Full text: Unternehmensverantwortung in Zahlen: Die Sozialbilanz (11)

Unternehmensverantwortung in Zahlen: Die Sozialbilanz 3
Qualität der Nachhaltigkeitsberichterstattung ist jedoch 
verbesserungswürdig: Nach Bloomberg erreichen 
gerade einmal 15 % der ATX-Unternehmen wenigstens 
die Hälfte des maximal möglichen „Social Disclosure 
Score“, der ausgewählte nicht-finanzielle Indikatoren 
wie Beschäftigung, Weiterbildung oder Arbeitsunfälle 
misst. Im Spitzensegment der deutschen Börse (DAX) 
sind dies immerhin 57 % der Unternehmen, bei jenem 
der französischen Börse (CAC) überschreiten sogar 70 
% diese Schwelle. An dieser Stelle sei angemerkt, dass 
in Frankreich große und börsennotierte Unternehmen 
bereits per Gesetz zur Publikation einer sogenannten 
„Sozialbilanz“ verpflichtet sind. 
CSR in der österreichischen Unternehmenspraxis   
Statt der Etablierung von Qualitätsstandards, setzt man 
in Österreich lieber auf CSR-Preisverleihungen: Man 
lobt aus, prämiert und feiert. Beispielsweise wurde 
der Nachhaltigkeitsbericht des ATX-Unternehmen 
Telekom Austria Group AG gleich zwei Mal mit dem 
„Austrian Sustainability Award“ für den besten Nach-
haltigkeitsbericht großer Unternehmen ausgezeichnet. 
Die „Große Sustaincyclopädie 2014/2015“ der Telekom 
Austria „verschreibt sich (er)klärenden Blicken hinter 
verbalen Kulissen der Nachhaltigkeit. Und legt dar, dass 
die Telekom Austria Group hierzu weit mehr zu bieten 
hat als Worthülsen zur Imagepolitur.“ Gemessen an den 
rigorosen Kriterien internationaler Qualitätsstandards 
sieht es anders aus: Zwar findet sich die Telekom 
Austria Group AG nach dem „Social Disclosure Score“ 
im Ranking der ATX-Unternehmen auf dem guten Rang 
fünf, im internationalen Vergleich ist das Ergebnis von 
47 von 100 maximal möglichen Punkten jedoch eher 
mäßig. 
BetriebsrätInnen fordern die Offenlegung der Überstunden 
und mehr…  
Gerade die ArbeitnehmerInnenvertretung hat 
höchstes Interesse an einer vergleichbaren, konsis-
tenten und transparenten Sozialberichterstattung: 
Betriebsratskörperschaften und Gewerkschaften 
benötigen konkrete Indikatoren und Kennzahlen, die 
die Arbeitsbedingungen auf den Punkt bringen. Einer 
Online-Umfrage unter BetriebsrätInnen der börsen-
notierten Unternehmen vom Sommer 2015 zufolge, 
ist die Offenlegung dieser Informationen besonders 
relevant: 
 § Mehr als drei Viertel (78 %) der befragten Betriebs-
rätInnen sind sehr daran interessiert, dass die durch-
schnittlichen Mehr- und Überstunden pro Monat 
offengelegt werden. 
 § Für Transparenz bei Aus- und Weiterbildungsmaß-
nahmen sprechen sich ebenfalls 78% aus.
 § Jeweils 72 % wollen über die Häufigkeit von Arbeits-
unfällen Bescheid wissen und halten Angaben zur 
Verbreitung von All-in-Verträgen im Unternehmen 
für höchst relevant. Ebenfalls zu je 72 % interessiert 
die Befragten, wie die innerbetriebliche Vergütungs-
spanne zwischen dem Vorstandsvorsitz und der 
Belegschaft aussieht sowie welche Formen von 
Arbeitsverträgen verbreitet sind.
Aus Sicht der BetriebsrätInnen steht fest: Die Nach-
haltigkeitsberichterstattung der Zukunft muss auf (den 
richtigen) quantitativen Indikatoren (88 %) basieren, 
im Aufsichtsrat und in der Hauptversammlung (85 %) 
geprüft und beschlossen sowie extern von Wirtschafts-
prüferInnen testiert werden (76 %). 
Publikationspflicht für Arbeitsbedingungen?  
Mit der Umsetzung der Richtlinie in Österreich könnte 
der Aufholprozess in der nationalen Nachhaltigkeits-
berichterstattung durch klare Normen unterstützt 
werden. In den – vom Justizministerium im Rahmen 
einer öffentlichen Konsultation dazu eingeholten 
– Stellungnahmen, plädieren 16 der insgesamt 22 
teilnehmenden Organisationen für eine verbindliche, 
vergleichbare Offenlegung von sozialen und ökologi-
schen Indikatoren. Insbesondere Umweltverbände, 
NGOs und ArbeitnehmerInnenvertreterInnen treten 
WUSSTEN SIE, DASS EINE „SOZIALBILANZ“ 
SCHLÜSSELINDIKATOREN DER ARBEITSBEDINGUNGEN 
WIE Z.B. ARBEITSZEIT ODER ARBEITSVERTRÄGE 
LIEFERN KÖNNTE? 
?
        

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