Volltext: Vermögen in Österreich (126)

1 1. Einleitung Gesellschaftliche Stabilität und privater Vermögensaufbau stehen in einem ambivalenten Zusammenhang. Die historische Perspektive zeigt, dass gesellschaftliche Stabilität und etablierte Institutionen eine zentrale Voraussetzung für den Aufbau von Vermögenswerten darstellen (Atkinson et al. 2011, Borgherhoff/Mulder et al. 2009). Allerdings führt der Aufbau privater Vermögen zu sich selbst verstärkenden Effekten: Jene, die bereits Vermögen besitzen, erhalten im Schnitt auch (absolut wie relativ) größere Vermögenszuwächse. Dies führt zu einer sukzessiv ansteigenden Vermögenskonzentration und dem Aufbau von Schulden, die den angehäuften Finanzvermögen gegenüberstehen. Eine zunehmende Vermögenskonzentration kann also ihrerseits die gesellschaftliche Stabilität aus sozialer wie ökonomischer Perspektive untergraben (Guttmann/Plihon 2010, Stiglitz 2012). In diesem Sinne ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit privaten Vermögen und deren Konzentration von hoher gesellschaftlicher und ökonomischer Bedeutung. Den hier unterstellten Zusammenhang zwischen sozialem Zusammenhalt, gesellschaftlicher Stabilität und ökonomischen Verteilungsergebnissen greifen auch Wilkinson und Pickett (2007) auf. Ihre Studie, deren Ergebnisse unter anderem in dem Buch „The Spirit Level“ (2009) publiziert wurden, zeigt, dass ein höheres Maß an Gleichheit in einer Gesellschaft zahlreiche gesellschaftlich erwünschte Effekte mit sich bringt. Diese werden ihrerseits als Indikatoren für die gesellschaftliche Zufriedenheit interpretiert. Die StudienautorInnen zeigen empirisch, dass das Niveau gesellschaftlicher Ungleichheit in einem direkten Zusammenhang mit gesellschaftlichen Problemstellungen wie Fettleibigkeit, Teenager-Schwangerschaften, Lebenserwartung, mentalen Krankheiten, Selbstmordraten, Fremdenfeindlichkeit, Drogenkonsum, Bildungsperformance und Inhaftierungsraten steht (vgl. Wilkinson/Pickett 2007). Mit der Verbesserung computergestützter Auswertungsmethoden und allgemein durch die steigende Verfügbarkeit von Erhebungsdaten lässt sich die Ungleichheit in der Verteilung von Vermögen zusehends besser erfassen. Zusätzlich erleichtert die ex-ante Harmonisierung von Erhebungen, wie sie auch dem von der EZB koordinierten und den einzelnen europäischen Nationalbanken durchgeführten Household Finance and Consumption Survey (HFCS) zu Grunde liegen, die Vergleichbarkeit der Daten zwischen den Ländern. Für den Fall Österreichs, aber auch für viele andere Länder der Eurozone, stellt der HFCS die bis dato bei

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