Full text: Wien wächst (12)

WIEN WÄCHST 
ARBEITERKAMMER WIEN 89 
GROSSE ANSTRENGUNGEN LIEGEN VOR WIEN 
Klar ist: der Platz sowohl in Kinderbetreuungseinrichtungen als auch an Wiener Volksschulen ist 
jetzt schon sehr knapp. Die Knappheit wird weiter ansteigen. Massive Anstrengungen müssen ge-
setzt werden, um den Anforderungen der nächsten Jahre gut nachkommen zu können. Derzeit sind 
ausreichend Plätze für den gestiegenen Bedarf nicht vorhanden. Viele Bauprojekte sind jedoch noch 
offen und es wird notwendig sein auch auf unkonventionellere Lösungen wie die Anmietung von 
Erdgeschossräumlichkeiten für Kindergärten und Schulen zurückgegriffen werden.  
Wichtig ist vor allem auch, dass die Abstimmung des Wiener Wohnbaus mit Schul- und Kindergar-
tenplatzbau optimiert wird, denn offensichtlich gibt es hier bei den Planungen wiederholt Abstim-
mungprobleme. 
Dazu kommt – wie erwähnt – die notwendigen Übereinkünfte mit Niederösterreich, woher die meis-
ten SchulpendlerInnen bereits jetzt stammen. Dafür sind an Bundesschulen Vereinbarungen zwi-
schen Bund und den betroffenen Bundesländern vorrangig. 
SOZIALE BENACHTEILIGUNG UND MIGRATIONSHINTERGRUND IN WIENS SCHULEN  
An Wiens Schulen gibt es eine außergewöhnlich hohe Konzentration an sozial benachteiligten 
SchülerInnen (Daten aus der BIFIE Bildungsstandardmessung 2012). (siehe Abbildung 6). 
Diese hohe Zahl konzentriert sich an ausgewählten Schulstandorten und korreliert häufig, aber nicht 
zwangsläufig mit einer hohen Zahl an Kindern mit Migrationshintergrund. Ein bedeutender Teil der 
Kinder mit Migrationshintergrund und sozialer Benachteiligung hat Sprachförderbedarf in Deutsch 
und/oder der Erstsprache. 
Dies ist ein städtisches Phänomen wie es auch in anderen österreichischen oder europäischen 
Städten bzw Stadtvierteln vorherrscht.  
An einem Beispiel illustriert, lässt sich auf eindrückliche Art zeigen, welche Unterschiede in der 
Chancengerechtigkeit und der Förderung der Kinder aus diesen Besonderheiten entstehen. 
An den zehnten Wiener Gemeindebezirk grenzt die niederösterreichische Kleingemeinde Henners-
dorf im Süden Wiens. Deren Volksschule wird als Schulverbund mit der dortigen Nachbargemeinde 
Achau betrieben. In keiner Volksschulklasse dort werden mehr als 15 Kinder unterrichtet; offenbar 
gibt es kaum soziale Benachteiligung oder Migrationshintergrund unter den Kindern dort. Wer sich 
dann über die Stadtgrenze nach Wien Favoriten – einem der ärmeren Bezirke Wiens – begibt, ist mit 
einer gänzlich anderen Situation konfrontiert: Volksschulklassen unter 25 Kindern sind kaum zu 
finden; die überwiegende Mehrheit der Kinder hat Migrationshintergrund verbunden mit den Phäno-
menen der sozialen Benachteiligung (wie bildungsferne Eltern…) 
VolksschullehrerInnen in Favoriten sollen selbstverständlich die gleichen Kompetenzen mit ihren 
SchülerInnen erarbeiten wie jene in Hennersdorf. Dies ist schier unmöglich. 
In Österreich ist mittlerweise unzähligen Studien zufolge (siehe etwa Nationaler Bildungsbericht 
2012) die soziale Vererbung von Bildungsschancen stark ausgeprägt. Wenn bildungsferne Eltern 
wenig Bildung genossen haben, können sie nur wenig an ihre Kinder weitergeben. 
Darüber hinaus zeigen Untersuchungen, dass zum bildungsfernen Elternhaus durch die Wahl der 
Wohngegend, die ja in der Regel auf finanziellen Gründen gewählt wird, sehr häufig eine Konzentra-
tion sozial benachteiligter an bestimmten Schulstandorten entsteht. Negative Auswirkungen dieser 
Konzentration von benachteiligten SchülerInnen bestehen darin, dass die individuellen Unterstüt-
        

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