Full text: Motivation von Jugendlichen in der betrieblichen Lehrausbildung

Motivation von Lehrlingen 
öibf 35 
 Rolle der AusbildnerInnen V. 11
Die Fallbeispiele zeigen entsprechend der Betriebsgröße zwei verschiedene Ansät-
ze zur Ausbildung. Einerseits können stark formalisierte und durchorganisierte 
Zugänge identifiziert werden, die mit institutionalisierten Instrumenten und um-
fangreichen Zusatzangeboten eine erfolgreiche Ausbildung garantieren. Anderer-
seits gibt es Zugänge, die einem stärker intuitiv-persönlichen Prinzip folgen und 
die Qualität der Ausbildung durch den Einsatz einer besonders betonten zwi-
schenmenschlichen Komponente sicherstellen. 
„Weil sie eben g’schreckt waren, deshalb hab ich sie zuerst an die Kinderfront geschickt. Weil 
da die Hemmschwelle nicht so groß ist. Ich mach das alles intuitiv. Ich hab das alles nicht 
gelernt, ich bin in der Praxis ein völliger Autodidakt. In der Theorie nicht, aber in der Pra-
xis.“ (FB2/Geschäftsführer/S.10) 
Letztlich ist beiden Ansätzen gemein, dass der Erfolg der Ausbildung und die 
Motivation der Lehrlinge unter den jeweils gegebenen Rahmenbedingungen ganz 
entscheidend von der ausbildenden Person abhängen. Die/der AusbildnerIn ist 
bei beiden Ansätzen die/der erste AnsprechpartnerIn im Betrieb und diejenige 
Person, mit der die Lehrlinge am meisten zu tun haben. Entsprechend dem über-
wiegend stark ausgeprägten Investitionsmotiv der betrachteten Betriebe wird 
demnach der Eignung der AusbildnerInnen große Bedeutung zugemessen. 
„Das Ganze steht und fällt mit dem Mitarbeiter, der die jungen Burschen und Mädchen aus-
bildet, und das ist der Knackpunkt. Die jungen Buben und Mädchen sind genau so blöd und 
gescheit wie vor 30 Jahren, die Zeit hat sich halt geändert. (…) Es ist wahnsinnig schwer, 
Wissen weiter zu geben. Da gibt es Menschen, die können das sehr gut, die meisten können 
es nicht so gut. Leider. Jetzt muss ich als Unternehmer erkennen können, welcher Mitarbeiter 
kann das Wissen weitergeben. Das ist der erste Punkt, den ich bei mir durchgehe. Der zweite 
ist der: Ich schule die Mitarbeiter. Ich mache das aber nicht über Ausbildungsstätten, ich 
mache das selbst.“ (FB4/Geschäftsführer/S.4) 
V.11.1 Eignung der AusbildnerInnen 
Die Art und Weise, wie die Eignung der AusbildnerInnen für die Ausbildungsauf-
gabe sichergestellt wird, ist also keineswegs einheitlich. In einigen Unternehmen 
wird großer Wert darauf gelegt, dass die an der Ausbildung Beteiligten sich for-
malisierte Qualifikationen aneignen, bspw. durch Ausbilderkurse, pädagogische 
Schulungen, oder Seminare zur Konfliktlösung (so z.B. FB6, FB8). In anderen 
Unternehmen werden v.a. MitarbeiterInnen eingesetzt, die selbst im Betrieb ge-
lernt haben, mit den jeweiligen Anforderungen vertraut sind und auch das Ver-
trauen des Geschäftsführers hinsichtlich ihrer entsprechenden Eignung genießen 
(so z.B. FB4, FB9). Ein Grund dafür, dass nicht überall auf externe Weiterbildung 
der Ausbildenden gesetzt wird, liegt nach Aussage der GesprächspartnerInnen in 
den damit verbundenen Kosten. Dabei geht es – gerade bei kleineren und mittle-
ren Unternehmen – weniger um die direkten Kosten für Schulungen, sondern 
vielmehr um die Kosten, die der Ausfall der MitarbeiterInnen für die Dauer der 
Schulungsmaßnahme verursacht. 
„Das Teuerste oder Aufwändigste, das die Öffentlichkeit nicht sieht, ist ja der Ausfall, den 
wir haben. Wenn ich eine Schulung mache, und die dauert einen ganzen Freitag, dann sind 
das sieben Stunden, die ich nicht verkaufen kann, mal sechs Partien, also da reden wir von 
zweistelligen Tausend-Euro-Beträgen. Und das ist natürlich dann schon ein Opfer oder viel-
mehr eine Überwindung, solche Dinge zu machen, als nur rein die Tatsache, die Leute ein-
fach nur schulen zu wollen. Darum treffen wir uns – wenn es möglich ist – da in der Mitte, 
wo ich sage: O.k., wir machen die Schulung eben an einem Freitag. Das heißt, mehr als den 
halben Tag gebe ich dazu, dafür geht es bis zum Abend und das ist eure Freizeit. Also ein 
Drittel muss halt von den Leuten kommen, wenn sich das machen lässt.“ 
(FB9/Geschäftsführer/S.2) 
„Grundsätzlich haben wir Betriebsleiter mit sehr, sehr viel Potenzial. Wir fördern auch die 
Lehrlingsausbilderprüfung, da haben sich jetzt auch plötzlich viele gemeldet, die das gerne
        

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