Volltext: Wien wächst (12)

WIEN WÄCHST 
10 ARBEITERKAMMER WIEN 
Empirisch beruht der Beitrag auf Daten der Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung für Wien 
II (SOWI II) (siehe Verwiebe et al. 2014)
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 sowie auf Daten der Sozialberichterstattung der Statistik 
Austria (z.B. Kindertagesheimstatistik). Inhaltlich werden das Haushaltserwerbsverhalten, die Kin-
derbetreuungssituation sowie die Aufteilung der Familienarbeit zwischen den Partnern für einen 
Zeitraum von fast 20 Jahren betrachtet (1995-2013).  
VEREINBARKEIT VON BERUF UND FAMILIE - TRENDS IN DER INTERNATIONALEN 
FORSCHUNG2 
Der Anstieg der Berufstätigkeit von Frauen in den letzten Jahrzehnten führte zur Zunahme von Dop-
pelverdienerhaushalten und zur Angleichung ihrer Verbreitung in vielen europäischen Staaten. Den-
noch beobachten wir auch länderübergreifende Abweichungen, die vor allem auf Unterschiede in 
der Arbeitsmarktintegration von Müttern zurückgehen. Diese Unterschiede sind am größten, wenn 
das jüngste Kind unter drei Jahren alt ist. So sind zum Beispiel nur circa 10% der Mütter mit Klein-
kindern in Tschechien am Arbeitsmarkt aktiv, während es mehr als 60% in den Niederlanden und 
Belgien sind (OECD 2013). Korrespondierend damit gibt es deutliche nationale Unterschiede bei 
den Arbeitszeiten: Teilzeitarbeit von Frauen ist am weitesten in den Niederlanden und in den 
deutschsprachigen Ländern verbreitet, während in Zentral- und Osteuropa eher Vollzeitbeschäfti-
gung vorherrscht (OECD 2013); in Österreich sind aktuell etwa ein Viertel der Frauen in Teilzeit 
tätig. 
Die sozialen Realitäten in Doppelverdienerhaushalten, so zeigen sehr viele Studie, implizieren nicht 
notwendigerweise eine Gleichberechtigung zwischen den Partnern hinsichtlich beruflicher Arbeit auf 
der einen Seite und Haushalts- und Familienarbeit auf der anderen Seite. Sind beide Partner in den 
Arbeitsmarkt integriert, tendieren Frauen dazu weniger Stunden als ihre männlichen Partner zu ar-
beiten (Hall/MacDermid 2009) und wenn beide Partner in Vollzeit arbeiten, verdienen Männer meist 
mehr als Frauen (Raley et al. 2006). Ebenso impliziert doppeltes Einkommen nicht, dass der Karrie-
re der Partner die gleiche Bedeutung beigemessen wird. Frauen machen eher Kompromisse als 
Männer, deren Karrieren familienintern und gesamtgesellschaftlich häufig Vorrang eingeräumt wird 
(Solga/Wimbauer 2005). 
Die zunehmende Integration von Frauen am Arbeitsmarkt hat in westlichen Gesellschaften starke 
Folgen in unterschiedlichen Bereichen.
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 Gesellschaftspolitisch wird dadurch unter anderem die De-
batte nach Gleichberechtigung in beruflichen Spitzenpositionen und die Verringerung des gender-
wage-gap befeuert. Familienpolitisch hat dadurch die Frage der Kinderbetreuung eine neue Rele-
vanz bekommen. Sind beide Partner erwerbstätig, so fällt es Paaren mit kleinen Kindern häufig 
schwer, Beruf und Familie erfolgreich miteinander in Einklang zu bringen. Kinderbetreuung durch 
externe (häufig kommunale) Einrichtungen kommt in diesem Kontext eine besonders große Rolle 
zu. Auf der Haushaltsebene beobachten wir einerseits eine stark schrumpfende Geburtenrate – vor 
allem in Ländern wie Österreich, Deutschland und Italien – zum anderen auch eine Tendenz hin 
zum Kinderverzicht von Paaren (Bahle 2008; Billari 2005a, b; Mau/Verwiebe 2010). Unter den er-
                                                     
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 Im Jahr 2012/13 wurde im Rahmen einer Forschungskooperation der Stadt Wien mit der Universität Wien eine umfassende 
Studie zur Erfassung der Lebensqualität in Wien durchgeführt. Dazu wurden 8400 Bürger mit einem standardisierten Frage-
programm befragt. Die Studie ist auf der Ebene von Stadtteilen repräsentativ. 
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 Die Ausführungen in Abschnitt 2 beruhen in Teilen auf einer Publikation von Berghammer/Verwiebe (2014). 
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 Derzeit sind z.B. in Österreich fast 70% der Frauen im erwerbsfähigen Alter am Arbeitsmarkt aktiv, Ende der 1990er Jahre 
lag die Erwerbsquote noch bei 62%. Die Erwerbsbeteiligung der Männer liegt in diesem Zeitraum bei 80%. Ähnliche Trends – 
stark wachsende Erwerbsbeteiligung von Frauen und stagnierende Erwerbsbeteiligung von Männern – lassen sich in fast 
allen europäischen Ländern beobachten.
        

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