Full text: Motivation von Jugendlichen in der betrieblichen Lehrausbildung

Motivation von Lehrlingen 
öibf 18 
V. Ergebnisse und Erkenntnisse aus den Fallbeispielen 
 Auswahlverfahren und Lehrlingsaufnahme V. 1
Die Lehrlingsauswahl von Seiten der Betriebe bzw. die Berufs- und Betriebswahl 
der Jugendlichen stellen die Weichen für den Beginn, aber auch den weiteren 
Verlauf der Lehrausbildung. Je geringer die Diskrepanz – auf beiden Seiten – zwi-
schen den Erwartungen vor Lehrbeginn und der vorgefundenen Realität ausfällt, 
desto höher ist die Chance auf Ausbildungszufriedenheit und Motivation, damit 
verbunden auch auf den Lernfortschritt der Auszubildenden und deren Beitrag zur 
betrieblichen Produktivität. Je größer jedoch die Diskrepanz ausfällt, desto gerin-
ger werden Ausbildungszufriedenheit und Motivation und desto größer wird auch 
die Wahrscheinlichkeit eines Ausbildungsabbruchs. (Vgl. dazu III.4 sowie Quante-
Brandt/Grabow 2008, S.19ff.) 
Die eingesetzten Auswahlverfahren für Lehrlinge variieren bei den untersuchten 
Unternehmen insbesondere nach der Betriebsgröße. So betonen kleine und mitt-
lere Unternehmen stärker die Bedeutung von Schnuppertagen und persönlichen 
Gesprächen, das größte Unternehmen setzt dagegen auf ein aufwändiges mehr-
stufiges Auswahlverfahren (sh. FB6).  
„Es beginnt ja schon bei der Auswahl des Lehrlings. Man muss sich da die Mühe machen und 
alle Lehrlinge nach einer ersten Auswahl zunächst in einem ausführlichen persönlichen Ge-
spräch anhören.“ (FB1/Geschäftsführer/S.2) 
„Ganz, ganz wichtig ist für mich die Auswahl, mit der steht und fällt das ganze Projekt. Da 
machen wir das Casting, davor schon die Tests, damit sie überhaupt zum Casting eingeladen 
werden.“ (FB6/Leiterin der Personalabteilung/S.1) 
Gemeinsamkeiten bestehen hinsichtlich der Auswahlverfahren insbes. in Bezug 
auf das gegenseitige persönliche Kennenlernen in möglichst praxisnahen und 
arbeitsalltäglichen Situationen, was speziell durch die Einbeziehung all jener 
Personen erreicht wird, die in die betriebliche Lehrausbildung maßgeblich invol-
viert sind, also in weiterer Folge mit dem künftigen Lehrling zusammenarbeiten 
werden. Diese Einbeziehung erfolgt je nach Unternehmen in unterschiedlicher 
Form und Ausprägung: So betonen mehrere befragte Geschäftsführer die Wichtig-
keit des Feedbacks künftiger AusbildnerInnen für die Auswahlentscheidung (sh. 
z.B. FB8, FB9).  
„Wenn jemand den Beruf bei uns lernen will, muss er schnuppern kommen. Auch Schüler, gar 
kein Problem, und je länger umso lieber ist es mir. Und wenn es geht, auch jeden Tag mit 
einem anderen Monteur. Erstens kriege ich dann von den eigentlich wirklichen Ausbildnern 
das Feedback, und das ist eigentlich für mich das wesentlichste Auswahlkriterium.“ 
(FB9/Geschäftsführer/S.2) 
Ein Unternehmen setzt im Rahmen von Schnuppertagen einen kurzen Feedback-
bogen ein, der von den zugeteilten Ausbildnern ausgefüllt und auch den Jugend-
lichen nach Abschluss ausgehändigt wird (sh. FB8).  
„Einmal ist einer mit einem solchen Feedbackbogen von der Schule gekommen. Und dann 
hab ich mir gedacht, warum sollten nicht auch andere diesen Feedbackbogen bekommen und 
hab mich schlau gemacht im Internet und hab ein paar solche Bögen herausgesucht. Ich hab 
auch nicht versucht, was Spezifisches zu finden, sondern etwas, mit dem man auf die Person 
eingehen kann. War der freundlich oder nicht, oder aufmerksam oder hat er die Hände ei-
gentlich mehr in der Hosentasche gehabt oder war er gleich intensiv bei der Sache und hat er 
die Dinge hinterfragt, weil er so neugierig war? Und das ist sozusagen eine Kurzfassung auf 
einer Seite, als Bestätigung einerseits für die Schule, aber auch für den jungen Menschen, ob 
er für den Beruf geeignet ist oder nicht.“ (FB8/Geschäftsführer/S.2) 
In einzelnen, kleinen Unternehmen der Auswahl erfolgt die Einbindung der 
Teammitglieder in die Auswahlentscheidung in einem noch stärkeren Ausmaß. So
        

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