Full text: "Ich glaub, sie wissen halt, dass wir Mädchen sind"

nach Geschlecht als einer Strukturkategorie. Auf der Mikroebene wird in der 
vorliegenden Untersuchung die Segregation von Arbeitsplätzen thematisiert 
und wie sich in interaktiven Prozessen ihre Vergeschlechtlichung vollzieht. 
In diesem Zusammenhang kann auf der Mikroebene geklärt werden, welche 
Erfahrungen Mädchen und Frauen in geschlechtsuntypischen Berufen wäh-
rend der Lehrstellensuche und ihrer Ausbildung machen, wie sie sexuelle und 
geschlechtsbezogene Diskriminierung sowie innerberufliche Arbeitsteilung 
erleben. Wie Institutionen und deren Organisationen einerseits strukturierend 
wirken und gleichzeitig durch gesetzliche Vorgaben modifiziert werden, kann 
um die Diskussion zur Entwicklung von Qualitätsmerkmalen für die Lehrausbil-
dung nachgezeichnet werden. Makro- Meso- und Mikroebene sind miteinander 
verbunden und beeinflussen sich wechselseitig. Es werden nun handlungsrah-
mende gesellschaftliche Zusammenhänge im Verhältnis von Geschlecht und 
Arbeit skizziert.
1.2.2.  Segregation des Arbeitsmarktes nach Geschlecht
Der Begriff der Segregation umschreibt das Faktum, dass Frauen und Män-
ner in unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern, Berufen und Branchen (horizontale 
Segregation) sowie auf unterschiedlichen Hierarchieebenen (vertikale Segrega-
tion) beschäftigt sind. Diese Teilung des Arbeitsmarktes scheint vorgeblich mit 
den Fähigkeiten und Wünschen der Geschlechter überein zu stimmen, sie ist 
dennoch eine Form der Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern. Problema-
tisch an dieser horizontalen Arbeitsteilung ist jedoch, wie Leitner betont, dass 
damit meist unterschiedliche Arbeitsbedingungen verbunden sind und dass 
horizontale Segregation mit einer vertikalen Segregation einhergeht. Denn 
das mindert die Chancengleichheit (Leitner 2001:9). Es verbergen sich hinter 
der scheinbar neutralen, geschlechtsspezifischen Segregation hierarchische 
Komponenten, die geschlechtsspezifische Segregation wird zur geschlechts-
hierarchischen Segmentierung, die sich etwa in Einkommensmöglichkeit und 
beruflicher Positionierung widerspiegelt (ebd.:17f).
In den für den amaZone Award relevanten so genannten Männerberufen (das 
sind Berufe mit mehr als 60% Männeranteil) sind in Österreich im Jahr 2001 
beispielsweise nur 8% der Frauen beschäftigt, aber die Hälfte aller erwerbstä-
tigen Männer. Diese Berufe umfassen das Handwerk und verwandte Tätigkeiten 
im Produktionsbereich. Dort finden sich HilfsarbeiterInnen im Baugewerbe und 
technische, höhere und leitende Bedienstete in Privatwirtschaft und Verwal-
tung. Die stark segregierten Männerberufe, in denen der Frauenanteil unter 
10% liegt, gehören vorwiegend dem Produktionsbereich an und werden besser 
entlohnt als so genannte Frauenberufe (vgl. ebd.:15). 
Wie wirkt sich nun eine geschlechtshierarchische Segmentierung des Arbeits-
marktes für Frauen in den so genannten Männerberufen aus? Diese Frage kann 
vor allem auf der Mikroebene beantwortet werden, da Segregation ein Merkmal 
von Arbeitsplätzen ist und über Fallstudien untersucht werden muss. In der Fach-
literatur werden Ausgrenzungspraktiken gegenüber Frauen in Männerberufen 
beschrieben, die von informeller Arbeitsteilung, Bildung geschlechtshomogener 
Allianzen, traditioneller Geschlechterideologie bei Personalverantwortlichen bis 
hin zur sexuellen Belästigung reichen. (vgl. Heintz u. a. 1997:39, Rabe-Kleberg 
1993:136; Williams 1992:228 zitiert nach Gamerschlag 2010:35). Diese gilt es 
beständig mit den erhobenen Erfahrungen auf der Mikroebene zu kontrastieren.
7»Ich glaub, sie wissen halt, dass wir Mädchen sind« Wien, Dezember 2011
        

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