Full text: Wien wächst (12)

WIEN WÄCHST 
108 ARBEITERKAMMER WIEN 
Für den Umgang mit den dargestellten Herausforderungen einer wachsenden Stadt bieten sich als 
Handlungsfelder der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik eine Reihe von Ansätzen an, und zwar 
sowohl auf der Angebots-, als auch auf der Nachfrageseite des Arbeitsmarktes. 
NACHFRAGESEITIG 
Impulse auf die Nachfrage nach Arbeitskräften sollten schon aufgrund des Wachstums der Stadt 
entstehen bzw. notwendig und politisch umsetzbar werden. Eine wachsende Bevölkerung löst Be-
darf bzw. Nachfrage nach Konsumgütern, Wohnraum und Infrastruktur (Bildung, Verkehr etc.) aus, 
deren Befriedigung zusätzlicher Beschäftigung bedarf. Besonders im Bereich Wohnen und Infra-
struktur sind dabei politische Entscheidungen für die Realisierung dieser zusätzlichen Beschäfti-
gungspotentiale maßgeblich.  
Zusätzlich stellt die Zuwanderung von (qualifizierten) Arbeitskräften ein Innovationspotential dar, 
dessen Ausschöpfung durch gute Rahmenbedingungen (etwa für die „migrantische Ökonomie“) und 
eine gute Integrationspolitik unterstützt werden kann.  
Nicht zuletzt kann die öffentliche Hand ihre Arbeitgeberfunktion nutzen, um Menschen mit beein-
trächtigter Arbeitsfähigkeit adäquate Arbeitsmöglichkeiten zu bieten und somit der Verfestigung von 
Arbeitslosigkeit entgegen zu wirken. Anreizmechanismen zur Beschäftigung von am Arbeitsmarkt 
schwer vermittelbaren Personengruppen könnten auch für private Unternehmen wesentlich ausge-
baut werden (im Rahmen von experience rating oder Bonus-Malus-Systemen auch ohne große zu-
sätzliche Ausgaben von öffentlicher Hand). 
ANGEBOTSSEITIG 
Durch die Polarisierung im Bereich der Qualifikationsniveaus der erwerbsfähigen Bevölkerung und 
damit den hohe Anteil von Personen mit maximal Pflichtschulabschluss (sowohl in der erwerbsfähi-
gen Bevölkerung als auch und vor allem in der Arbeitslosigkeit in Wien) wird deutlich, wie wichtig die 
Vermeidung einer vorzeitigen Beendigung von Ausbildungswegen ist. Mit dem Qualifikationsplan 
2020 und dem darin enthaltenen Ziel, die Zahl der „early school leavers“ um 30% zu senken, setzt 
die Politik in Wien bereits eine Priorität in diese Richtung.  
Die Förderung der Potentiale in Wien lebender MigrantInnen ist – angesichts der Migrationsströme 
und der wachsenden Arbeitsmarktprobleme, vor allem bei ausländischen Arbeitskräften aus der 
Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien – eine weitere offensichtliche Herausforderung, zu der 
auch bereits vielfältige Aktivitäten gesetzt werden. Beispielsweise erweist sich für Arbeitslose, die 
Probleme mit der Beherrschung der deutschen Sprache haben, eine Unterstützung des AMS in 
Untersuchungen als erfolgreich und wird von den Betroffenen geschätzt
3
. 
Der hohe Anteil von Arbeitslosen mit langdauernder bzw. wiederholter Arbeitslosigkeit erfordert auch 
eine intensive und dem individuellen Bedarf entsprechende Unterstützung bei der Reintegration in 
den Arbeitsmarkt. Das ist angesichts der Größenordnung dieses Problems im Falle Wiens kein ein-
faches Unterfangen. Im Jahresdurchschnitt 2013 waren in Wien über 90.000 Menschen arbeitslos. 
Dennoch sollten Maßnahmen an den sehr heterogenen individuellen Bedarfslagen ausgerichtet 
werden. Breit und wenig zielgruppenorientiert eingesetzte Maßnahmen erweisen sich als wenig 
                                                     
3
 Vgl. Eppel, R., Huemer, U., Mahringer, H., Weber, A., Öffentliche Arbeitsvermittlungssysteme und ihr Einfluss auf Suchver-
halten und Erfolg der Arbeitssuche, WIFO-Monografien 9/2012.
        

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