Full text: Studie Staatsbürgerschaft

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Empfehlungen: 
 
? Die zehnjährige Wartefrist sollte dem europäischen Trend folgend für alle Personen, die 
zum rechtmäßigen Aufenthalt im Inland berechtigt sind und ihren Lebensmittelpunkt in 
Österreich haben, auf maximal sechs Jahre reduziert werden.  
? Bei kurzfristigen Unterbrechungen des Aufenthalts sollte die verabsäumte Zeit 
nachgeholt werden können und nicht dazu führen, dass die Frist von neuem zu laufen 
beginnt. 
 
 
4. Einführung selektiver Ius Soli-Elemente  
 
Die meisten der alten 15-EU Staaten berücksichtigen bereits das ius soli- neben dem ius 
sanguinis Prinzip in ihren Staatsbürgerschaftsregimen, um ein Auseinanderfallen der 
Gesellschaft in In- und AusländerInnen zu verhindern. Das österreichische 
Staatsbürgerschaftsgesetz produziert jedoch weiterhin jährlich „Fremde“, die im Inland 
geboren werden und oftmals keine andere Heimat als Österreich kennen. Um dieser 
Entwicklung entgegenzuwirken, wäre die Einführung des ius soli neben dem ius sanguinis-
Prinzip in das österreichische Staatsbürgerschaftsrecht sinnvoll. Zu empfehlen wäre die 
Verankerung eines doppelten und eines qualifizierten ius soli:  
 
Doppeltes ius soli bei der Geburt:  
 
Das Doppel-ius soli würde erst die dritte Generation betreffen. Besitzt ein Elternteil eines in 
Österreich geborenen Kindes eine ausländische Staatsbürgerschaft, wurde aber selbst 
bereits in Österreich geboren, erwirbt das Kind die österreichische Staatsangehörigkeit de 
iure mit der Geburt.  
 
Qualifiziertes ius soli bei der Geburt:  
 
Beim qualifizierten ius soli würde der Erwerbstatbestand schon in der zweiten Generation 
greifen. Gehört ein Elternteil eines in Österreich geborenen Kindes einem ausländischen 
Staat an und ist seit zumindest fünf Jahren rechtmäßig in Österreich niedergelassen, erwirbt 
das Kind die österreichische Staatsangehörigkeit de iure mit der Geburt.  
 
Empfehlung: 
 
? Einführung des ius soli-Prinzips in das österreichische Staatsbürgerschaftsgesetz: Ein in 
Österreich geborenes Kind ausländischer Eltern soll de iure bei Geburt die 
österreichische Staatsbürgerschaft erlangen, wenn mindestens ein Elternteil im Inland 
geboren wurde (Doppeltes ius soli) oder mindestens ein Elternteil seit zumindest fünf 
Jahren im Inland niedergelassen ist (Qualifiziertes ius soli).  
 
 
5. Akzeptanz von Mehrfachstaatsbürgerschaften 
 
In Österreich wächst die Zahl der Kinder, die automatisch mit der Geburt de iure sanguinis 
mehrere Staatsbürgerschaften erwerben (z.B. Kinder einer binationalen 
serbisch/österreichischen Ehe). Mehrfachstaatsangehörigkeiten entstehen zudem bei 
Einbürgerungen von Prominenten (z.B. Anna Netrebko oder Ivica Vastic), von denen 
Aufgabe der bisherigen Staatsbürgerschaft nicht verlangt wird. Anerkannte Flüchtlinge
        

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