Full text: Abbruch und Schulversagen im österreichischen Bildungssystem

I H S — Abbruch & Schulversagen / Steiner — 33 
Besonders interessant sind die Ergebnisse für Vorarlberg (und ansatzweise auch in Tirol), 
wenn man sie in Relation zu den Ergebnissen betrachtet, was das Verfehlen eines Pflicht-
schulabschlusses in Kapitel 1 betrifft. Während Wien in der einen wie in der anderen „Schul-
versagensmessung“ an der „Spitze“ liegt, erweist sich Vorarlberg in der Sekundarstufe I be-
sonders selektiv und in der Sekundarstufe II dann am wenigsten verlustreich. An dieser Stel-
le ist es somit angebracht, die Frage zu diskutieren, inwieweit das eine das andere bedingt, 
hohe Selektivität in der Sekundarstufe I Folgeprobleme in der Sekundarstufe II vermindert 
und damit als „effiziente“ Strategie gelten kann. Zunächst spricht einmal das Fallbeispiel von 
Wien gegen die Effizienzthese, denn hier treffen hohe Selektivitätsraten in der Sekundarstu-
fe I mit hohen Verlustraten in der Sekundarstufe II zusammen. Um die Effizienzthese auch 
im Fall der westlichen Bundesländer hinterfragen zu können, muss zweitens ein kritischer 
Blick darauf geworfen werden, zu welchem (sozialen) Preis in Vorarlberg die niedrigeren 
Schulversagensraten auf der Sekundarstufe II erkauft werden. In diesem Zusammenhang 
muss die Aufmerksamkeit auf die in Vorarlberg (und ansatzweise auch in Tirol) deutlich er-
höhten Anteilswerte von Jugendlichen mit nicht-deutscher Umgangssprache gelenkt werden, 
die ohne Pflichtschulabschluss bleiben. 16,9% in Vorarlberg und 12,1% in Tirol liegen deut-
lich über dem österreichischen Durchschnitt von 9,6% und sind gleichbedeutend mit einem 
vierfach (Tirol) bzw. sechsfach (in Vorarlberg) erhöhten Risiko von  MigrantInnen, keinen 
Pflichtschulabschluss zu erlangen (vergleiche Tabelle 2). Dieses Ergebnis wiederum steht im 
Zusammenhang mit dem Ausmaß der Überrepräsentation von MigrantInnen in Sonderschu-
len. So sind SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache in Vorarlberg in Sonder-
schulen um 73% und in Tirol um 90% überrepräsentiert
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, während der Wert für Gesamtöst-
erreich bei 52% liegt. Da Sonderschulen in den wenigsten Fällen mit Pflichtschulabschlüs-
sen enden, die zum Besuch weiterführender Schulformen berechtigen würden, ist das Er-
gebnis erhöhter Anteile von SchülerInnen ohne positiven Pflichtschulabschluss v.a. bei Ju-
gendlichen mit nicht-deutscher Umgangssprache nur die logische Konsequenz. Gleichzeitig 
sind Jugendliche mit nicht-deutscher Umgangssprache, deren Abbruchrisiko allgemein er-
höht ist, in AHS um 42% in Tirol und 53% in Vorarlberg unterrepräsentiert, während der Wert 
für Gesamtösterreich bei 21% liegt. Nicht ganz so ausgeprägt aber doch vorhanden sind die 
Selektivitäten der berufsbildenden höheren Schulen in den westlichen Bundesländern.
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 Auf 
Basis dieser Ergebnisse kann somit der Schluss gezogen werden, dass die niedrigeren Ver-
lustraten in der Sekundarstufe II bis zu einem gewissen Grad auf Kosten der Jugendlichen 
mit nicht-deutscher Umgangssprache (sozial) erkauft werden und der Gedanke effizienten 
Handelns in Anbetracht der Folgewirkungen von niedrigeren Bildungsabschlüssen verworfen 
werden muss.  
                                                     
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 Steiner M. (2012): Diskussionsbeitrag zu den Themen Chancengerechtigkeit und Mehr-
sprachigkeit, Vortrag am Symposium zum Nationalen Bildungsbericht 2012 am IHS-Wien, 
11/12.April 2012, https://www.bifie.at/system/files/dl/09_IHS-Apr13_Kommentar_NBB-
Kap6_Steiner.pdf  
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 Dazu vergleiche auch: Steiner M. (2011): Empirische Analysen der Beteiligung und Exklu-
sion von MigrantInnen im österreichischen Bildungssystem. In: Biffl G.,  Dimmel N. (Hrsg.) 
(2011): Migrationsmanagement, Band 1, S. 275-289.
        

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