Full text: "Ich glaub, sie wissen halt, dass wir Mädchen sind"

5.   Empfehlungen
Der amaZone Award ist eine regionale Initiative der Non Profit Organisation  
sprungbrett mit dem Ziel, Qualitätsmerkmale in der Lehrausbildung von 
Frauen und Mädchen in einem Wettbewerb zu messen. Da die amaZone ein 
Türöffner zu Wiener Unternehmen ist, gelingt es zum anderen gerade in Aus-
tausch zwischen Betrieb und sprungbrett Betriebsconsulting neue Quali-
tätsfaktoren in Ausbildungsstrukturen und Prozesse zu tragen. Dabei 
bietet der amaZone Award einen spezifischen Fokus an, der noch auf wenig 
Resonanz in einer breiteren Diskussion um Qualität in der Lehrausbildung 
stößt: Die Entwicklung, Messung und die Weitergabe von Qualitäts- 
faktoren, um die Inklusion von Lehrmädchen und Frauen in den so 
genannten »Männerberufen« in Handwerk und Technik zu bewerten 
und zu fördern.  
Dass gerade in diesen Berufssparten noch immer aktive Fördermaßnahmen 
notwendig sind, dokumentieren die Ergebnisse der qualitativen Untersuchung 
zu den Erfahrungen von Lehrmädchen und Frauen während der Lehrstellen-
suche und in weiterer Folge in handwerklich-technischer Lehrausbildung.  
Die meisten Mädchen und Frauen machten besonders deutliche Erfahrungen  
des Otherings aufgrund des Geschlechts während der Lehrstellensuche, in  
dieser Phase wird der Status des Besonderen, sich als Mädchen oder Frau für  
einen handwerklichen oder technischen Beruf zu interessieren, ebenso zu 
Aussonderung wie auch zu einer Besonderung (Hervorhebung, Bevorzugung) 
in Verbindung mit (geschlechts-)spezifischen Erwartungen und Zuschreibungen. 
Die Berichte der Mädchen und Frauen belegen, dass Initiativen zur Förderung 
von Mädchen und Frauen in Handwerk- und Technikberufen den Berufseinstieg 
ebenso erleichtern können wie Betriebe, die (oftmals in Kooperation mit Bera-
tungseinrichtungen und Initiativen) Mädchen und Frauen dezidiert ermutigen, 
sich zu bewerben. 
Während diese Fördermaßnahmen wie Betriebe Mädchen und junge Frauen 
beim Berufseinstieg in Handwerk- und Technikbranchen unterstützen, doku-
mentieren die Interviews allerdings auch, dass es in vielen anderen Betrieben 
immer noch wenig Bereitschaft zur Einstellung von weiblichen Lehrlingen gibt. 
Das verlängert einerseits die Phase der Lehrstellensuche für Mädchen und 
junge Frauen, andererseits fordert es von ihnen, mit solchen Othering Erfah-
rungen umzugehen. Insgesamt wird in den Interviews sichtbar, dass Mädchen 
und junge Frauen ein hohes Maß an Durchhaltevermögen und Bereit-
schaft zeigen, ihre Fähigkeiten (z. B. Körperkraft) und Grenzen  
(z. B. gegenüber diskriminierender Anrede) und damit ihre Position  
im Betrieb auszuhandeln. Der überwiegende Anteil der interviewten  
Mädchen und jungen Frauen gibt dementsprechend an, dass ihnen weibliche 
Ansprechpersonen, andere weibliche Lehrlinge oder Gesellinnen im eigenen  
Betrieb wichtig sind bzw. wichtig wären. Auch unterstützende männliche  
Ansprechpersonen sind in den betrieblichen Strukturen notwendig.
Daher sind politische EntscheidungsträgerInnen, die Kammern als auch  
Betriebe aufgerufen, das Engagement und die Bereitschaft der Frauen und 
Mädchen, (Geschlechter)Grenzen auszudehnen, zu unterstützen. Dazu gilt  
es inklusivere Ausbildungssysteme, Ausbildungssituationen und  
förderliche Ausbildungsarrangements zu schaffen: 
»Ich glaub, sie wissen halt, dass wir Mädchen sind« Wien, Dezember 2011 48
        

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