Full text: "Ich glaub, sie wissen halt, dass wir Mädchen sind"

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4.   Qualitative Analyse der Interviews   
   mit Mädchen und Frauen 
   in handwerklich-technischer 
   Lehrausbildung 
 
Die Erfahrungsdimensionen von Frauen und Mädchen in handwerklich-tech-
nischer Lehrausbildung in seinem Facettenreichtum sichtbar zu machen, ist das 
Anliegen dieses Kapitels. Aus der Fülle des Interviewmaterials haben wir dazu 
drei Themenbereiche ausgewählt, die besonders deutlich komplexe Konstella-
tionen des Doing Gender in den alltäglichen betrieblichen Interaktionen ab-
bilden. Neben (a) der geschlechtsbezogenen Belästigung am Arbeitsplatz und 
(b) den Dimensionen einer horizontalen innerberuflichen Arbeitsteilung um die 
Chiffre Körperkraft addiert sich mit dem dritten Thema eine weitere, zeitlich 
vorgelagerte Dimension: (c) die gemachten Erfahrungen im Prozess der Lehr-
stellensuche. Der folgende Abschnitt widmet sich daher der Analyse von Inter-
aktionen, die sowohl während der Lehrstellensuche als auch in Ausbildung von 
Frauen und Mädchen in einer »›fremden‹ Domäne« (vgl. Gamerschlag 2010) 
gemacht wurden.
4.1.   Doing Gender, Othering und Ermächtigung 
   in Narrationen über geschlechtsbezogene 
   Belästigung am Arbeitsplatz
»Ich glaub, sie wissen halt, dass wir Mädchen sind«
Das Thema sexuelle sowie geschlechtsbezogene Belästigung und Diskriminie-
rung am Arbeitsplatz ist durchgängig ein heikles Thema für die interviewten 
Mädchen und Frauen in der Lehrausbildung im Bereich Handwerk und Technik. 
Die mit diesem Thema angesprochenen Problematiken werden in den Inter-
views äußerst vielschichtig thematisiert und reichen von den Schwierigkeiten 
sowie Möglichkeiten belästigendes Verhalten einzuschätzen, bis zu Fragen nach 
dem allgemeinen Betriebsklima bzw. an wen es einfacher ist, sich zu wenden. 
Hinsichtlich der Einschätzung von belästigendem und/oder diskriminierendem 
Verhalten aufgrund des Geschlechts artikulieren die Mädchen und Frauen im-
mer wieder das Spannungsfeld von eigenen Grenzen bzw. situativen Konstella-
tionen und allgemeinen Bestimmungen bzw. Erwartungen anderer.18 In der  
Frage, an wen sich die Mädchen und Frauen wenden können, wird oftmals – 
selbst wenn der Betrieb eine Person nominiert hat – abgewogen, wer geeig-
neter ist, mit Anliegen zu sexueller oder geschlechtsbezogener Belästigung 
umzugehen: Vorgesetzte, Vertrauenspersonen, Kolleginnen oder Kollegen, 
Sekretärinnen usw. Hier ist eine weibliche Ansprechperson – oder mehrere 
Mitarbeiterinnen auf unterschiedlichen Hierarchieebenen – oftmals von beson-
derer Bedeutung, es werden aber immer wieder auch männliche Vorgesetzte 
oder Kollegen als vertrauensvolle Ansprechpartner erlebt. 
18  Das österreichische Bundesgesetz über die Gleichbehandlung (Gleichbehandlungsgesetz GlBG) hält im ersten Teil 
zur Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt fest: »Sexuelle Belästigung liegt vor, wenn ein der 
sexuellen Sphäre zugehöriges Verhalten gesetzt wird, das die Würde einer Person beeinträchtigt, für die betroffene 
Person unerwünscht, unangebracht oder anstößig ist« (§ 6 Abs. 2) und weitet im Absatz über Belästigung diese Defini-
tion auf »geschlechtsbezogene Belästigung« durch geschlechtsbezogenes Verhalten aus (§ 7 Abs. 2). »›Verhalten‹ ist 
dabei weit zu definieren und umfasst neben körperlichen Handlungen auch verbale und nonverbale Verhaltensweisen 
(GBKI/4/04).« In beiden Fällen gilt dieses Verhalten (durch den/die ArbeitgeberIn, durch Dritte innerhalb und außerhalb 
des Arbeitsverhältnisses, durch schuldhaftes Unterlassen der Arbeitgeberin/des Arbeitgebers Abhilfe zu schaffen) als 
diskriminierend (§ 6 und § 7) und zieht Rechtsfolgen nach sich (vgl. GlBG § 12).
»Ich glaub, sie wissen halt, dass wir Mädchen sind« Wien, Dezember 2011
        

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