen Verleihungsvoraussetzungen der Österreichischen Staatsbürgerschaft 
ist der Nachweis der deutschen Sprache auf dem „Niveau B1 des Gemeinsamen 
Europäischen Referenzrahmens für Sprachen“. Fremde, an deren Einbürgerung ein 
öffentliches Interesse besteht, nicht schulpflichtige Kinder sowie alte bzw. kranke Menschen, 
denen die Erbringung eines Sprachnachweises laut amtsärztlichen Gutachtens unzumutbar 
ist, sind vom Nachweis der B1-Deutschkenntnisse befreit. Anerkannte Flüchtlinge müssen 
bei der Antragstellung auf die österreichische Staatsbürgerschaft ebenfalls einen Nachweis 
über Deutschkenntnisse auf B1-Niveau erbringen (Schumacher et al. 2012, 330ff). 
 
Der gesetzlich geforderte Sprachnachweis kann dazu führen, dass Einbürgerungswillige trotz 
sonstiger guter Integration nicht eingebürgert werden können. Davon sind insbesondere 
Personen mit keiner oder geringer Schulbildung oder AnalphabetInnen, die sich im Alltag 
ansonsten mühelos verständigen können, betroffen.  
Eine weitere Hürde stellen die hohen Deutschkurskosten dar, die von den BewerberInnen 
gänzlich selbst zu übernehmen sind. Im Gegensatz zu Deutschland gewährt in Österreich 
die öffentliche Hand keine Unterstützung bei der Finanzierung der Kurskosten. Wenngleich 
gute Deutschkenntnisse für eine erfolgreiche Integration zweifellos förderlich sind, ist es nicht 
nachvollziehbar, weshalb der Sprache als Maßstab für eine gelungene Integration ein so 
absoluter Stellenwert eingeräumt wird.  
 
Einbürgerungswillige Personen, die Deutschkenntnisse auf dem Niveau-B2 nachweisen, 
können seit dem Inkrafttreten der Staatsbürgerschafts-Novelle 2013 nach einer 
Mindestaufenthaltsdauer von bereits sechs Jahren eingebürgert werden. Diese Option geht 
allerdings an der Lebensrealität vieler einbürgerungswilliger und gut integrierter 
Personengruppen, die aus persönlichen und ökonomischen Gründen diesen Nachweis nicht 
erbringen können, vorbei.  
 
8.1 Europäischer Vergleich 
 
Österreich zählt auch hinsichtlich des geforderten Sprachnachweises auf mindestens B1-
Niveau zu den restriktivsten Staaten in Europa. 
 
Unter den hier untersuchten Staaten bestehen in Italien und Schweden keine expliziten 
Sprachanforderungen an StaatsbürgerschaftswerberInnen (Goodman 2010,14). In Spanien 
ist weder eine Sprachprüfung abzulegen noch ein sonstiger Nachweis zu erbringen. 
Lediglich Grundkenntnisse der spanischen Sprache werden in einem Interview von den 
zuständigen Behörden abgefragt (Marín et al. 2012, 22). 
 
Seit 1.1.2013 müssen EinbürgerungswerberInnen in Belgien einen Nachweis über 
Sprachkenntnisse auf A2-Niveau in einer der drei Landessprachen erbringen (Foblets et al. 
2013, 10). In den Niederlanden ist das Bestehen eines eigenen Integrationstests, indem 
Staatskunde- sowie Sprachkenntnisse auf A2-Niveau getestet werden, erforderlich (Van 
Oers et al. 2013, 23ff). 
 
EinbürgerungswerberInnen in Deutschland müssen über Deutschkenntnisse auf der Stufe 
B1 verfügen (Hailbronner 2012, 10). Das Vereinigte Königreich verlangt das erfolgreiche 
Bestehen eines Einbürgerungstests („Life in the UK“), für den grundsätzlich 
Englischkenntnisse auf B1 Niveau erforderlich sind (Sawyer/Wray 2012, 21). Frankreich
        

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