Full text: Motivation von Jugendlichen in der betrieblichen Lehrausbildung

Motivation von Lehrlingen 
öibf 37 
V.11.3 Begleitung und Unterstützung bei persönlichen Problemen 
Der fachliche Aspekt – als Vermittlung von Qualifikation im betrieblichen Bereich 
oder als Unterstützung in Hinblick auf die Berufsschule – stellt nur einen Aspekt 
der Eignung der AusbildnerInnen dar. Die Lehre ist für Jugendliche nicht nur jene 
Zeit, in der wichtige Weichen für ihre berufliche Zukunft gestellt werden, sondern 
sie spielt auch eine bedeutende Rolle für ihre persönliche Entwicklung. Da der 
Beginn einer Lehrausbildung sehr früh erfolgt, zu einem Zeitpunkt, in dem die 
Jugendlichen im Zuge der Pubertät um ihre Identitätsfindung bemüht und zahl-
reichen Einflüssen ausgesetzt sind, die Jugendlichen sich also in einer sehr 
schwierigen Phase ihres Lebens befinden, müssen die Ausbildungsverantwortli-
chen bzw. AusbildnerInnen über entsprechende persönliche und soziale Kompe-
tenzen verfügen, um die Jugendlichen in dieser sensiblen Phase der persönlichen 
Entwicklung begleiten und unterstützen zu können  
„Es ist auch schwierig, wir nehmen Lehrlinge auf, die mit ihren 14, 15 Jahren Kinder sind, 
eigentlich überhaupt nicht wissen, was sie wirklich wollen. Irgendwelche Freunde, Familie, 
Angehörige beeinflussen sie, und dann sind sie der Meinung, das wollen sie lernen. Es kom-
men alle sehr bemüht, sonst würden wir darauf gar nicht eingehen, und dann kommt die 
Pubertät. Also wir erleben alles mit, was eigentlich nicht sehr vorteilhaft ist für ein Mitei-
nander, was wir aber schon gewohnt sind. Und dann entwickelt er sich eigentlich zu einer 
Persönlichkeit, die dann aber natürlich Entscheidungen trifft für das weitere Leben.“ 
(FB9/Geschäftsführer/S.1) 
In allen betrachteten Unternehmen haben die auszubildenden Jugendlichen min-
destens eine Ansprechperson, an die sie sich auch mit persönlichen Problemen 
wenden können. In einem Fall (FB6) handelt es sich dabei um Vertreterinnen der 
Personalabteilung des Unternehmens, die den Lehrlingen für persönliche Anliegen 
zur Verfügung stehen. In mehreren größeren Unternehmen (z.B. FB4, FB7) nimmt 
neben den AusbildnerInnen auch die Geschäftsführung eine beratende und eine 
Vorbildrolle ein, indem sie die Lehrlinge bspw. zu einer realistischen Lebenspla-
nung oder zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld anregt und versucht, sie 
bei Problemen nach Möglichkeit zu unterstützen. Bei den kleineren Einzel- und 
Familienunternehmen liegt die Stärke tendenziell im familiären Umgang, in hoher 
sozialer Kompetenz der Ausbildungsverantwortlichen und im engen Verhältnis 
zwischen AusbildnerInnen und Lehrlingen. 
„Unsere große Stärke ist, dass wir irgendwie eine große Familie sind. Das heißt jetzt gar 
nicht, dass es spannend ist, was jeder von uns am Wochenende macht, das kommt dann von 
selber. Aber irgendwann – weil es war nicht meine Absicht – irgendwann ist mir zu Bewusst-
sein gekommen, die Mädchen kommen mit Dingen zu mir, mit denen man sonst zu seiner 
Mutter kommt. Abgesehen davon, dass sie hier Kochen lernen.“ (FB3/Geschäftsführerin/S.1) 
„Sie redet mit uns, also beredet das mit uns. Schon. Zum Beispiel, wie von meiner besten 
Freundin die Schwester verstorben ist dieses Jahr, da ist es mir halt auch nicht so gut ge-
gangen. Dann bin ich zu ihr gegangen, sie hat mit mir geredet und dann ist es mir auch 
schon besser gegangen.“ (FB3/Lehrlinge/S.3) 
„Ich hatte einmal kurz Probleme in der Firma. Da bin ich halt zum Chef gegangen, und er 
hat sich mit mir zusammengesetzt und hat mit mir geredet. Also er setzt sich schon auch für 
uns ein. (...) Beim Bewerbungsgespräch hat er mir gesagt: ‚Auch wenn du Probleme in dei-
nem Privatleben hast, kannst du zu mir kommen, und ich werde versuchen, dir zu helfen, wo 
ich kann.’“ (FB4/Lehrlinge/S.4) 
„Das sage ich ihnen am ersten Tag: Wenn es ein Problem gibt, und wenn sie das wollen, 
dann können sie mit mir reden. – Das biete ich aber den Facharbeitern genauso an. (...) Bei 
Lehrlingen merke ich stark: Da übernimmst du eine Vaterrolle. In dem Alter ist das, was die 
Eltern zuhause sagen, ein Blödsinn, da hört man eher auf das, was extern kommt. Also da 
hast du eine enorme Verantwortung als Ausbildner.“ (FB4/Geschäftsführer/S.8) 
„Wir sind Hauptansprechpartner für alle Anliegen, die sie haben: Liebeskummer, Wohnungs-
probleme, und so weiter. (...) Da suchen wir kurzfristig zum Beispiel ein Studentenheim. 
Meine Assistentin ist da sehr engagiert. (...) Und wenn sie sich nicht selbst anrufen trauen,
        

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