Full text: "Ich glaub, sie wissen halt, dass wir Mädchen sind"

1  Die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern
der Lehrausbildungen in Handwerk und Technik und in der Folge ein Ranking 
der Bewerbungen. Aus wissenschaftsethischen Gründen können Aussagen über 
das in dieser Periode gesammelte Material nur in aggregierter Form getroffen 
werden. Deshalb wählten wir für die Auswertung der amaZone Trends over 
Time einen qantitativen Zugang, die Ergebnisse werden vorwiegend deskriptiv 
dargestellt.
Die Daten sind überdies durch die Wettbewerbssituation und die Gelegen- 
heitsstrukturen, die um den amaZone Award gebildet wurden, bestimmt  
(u. a. ausgewählte Kontakte zu Betrieben sowie Mädchen und Frauen in Lehr-
ausbildung durch andere sprungbrett Aktivitäten, Höhe der Ressourcen, die 
sprungbrett für die Akquisetätigkeit zur Verfügung stellen kann etc.). Das in 
der letzten Dekade gebildete amaZone Netzwerk beeinflusst wesentlich die 
Entscheidungen für eine amaZone Bewerbung. In der Interpretation der Ergeb-
nisse und in der Einschätzung ihrer Relevanz muss dieser spezifische Kontext 
berücksichtigt werden. Die Erhebung der Daten zum amaZone Award 2011 
wurde wissenschaftlich fundiert, der Kontext des amaZone Wettbewerbs hat 
aber weiterhin Einfluss auf die Ergebnisse, da er Sagbares und Nichtsagbares 
in den Interviews mit Mädchen und Frauen in Ausbildung konturiert und so die 
Ergebnisse der qualitativen Untersuchung verzerrt.
Dennoch bieten die gewonnenen Ergebnisse rund um den amaZone Award 
einen spannenden Einblick in die Vielschichtigkeit des Themenfelds frauen-  
und mädchenförderliche Lehrausbildung in Handwerk und Technik.
1.2.   Mädchen und Frauen in handwerklich-technischen  
   Lehrausbildungen: eine Begriffsbestimmung
Die Frage nach dem Verhältnis von Arbeit und Geschlecht spielt für Analysen 
um den amaZone Award eine zentrale Rolle. Die Untersuchung der Situation 
von Mädchen und Frauen in handwerklich-technischer Lehrausbildung ver-
knüpft die Themen soziale Ungleichheit zwischen Frauen und Männern und das 
Profil von spezifischen, in diesem Fall männlich konnotierten Berufsfeldern. 
Diese Verbindung wird in der vorliegenden Untersuchung aufgegriffen, einer 
prägnanten theoretischen Einführung in die verwendeten Begriffe folgt der 
empirische Teil mit einer quantitativen und einer qualitativen Auswertung ihrer 
Spezifika. Die vorliegende Begleitforschung soll einerseits versuchen, einige 
Phänomene aus diesem Theorieteil zu illustrieren und andererseits den Gegen-
stand und seine Dimensionen erneut erkunden.
1.2.1.  Mehrebenen Modell
Um das Verhältnis zwischen gesellschaftlichen Strukturen einerseits und inter-
personellen Beziehungen andererseits darstellen zu können, wird das Drei-
Ebenen-Modell von u. a. Gamerschlag (Gamerschlag 2010:13) aufgenommen. 
Neben der Makroebene (Struktur) und der Mikroebene (Handlung) bilden  
die Institutionen und deren organisationale Verfasstheit der Mesoebene ein 
Scharnier zwischen Struktur und Handlung.
Auf der Makroebene finden sich gesellschaftliche Strukturzusammenhänge 
wieder wie der Gender Wage Gap1 oder die Segregation des Arbeitsmarktes 
»Ich glaub, sie wissen halt, dass wir Mädchen sind« Wien, Dezember 2011 6
        

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