Full text: Kommerzielle digitale Überwachung im Alltag

36 / 88 Kommerzielle Digitale Überwachung im Alltag | Studie im Auftrag der österreichischen Bundesarbeitskammer | 2014 4.2. Fitness-Tracker und Wearables: Die Vermessung des Selbst Was bis vor einigen Jahren nur bei chronisch Kranken oder im Spitzensport üblich war, wird nun nach und nach für breite Bevölkerungsschichten zum Alltag: Die Optimierung des Selbst94 durch die kontinuierliche Vermessung der eigenen Vitalitäts- und Körperfunktionen mit verschie- denen Geräten von Smartphone-Apps über tragbare Sensoren bis zur vernetzten Waage. Unter Schlagwörtern wie Quantified Self95, Self Tracking oder Lifelogging wird heute eine Vielzahl an Produkten zur digitalen Erfassung, Analyse und Auswertung von Körper- und Gesundheitsdaten vermarktet. Dabei wird etwa die Anzahl der bewältigten Schritte, Pulswerte oder die Schlafdauer und - qualität gemessen – manchmal ergänzt durch laufende Erfassung des Standorts via GPS- Sensor. Viele dieser Anwendungen bieten Unterstützung bei der Erfassung von Sportaktivitä- ten, Gewicht, Ernährungsgewohnheiten, manche auch von weiblichem Zyklus, Alkohol- oder Nikotinkonsum oder sogar von Stimmung und psychischem Wohlbefinden. Die meis- ten tragbaren Fitness-Tracker – im englischen Sprachraum oft als „Wearables“ bezeichnet - messen die körperliche Aktivität mit einem Beschleunigungssensor96, der Richtung und Intensi- tät von Bewegungen erkennt. Die gemessenen Werte werden mehr oder weniger genau in Schritte, Kalorienverbrauch, be- wältigte Strecken und Schlafdauer bzw. -qualität umgerechnet (z.B. bei den Fitness- Armbändern Fitbit Flex oder Jawbone Up). Andere Produkte bieten zusätzlich einen Sensor für die Messung von Puls bzw. Herzfrequenz (z.B. Samsung Gear Fit, Garmin Vivofit, POLAR Loop), manche einen Höhensensor (Fitbit The One, Withings Pulse O2, Runtastic RUNGPS1) oder sogar Sensoren für Hautwiderstand oder Temperatur (z.B. Basis B1). Die gemessenen Daten sind in Folge via Web-Plattform oder Smartphone-App zugänglich und können von den NutzerInnen mit weiteren Informationen angereichert werden – etwa mit Angaben zu Ernäh- rungsverhalten (umgerechnet in Kalorienaufnahme), Gewicht, Körpermaße, Blutdruck und Blutzucker. Durch die Vorstellung der Apple Watch – einer sogenannten Smartwatch mit Be- wegungs- und Puls-Sensoren - hat der Hype um Wearables 2014 einen neuen Höhepunkt er- reicht. Auf der Website quantifiedself.com97 findet sich ein Verzeichnis von über 500 derartiger Tools, die sich nicht auf die Messung von Körperfunktionen beschränken. Von Anwendungen zur Er- fassung und Verbesserung von Produktivität (z.B. Todo-Listen-Apps), Lernfortschritten oder psychischem Wohlbefinden bis zur Analyse des eigenen Online-Verhaltens oder der eigenen sozialen Netzwerke werden dabei die unterschiedlichsten Lebensbereiche abgedeckt – teils mit dem Ziel der möglichst weitgehenden Erfassung des eigenen Alltags. In einem weiteren Sinn werden auch klassische Social Media Plattformen wie Facebook, Twitter oder Instagram unter dem Paradigma des Self Tracking genutzt. 2007 war es nur eine kleine Community, die sich rund um die Plattform quantifiedself.com über die Vermessung des Selbst und geeignete Hilfsmittel ausgetauscht hat. Mitbegründer der Platt- form ist Gary Wolf, der seit der Veröffentlichung seines Manifests „The Data-Driven Life“98 als 94 Friedrichs, Julia (2013): Selbstoptimierung. Das tollere Ich. Zeit Magazin, 12.08.2013. Abgerufen am 04.07.2014 von http://www.zeit.de/2013/33/selbstoptimierung-leistungssteigerung-apps 95 http://de.wikipedia.org/wiki/Quantified_Self 96 http://de.wikipedia.org/wiki/Beschleunigungssensor 97 http://quantifiedself.com (Abgerufen am 04.07.2014) 98 Wolf, Gary (2010): The Data-Driven Life. New York Times, 02.05.2010. Abgerufen am 04.07.2014 von http://www.nytimes.com/2010/05/02/magazine/02self-measurement-t.html?pagewanted=all Körper- und Gesundheitsda- ten Vielfältige Sensoren Die Erfassung des eigenen Alltags… …wird Mainstream

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