Volltext: Motivation von Jugendlichen in der betrieblichen Lehrausbildung

Motivation von Lehrlingen 
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haben im Entscheidungsprozess eines Kleinunternehmens, in dem der reibungslo-
sen Arbeit im Team und der familiären Atmosphäre große Bedeutung für den Er-
folg des Unternehmens zukommt, alle Teammitglieder die gleiche Stimme – die 
Mehrheit entscheidet. 
„(Nach einem ausführlichen persönlichen Gespräch) machen wir einen weiteren Durchgang: 
Alle Bewerber und Bewerberinnen sind zum gleichen Termin eingeladen worden, damit sich 
alle unsere Mitarbeiter, die schon bei uns tätig waren, auch ein Bild machen konnten und 
wir schauen konnten, ob es auch menschelt. Das ist irrsinnig wichtig, weil nicht der aufgrund 
der Testergebnisse oder Schulnoten oder rhetorischen Brillanz am besten Geeignete am bes-
ten ins Team passt, sondern es muss auch das Gefühl da sein. Und nachdem die vier sich 
präsentiert hatten, haben wir eine geheime Wahl gemacht. Und alle haben unseren jetzigen 
Lehrling an die erste Stelle gesetzt.“ (FB1/Geschäftsführer/S.2) 
Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang der Einfluss der Gestaltung 
der Auswahlverfahren auf die Entscheidung der Jugendlichen für oder gegen ei-
nen bestimmten Ausbildungsplatz. Gerade jene Jugendlichen, die aufgrund ihres 
Potenzials mehrere Lehrstellen zur Auswahl haben, schließen etwa von den Frage-
stellungen eines Aufnahmetests oder den Erfahrungen, die sie im persönlichen 
Aufeinandertreffen mit VertreterInnen des Betriebs und dem ihnen ermöglichten 
Einblick in die berufliche Realität gemacht haben, auf die Qualität der künftigen 
betrieblichen Ausbildung.6 
„Für mich war das Lehrlingscasting auf jeden Fall ausschlaggebend, warum ich mich für eine 
Lehre hier entschieden hab. Ich hab da viel über das Unternehmen erfahren, über das Ange-
bot, das, was wir zusätzlich lernen, welche Möglichkeiten wir haben, also Lehrlingstage, 
Schulungen und so fort. Ich hab mir das vorher ganz genau angeschaut, auch bei anderen 
Lehrbetrieben, wie gut die Ausbildung ist.“ (FB6/Lehrling3/S.1) 
Werden die Erwartungen der Jugendlichen bezüglich der Qualität der Ausbildung 
in weiterer Folge jedoch enttäuscht – wie es bspw. bei einem der befragten Lehr-
linge der Fall war –, besteht die Gefahr, insbesondere sehr ambitionierte Lehrlin-
ge noch während der Lehrzeit an andere Unternehmen zu verlieren. 
„Ich hab ein Jahr in einem sehr renommierten Restaurant gelernt, die Lehrausbildung war 
aber lang nicht so gut wie das Lokal. Und ich will ja was lernen. Von meinem Bruder hab ich 
gewusst, dass die Ausbildung hier sehr gut ist, und deshalb bin ich nach dem ersten Lehrjahr 
hierher gewechselt.“ (FB6/Lehrling1/S.1) 
Zu Lehrbeginn erfolgen in allen Unternehmen der Auswahl grundlegende Erstge-
spräche durch Ausbildungsverantwortliche, die weitergehende Informationen zu 
Ausbildung beinhalten und die LehranfängerInnen mit der Unternehmenskultur 
vertraut machen sollen. 
 
 Anforderungsvielfalt, Ganzheitlichkeit und Bedeutsamkeit der V. 2
Aufgabe 
Nach Hackman und Oldham (Job Characteristics Theory, vgl. Punkt III.4.2) stellt 
die erlebte Bedeutsamkeit der eigenen Arbeitstätigkeit neben der erlebten Ver-
antwortung für die Ergebnisse des Tuns und dem Wissen um Resultate und Quali-
tät der eigenen Arbeit eine der wesentlichen Einflussgrößen auf das individuelle 
                                              
6 So begründete ein Lehrling im Rahmen eines Workshops, das vom öibf im Zuge eines laufenden 
Leonardo da Vinci-Projekts durchgeführt wurde, seine Entscheidung für den aktuellen Lehrbetrieb 
folgendermaßen: „Ich hab insgesamt drei Aufnahmetests bei verschiedenen großen Unternehmen 
gemacht und alle hätten mich genommen, aber für mich war klar, dass ich nur zu einem Betrieb will. 
(...) Ausschlaggebend war für mich, dass beim Aufnahmetest bei meinem jetzigen Unternehmen viele 
Ausbildner anwesend waren und sie auch mit uns geredet haben in den Pausen. Das hat für mich 
gezeigt, dass die an mir und der Lehrlingsausbildung wirklich interessiert sind. Außerdem waren mir 
viele der Ausbildner sehr sympathisch. Und einige Fragen im Test bei den anderen Unternehmen waren 
sowas von unnötig, dass ich mir gleich gedacht hab: Wenn die schon solche Frage stellen, was lern ich 
dann überhaupt dort?“
        

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