Full text: Perspektiven für sozialen Fortschritt (16)

43
Adi Buxbaum und Sybille Pirklbauer1
INVESTIVER SOZIALSTAAT – WACHSTUM, BESCHÄFTIGUNG 
UND FINANZIELLE NACHHALTIGKEIT: 
VOLKSWIRTSCHAFTLICHE UND FISKALISCHE EFFEKTE DES 
AUSBAUS DER KINDERBETREUUNG IN ÖSTERREICH
1.  ARBEITSLOSIGKEIT UND SOZIALE UNGLEICHGEWICHTE IN EUROPA  
NEHMEN WEITER ZU!
Die Arbeitslosigkeit in Europa hat spätestens 2012 auch für Teile der EU-Kommission (EK) 
mehr als besorgniserregende Höhen (vgl. Europäische Kommission 2013a, 13) erreicht. Diese 
– zu späte – „Einsicht“ ließ bereits damals eine noch weitere Zunahme der Ungleichheiten und 
sozialen Verwerfungen in mehreren europäischen Ländern durch die weiterhin gedämpften 
Wachstumsaussichten und die fortschreitende Austeritätspolitik befürchten.
Dass sich die soziale Lage insgesamt in Europa auch 2013 und im ersten Halbjahr 2014, also 
mehr als fünf Jahre nach Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise, keineswegs entspannt 
hat, belegen auch die neuesten Daten aus dem Beschäftigungs- und Sozialbericht (vgl. Euro-
päische Kommission 2014a) für Europa sowie aktuelle Eurostat-Mitteilungen – im Gegenteil: 
rund 10 Mio. mehr Arbeitslose im Vergleich zu 2008, zunehmende prekäre und damit oft kaum 
existenzsichernde Beschäftigung sowie steigende Ungleichheit! Dass die „Zwischenbilanz“ 
zur Umsetzung (vgl. Europäische Kommission 2014b) der EU-2020-Ziele entsprechend 
schlecht ausfällt, ist nicht überraschend.
Die weiter steigende Arbeitslosigkeit führt, insbesondere im europäischen Süden und in der 
Peripherie, in Kombination mit dem sozialen Kahlschlag, der eine notwendige Bedürfnisde-
ckung für breite Teile der Bevölkerung – seien es materielle Grundbedürfnisse oder das Ange-
bot an öffentlichen Unterstützungsleistungen – vermehrt unmöglich macht, zu gefährlichen 
individuellen und gesellschaftlichen Risikolagen.
Während in vergleichbaren, höherentwickelten Wirtschaftsregionen der Welt (z. B. USA, Ja-
pan) die Arbeitslosigkeit wieder sinkt, werden in Europa die besorgniserregenden Trends fort-
gesetzt: die Beschäftigungsquoten sinken trotz hehrer EU-2020-Ziele weiter und die Arbeits-
losigkeit verharrt auf Rekordniveau!
1 Dieser Beitrag baut auf unserer Studie aus dem Jahr 2013 auf, die unter der Mitarbeit von folgenden Personen 
entstanden ist: Markus Marterbauer, Miriam Rehm, Josef Wöss, Thomas Zotter und Josef Zuckerstätter.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.