Full text: Abbruch und Schulversagen im österreichischen Bildungssystem

14 — Steiner / Abbruch & Schulversagen  — I H S 
 
2. Vorzeitiger Bildungsabbruch 
Im vorangegangenen Kapitel ist im Fall der Jugendlichen ohne Pflichtschulabschluss, die im 
Anschluss ihre Bildungslaufbahn beenden, bereits der vorzeitige Abbruch oder das Early 
School Leaving zur Sprache gekommen. Dabei handelt es sich jedoch nur um eine Teilgrup-
pe der vorzeitigen BildungsabbrecherInnen. Entsprechend der europaweit geteilten Definiti-
on gelten alle Jugendliche im Alter von 18-24 Jahren, die maximal über einen Pflichtschulab-
schluss verfügen (ISCED 3c) und sich aktuell nicht in Ausbildung befinden, als Early School 
Leavers (ESL). Die Bandbreite an Jugendlichen, die mit dieser Definition erfasst werden, ist 
also relativ groß und erstreckt sich von den im vorigen Kapitel besprochenen AbbrecherIn-
nen bis zu jenen Jugendlichen, die eine Ausbildung auf der Sekundarstufe II in Angriff neh-
men und diese (womöglich kurz) vor deren Abschluss abbrechen.  
Im Unterschied zur internationalen Definition von vorzeitigen BildungsabbrecherInnen bzw. 
deren Operationalisierung ist es für Österreich sinnvoll, die Altersgruppe auf die 15-24-
Jährigen auszudehnen, da die Schulpflicht hierzulande früher endet. Darüber hinaus werden 
im Unterschied zur Operationalisierung nach EUROSTAT in den anschließend präsentierten 
Berechnungsergebnissen auch jene Jugendlichen als Early School Leavers ausgewiesen, 
die sich aktuell nur in non-formalen Ausbildungsformen befinden, denn im Extremfall reicht 
ansonsten die Teilnahme an einem Heimwerkerkurs, um nicht als vorzeitiger Abbrecher zu 
gelten, obwohl diese Weiterbildungsaktivität nichts daran ändern wird, dass nur ein niedriger 
Bildungsabschluss vorliegt.
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2.1 Ausmaß und soziodemographische Verteilung 
Insgesamt beträgt der Anteil an vorzeitigen BildungsabbrecherInnen 2012 in Österreich 
7,9%, was bezogen auf die Altersgruppe der 15-24-Jährigen einem Problemgruppenaus-
maß
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 von knapp 75.000 Personen gleichkommt (Tabelle 5). Der Anteil ist in den letzten Jah-
ren von 10% im Jahr 2008 auf 8,6% im Jahr 2010 und eben 7,9% im Jahr 2012 gesunken. 
Damit wird in Österreich bereits seit einigen Jahren das im Rahmen der EU2020-Strategie 
(EU-Kommission 2010) formulierte Ziel, einen Anteil von 10% zu unterschreiten, erreicht. 
Dieser Wert von 7,9% ist im internationalen Vergleich gering (EU-27: 12,9%). Zieht man 
jedoch die Ergebnisse zu den PISA-Risikogruppen (15-Jährige, die nicht sinnerfassend le-
                                                     
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 Beide Adaptierungen bei der Definition bzw. ihrer statistischen Operationalisierung heben 
einander in etwa auf, was ihren Einfluss auf den Gesamtanteil an ESL betrifft, weshalb auch 
hier Berechnungsergebnisse präsentiert werden, die dem Anteil nach jenem entsprechen, 
der in internationalen Vergleichen verwendet wird. So hat die Ausdehnung der Altersgruppe 
einen senkenden Effekt auf die Quote und die alternative Zurechnung derer in non-formalen 
Weiterbildungen einen steigernden Effekt.  
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 Im Kontext des ESL von Problemgruppen zu sprechen erscheint gerechtfertigt, wenn man 
sich die Auswirkungen auf die Arbeitsmarktchancen vor Augen führt, die ebenfalls in diesem 
Kapitel besprochen werden.
        

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