Full text: Perspektiven für sozialen Fortschritt (16)

Ulrike Famira-Mühlberger
 ? Die Wirkungen der Sozialpolitik sind vielfältig: Sie können einerseits konsum- und damit 
konjunkturstabilisierend sein (z. B. Leistungen aus der Pensions- und Arbeitslosenversiche-
rung), andererseits können sie als Investitionen angesehen werden, die mittel- und langfris-
tig einen positiven Wachstums- und Budgetbeitrag leisten (z. B. Gesundheitsschutz und 
Bildungsausgaben) 
 ? Gerade die Bildungspolitik von heute hat einen gravierenden Einfluss auf die Sozialpolitik 
von morgen. Gut ausgebildete Personen haben beobachtbar bessere Chancen auf dem 
Arbeitsmarkt, sind weniger von Arbeitslosigkeit betroffen, sind in der Regel zufriedener mit 
ihrer Arbeit und auch gesünder 
 ? Bildungspolitik im weiteren Sinn (u. a. schulische bzw. postschulische Bildung, Umschu-
lungen etc.) ist zentraler Bestandteil eines investiven Sozialstaats. Effektive Bildungspolitik 
beginnt allerdings in dem Bereich, der üblicherweise unter „Kinderbetreuung“ subsumiert 
wird, also in der frühkindlichen Lebensphase
 ? Der Ausbau frühkindlicher Bildungsinstitutionen von hoher Qualität hat neben positiven Wir-
kungen für Kinder auch den Effekt, dass sich Eltern – in der Regel allerdings Frauen – inten-
siver am Arbeitsmarkt beteiligen können
 ? Neben der Bildungspolitik stellen auch die aktive Frauen- und Familienpolitik sowie die 
 aktive Arbeitsmarkt- und Migrationspolitik wichtige präventive Elemente einer modernen 
Sozialpolitik dar
 ? Soziale Investitionen sind allerdings kein Substitut für sozialen Schutz. Vielmehr ist eine 
grundlegende soziale Absicherung eine notwendige Bedingung für effektive soziale Inves-
titionen
Adi Buxbaum/Sybille Pirklbauer
 ? Die Erkenntnis, dass sozialer Fortschritt und ökonomische Ziele im Gleichschritt erreicht 
werden können, lässt sich auch sehr eindrucksvoll am Beispiel des Ausbaus der sozia-
len Infrastruktur zeigen. Gerade hinsichtlich der Steigerung von Beschäftigung hat der 
Ausbau sozialer Dienste größere Effekte als jede andere Form des Einsatzes öffentlicher 
Mittel 
 ? Fehlt soziale Infrastruktur, führt dies zu Verwerfungen auf dem (regionalen) Arbeitsmarkt 
bis hin zur Abwanderung insbesondere qualifizierter Arbeitskräfte, deren Vorhandensein für 
Standortentscheidungen von Unternehmen ein gewichtiger Faktor ist 
 ? Das in der Europa-2020-Strategie definierte Beschäftigungsziel von europaweit 75 % in der 
Altersgruppe der 20- bis 64-Jährigen braucht u. a. eine entsprechende Erhöhung der Frau-
enbeschäftigung; Voraussetzung dafür ist eine Beseitigung der Erwerbsbarrieren durch die 
Entlastung von unbezahlter Familienarbeit 
 ? Ein Ausbau der institutionellen Kinderbetreuung bewirkt über direkte Beschäftigungsmög-
lichkeiten und bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie 
auch deutliche Mehreinnahmen für die öffentliche Hand
        

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