Full text: Kommerzielle digitale Überwachung im Alltag

5 / 88                             Kommerzielle Digitale Überwachung im Alltag | Studie im Auftrag der österreichischen Bundesarbeitskammer | 2014 
  
 
1 Aufgabenstellung und Methodik 
 
"That’s No Phone. That’s My Tracker"4 
New York Times, 2012 
 
Durch die rasante Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien dringt 
die Erfassung persönlicher Daten und immer mehr in den Alltag ein. Unsere Vorlieben und Ab-
neigungen werden heute in einem Ausmaß digital gespeichert, verarbeitet und verwertet, 
das bis vor wenigen Jahren undenkbar war. Laut der ehemaligen EU-Kommissarin für Verbrau-
cherschutz Meglena Kuneva sind persönliche Daten „das neue Öl des Internets und die neue 
Währung der digitalen Welt“5. Einzelne Personen werden über Geräte und Plattformen hinweg 
wiedererkannt, deren Verhalten und Bewegungen detailliert ausgewertet, Persönlichkeit und In-
teressen akribisch analysiert. Ob via Kundenkarten, Smartphones oder im Netz – überall werden 
digitalen Spuren hinterlassen. Immer mehr Geräte sind heute mit Sensoren ausgestattet, mit 
dem Internet verbunden und ermöglichen so umfassende Einblicke in das Leben ihrer NutzerIn-
nen. Gleichzeitig lassen sich im Zeitalter von Big Data mit automatisierten Methoden schon aus 
rudimentären Metadaten über Kommunikations- und Online-Verhalten umfangreiche Persönlich-
keitsprofile erstellen. 
Aufstrebende Firmen in den Feldern soziale Netzwerke, Online-Werbung, mobile Apps oder Fit-
ness arbeiten mit Hochdruck an Geschäftsmodellen, die auf der kommerziellen Verwertung 
der gesammelten Profile beruhen. Internationale Unternehmen agieren dabei teils unter Miss-
achtung regionaler Datenschutzgesetze, oft gilt die Devise: Gemacht wird, was technisch mög-
lich ist. Während die Einzelnen immer transparenter werden, agieren viele Unternehmen hoch-
gradig intransparent – deren Services, Apps, Plattformen und Algorithmen sind zentralisiert und 
kaum durchschaubar. Darüber hinaus haben nicht nur die Enthüllungen von Edward Snowden 
gezeigt, dass auch staatliche Behörden und Geheimdienste gern auf die gesammelten Daten 
zugreifen. Die Privatsphäre ist heute gleichermaßen durch Unternehmen wie durch staatliche 
Behörden bedroht. 
Diese Studie zielte darauf ab, anhand von ausgewählten Problemfeldern und Beispielen 
einen fundierten Überblick über internationale Trends in der zunehmenden Erfassung und Ver-
wertung von persönlichen Daten durch Unternehmen zu geben und mögliche Auswirkungen auf 
die NutzerInnen zu beschreiben. Schlussendlich sollten Antworten auf folgende Fragen gegeben 
werden: In welcher Form könnte kommerzielle digitale Überwachung zukünftig den Alltag prä-
gen? Was sind die Risiken – sowohl für die Gesellschaft als auch für Einzelne? Und welche 
Handlungsoptionen ergeben sich daraus für Politik, Öffentlichkeit, Unternehmen und BürgerIn-
nen? 
Die vorliegende Studie basiert auf mehreren Jahren Forschungsarbeit zum Thema und stützt 
sich auf systematische Literaturrecherche, Dokumentenanalyse, die gezielte Suche in internati-
onalen Online-Archiven von Zeitungen und digitalen Medien sowie auf Webseiten von Unter-
nehmen, Organisationen und Behörden. Darüber hinaus wurden in den letzten Jahren hunderte 
Gespräche auf Konferenzen, Veranstaltungen und via Skype geführt – mit ExpertInnen in den 
                                                          
4 Peter Maass, Megha Rajagopalan: That’s No Phone. That’s My Tracker. New York Times, 13.07.2012. 
Abgerufen am 10.07.2014 von http://www.nytimes.com/2012/07/15/sunday-review/thats-not-my-phone-its-
my-tracker.html 
5 Meglena Kuneva: Roundtable on Online Data Collection, Targeting and Profiling. European Commission 
Speech, 31.03.2009. Abgerufen am 14.09.2014 von http://europa.eu/rapid/press-release_SPEECH-09-
156_en.htm 
Forschungs-
methodik 
 
Persönliche 
Daten als neues 
Öl 
des Internets
        

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