Full text: Leiharbeit

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4. Beweggründe zum Einstieg in die Leiharbeit 
Nach einer repräsentativen Untersuchung der LeiharbeitnehmerInnen in Oberösterreich (Specht 2010, 
98ff) hatten immerhin 58% der Befragten vor dem Einstieg in die Zeitarbeit ein 
Normalarbeitsverhältnis, 28% waren vorher arbeitslos. Zeitarbeit wird also nicht nur gewählt, um 
überhaupt eine Erwerbstätigkeit ausüben zu können, sondern auch, weil sich die Betroffenen davon 
Vorteile gegenüber ihrer bisherigen Tätigkeit versprechen. Zwar ist für 44% der Befragten Zeitarbeit 
die Konsequenz aus einem Mangel an Alternativen, immerhin 32% geben einen besseren Verdienst 
als wesentliches Motiv an. Konkret wird dies durch den Wechsel von Niedrig- zu Hochlohnbranchen 
erreicht, wie zum Beispiel vom Einzelhandel, der Nahrungsmittelindustrie, dem Gastgewerbe hinüber 
in die Sparten Metall-/Elektro-/Fahrzeugindustrie. Diese Flucht aus der Herkunftsbranche hat aber 
einen Preis: Dequalifizierung. Hatten davor nur 37% eine Un- bzw. Angelerntentätigkeit ausgeübt, so 
waren es danach mehr als zwei Drittel. Ein Interviewpartner der Untersuchung von Specht (2010, 98) 
bringt es mit folgenden Worten auf den Punkt. „Vom Tätigkeitsbereich war es für mich ein Abstieg: 
Vom geschulten Fachverkäufer zum Lagerarbeiter. Ich brauchte aber eine Ganztagsarbeit und war 
über jede Aufgabe froh.“ Der Wechsel ist also nicht ganz freiwillig sondern dem für den 
Lebensunterhalt notwendigen Einkommen geschuldet. Noch unfreiwilliger ist Leiharbeit dann, wenn 
sie mit der Auslagerung aus dem Stammpersonal verbunden ist: 10% der Leiharbeitskräfte sind aus 
diesem Grund in den Status einer überlassenen Arbeitskraft gewechselt (Specht 2010, 99). Und noch 
ein Indikator weist darauf hin, dass die Mehrzahl der Leiharbeiter lieber ein Normalarbeitsverhältnis 
hätten: 45% streben nämlich eine Übernahme in den derzeitigen Beschäftigerbetrieb  „unbedingt“ und 
weitere 22% „eher schon“ an. 
 
Leiharbeit muss nicht zwingend mit einer ungewollten Prekarisierung der Arbeitsbedingungen 
assoziiert sein. Immerhin 19% der Befragten erkennen darin den Vorteil, verschiedene Betriebe 
kennenzulernen. Und 14% assoziieren mit Leiharbeit einen Schritt in ihrer Karriereplanung. Trotzdem: 
Alles in allem dürften etwa zwei Drittel der Leiharbeitskräfte ein Normalarbeitsverhältnis bevorzugen 
und nur ein Drittel diesen Status aus freien Stücken gewählt haben. Das deckt sich mit der 
Einschätzung von Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, der unter Bezugnahme auf 
eine repräsentative Umfrage unter Leiharbeitern meint, dass rund 70 Prozent dieser Art von 
Beschäftigung kritisch gegenüberstehen (derStandard, 13.10.2013). 
5. Rechtliche Grundlagen der Leiharbeit 
Mit dem Arbeitskräfteüberlassungsgesetz aus dem Jahr 1988 wird erstmals die Überlassung von 
Arbeitskräften an Dritte umfassend geregelt. Insbesondere in arbeitsvertraglichen, 
arbeitnehmerschutz- und sozialversicherungsrechtlichen Angelegenheiten sollen überlassene 
Arbeitskräfte dadurch geschützt werden. 
 
20 Jahre später, im November 2008, setzt die Europäische Union mit ihrer Richtlinie 2008/104/EG 
(Leiharbeitnehmer-Richtlinie) Kriterien fest, damit auch für Leiharbeit das Gleichbehandlungsprinzip 
gilt: Zeitarbeitskräfte sollten durch ihren besonderen ArbeitnehmerInnenstatus nicht schlechter als die 
Stammbelegschaft gestellt werden. Konkret angesprochen wird darin unter anderem 
 
? dass die Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen mindestens jenen zu entsprechen hätten, 
die für sie gelten würden, wenn sie von dem Beschäftigerbetrieb für den gleichen Arbeitsplatz 
eingestellt worden wären (Artikel 5 Abs 1);  
 
? dass in Bezug auf das Arbeitsentgelt von diesem Grundsatz (Artikel 5 Abs 1) dann 
abgewichen werden darf, wenn LeiharbeitnehmerInnen, die einen unbefristeten Vertrag mit
        

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