Full text: Motivation von Jugendlichen in der betrieblichen Lehrausbildung

Motivation von Lehrlingen 
öibf 8 
III. Methodische Herangehensweise 
Grundlage der vorliegenden Untersuchung bilden zehn Beispiele guter Praxis für 
spezielle betriebliche Aktivitäten und Rahmenbedingungen, die förderlich auf die 
Motivation der auszubildenden Jugendlichen wirken.  
Zur wissenschaftlichen Vorbereitung der Fallbeispiele und zu deren kontextueller 
Einbettung ging der Erhebung ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand 
zu den Themenbereichen Motivation und Arbeitszufriedenheit voraus. Dabei wur-
de besonderer Wert auf die Berücksichtigung von Studien und Theorien gelegt, 
die für die spezielle Situation von Lehrlingen relevant sind. Die Aufbereitung der 
Theorie diente auch als Basis für die Identifikation von Erhebungskriterien, die in 
die Interviewleitfäden einflossen. 
Für die Fallbeispiele wurden persönliche, leitfadengestützte Interviews mit insge-
samt 14 Ausbildungs- und Personalverantwortlichen sowie 21 Auszubildenden 
bzw. ehemaligen Lehrlingen, die kurz zuvor ihre Lehrabschlussprüfung abgelegt 
hatten, in zehn Klein-, Mittel- und Großbetrieben verschiedener Branchen ge-
führt. Dabei interessierten insbesondere die Perspektive der Lehrlinge selbst und 
die Erfahrungen, die sie im Rahmen ihrer Lehrausbildung gemacht haben.  
Die insgesamt 23 Einzel- und Gruppeninterviews mit einer durchschnittlichen 
Dauer von etwa einer Stunde wurden in den Unternehmen selbst durchgeführt 
und aufgezeichnet, anschließend transkribiert und ausgewertet.  
Hinsichtlich der Auswahl der Unternehmen wurde neben der Berücksichtigung von 
Unternehmensgröße1 und Branchenzugehörigkeit darauf geachtet, einen Überblick 
über ein möglichst breites Spektrum an motivationsfördernden Aktivitäten und 
Rahmenbedingungen geben zu können. Als Basis für die Auswahl diente ein vorab 
recherchierter Pool an Unternehmen, die in den letzten Jahren hinsichtlich der 
Qualität ihrer Lehrlingsausbildung bzw. ihres diesbezüglich hohen Engagements 
ausgezeichnet wurden.2 
 
IV. Theoretischer Hintergrund 
 Zum Begriff der Motivation IV. 1
Die angeblich mangelhafte Motivation von Lehrlingen ist ein Kritikpunkt, der von 
ausbildenden Betrieben immer wieder geäußert wird, wenn es darum geht, Defizi-
te in der Ausbildung oder Schwierigkeiten und Konflikte während der Lehre zu 
erklären. Tatsächlich spielt die Motivation von Lehrlingen – wie bei allen anderen 
MitarbeiterInnen auch – eine entscheidende Rolle in der betrieblichen Leistungs-
erbringung, aber auch im Lernfortschritt; und tatsächlich streut sie im Rahmen 
der betrieblichen Ausbildung hinsichtlich qualitativer Aspekte beträchtlich. Aller-
dings handelt es sich dabei nicht um eine bloße „Bringschuld“ der Arbeitnehme-
rInnen, und speziell auch nicht der Lehrlinge. „Motivation ergibt sich aus der 
Interaktion von Person und Situation“ (sh. auch nachfolgende Definition). 
                                              
1 Das Schwergewicht der Auswahl wurde auf KMUs gelegt, da die Fallbeispiele auch einen Anhalts-
punkt dafür geben sollen, wie qualitätsvolle Ausbildung gerade in Unternehmen mit geringen Per-
sonalressourcen bzw. ohne Lehrwerkstätten, aber auch ohne großen finanziellen Aufwand realisiert 
werden kann. 
2 http://www.berufsinfo.at/newsletter/pdf/0809/b1.pdf 
Alle Unternehmen wurden bereits mindestens einmal für außergewöhnliche Leistungen in der Lehr-
lingsausbildung vom Wiener ArbeitnehmerInnenförderungsfonds (WAFF – „Trio Award“) oder auch 
vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend (BMWFJ – „Staatlich ausgezeichneter 
Lehrbetrieb“; Staatspreis „Beste Lehrbetriebe – Fit for Future“) ausgezeichnet. Auch andere Aus-
zeichnungen (z.B. Sprungbrett – „Amazone“) fanden Berücksichtigung.
        

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