Full text: Abbruch und Schulversagen im österreichischen Bildungssystem

30 — Steiner / Abbruch & Schulversagen  — I H S 
 
Um das Bild der Verluste und Abbrüche nach Schulformen auf der Sekundarstufe II zu ver-
vollständigen, ist es notwendig auch auf das duale System – die Lehrausbildung also – ein-
zugehen. Dies kann nicht auf Basis derselben Daten erfolgen, da die Lehre im Rahmen der 
Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer Österreich und nicht im Rahmen der Schulstatistik 
des BMUKK bzw. der Statistik Austria erfasst wird. Da die Lehrlingsstatistik zudem nicht im 
selben Ausmaß wie die Schulstatistik frei für wissenschaftliche Analysen verfügbar ist, wird 
zur Ergänzung der Thematik von Verlust und Abbrüchen auf der Sekundarstufe II auf Se-
kundärquellen zurückgegriffen (Dornmayr / Nowak 2013). Dort wird auf Basis all derer, die in 
einem Jahr die Ausbildungsform der Lehre beendet und innerhalb von 12 Monaten keine 
weitere begonnen haben, der Anteil von AbbrecherInnen ausgewiesen, die vor Absolvierung 
ihrer vollständigen Lehrzeit die Ausbildung beendet haben und innerhalb von 12 Monaten 
auch nicht zur Lehrabschlussprüfung angetreten sind. Demnach handelt es sich dabei (ab-
gesehen von dem eher unwahrscheinlichen Fall, dass diese LehrabbrecherInnen in des 
Schulsystem z.B. in Form einer BMS zurückwechseln) um AbbrecherInnen ihrer Bildungs-
laufbahn und in weiter Folge um Early School Leavers aus dem dualen System heraus. 
Werden schließlich die Werte der verschiedenen Schulformen untereinander verglichen, 
dann handelt es sich in den Grafiken um die „rote Gruppe“ die den Vergleichsmaßstab bildet. 
Der Anteil der BildungsabbrecherInnen aus dem dualen System liegt 2011 bei 16,6% (inklu-
sive der überbetrieblichen Lehrausbildung) oder 15,9%, wenn allein die betriebliche Lehr-
ausbildung betrachtet wird (Dornmayr / Nowak 2013: 51). Die Unterschiede nach Sparten 
sind groß und reichen von 6% im Bereich Industrie bis zu 28,6% im Bereich Tourismus und 
Freizeitwirtschaft, während der „Spitzenwert“ mit 32,1% bei der überbetrieblichen Lehraus-
bildung verbucht wird. Differenziert nach Geschlecht sind Frauen (18,6%) etwas stärker be-
troffen als Männer (14,2%) und in Abhängigkeit von der Staatsbürgerschaft österreichische 
StaatsbürgerInnen (14,8%) nur halb so stark wie Personen mit sonstigen Staatsbürgerschaf-
ten (29,4%).  
Im Vergleich der Ausbildungsformen dürfte sich – trotz aller Einschränkungen, die sich aus 
dem Vergleich zweier unterschiedlicher Datenbasen ergeben – die Lehrausbildung als jene 
mit den höchsten Raten an BildungsabbrecherInnen herauskristallisieren. Hier stehen ei-
nander 5,1% in der BHS, 6,5% in der AHS, 11,8% in der BMS und 16,6% im dualen System 
gegenüber.
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 Einschränkend muss nochmals darauf hingewiesen werden, dass die Anzahl derer, die 
eine Lehre abbrechen und in das Vollzeitschulsystem zurückwechseln nicht beziffert werden 
kann. Da die Ausbildungsströme eher umgekehrt laufen, d.h. von einer BMHS in das duale 
System, ist anzunehmen, dass diese Anzahl gering ist.
        

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