Full text: Wirtschaftspolitik - Standpunkte 2016 Heft 4 (4)

Die zunehmende Ungleichheit in der Einkom-
mensverteilung der OECD-Länder hat die Poli-
tik, die ausschließlich auf Wachstum und Wett-
bewerbsfähigkeit ausgerichtet ist, berechtigter-
weise in Frage gestellt. Innovation ist aber ein 
wichtiger Faktor für das Wirtschaftswachstum 
und damit für eine langfristige Steigerung des 
Einkommens und des Wohlstands. Allerdings 
beeinflusst Innovation nicht notwendigerweise 
alle Einkommenskategorien in der Bevölkerung 
auf die gleiche Weise. 
Innovationspolitik soll nicht nur als Wachs-
tumsmotor, sondern auch als möglicher Bei-
trag zur Reduzierung von Ungleichheit be-
trachtet werden, sodass auch untere Einkom-
mensschichten profitieren könnten („Inklu-
sion“). Aber welche Konsequenzen lassen sich 
unter diesem Gesichtspunkt für die Innovati-
onspolitik ableiten, bzw. was kann die 
(Innovations-)Politik einer möglichen (weiteren) 
Zunahme der ungleichen Verteilung zwischen 
Arbeits- und Kapitaleinkommen und innerhalb 
der Arbeitseinkommen selbst, entgegenset-
zen? Dabei ist ebenso zu berücksichtigen, 
dass technologischer Wandel nur einer von 
vielen Faktoren ist, der Verteilungswirkung hat 
– möglicherweise aber mit zunehmender Be-
deutung. 
Es stellt sich daher die Frage, wie Wirtschafts-
wachstum so erreicht und gestaltet werden 
kann, dass möglichst alle Einkommensgruppen 
daran teilhaben können. Dies hat die OECD 
veranlasst, ein großes Projekt zu initiieren, wel-
ches sich mit folgenden Fragen beschäftigt: 
Wie wirken sich Innovation und technologischer 
Wandel auf die Einkommensungleichheit aus 
bzw. inwieweit können Innovationen zu einem 
„inklusiven Wachstum“ führen? Oder haben 
diese Faktoren auch Potentiale zur Vergröße-
rung von Ungleichheit? 
Das gegenständliche OECD-Projekt mit dem 
Titel „Innovation for Inclusive Growth“ wird fe-
derführend vom „ Committee for Scientific and 
Technological Policy (CSTP)“ der OECD betrie-
ben und besteht aus zwei Phasen:  
Im Projektzeitraum 2013 bis 2014 ging es vor 
allem um die Identifikation von Politiken, die 
helfen können, den Abstand zwischen den ent-
wickelten Industriestaaten und den sogenann-
ten „Schwellenländern“ zu verringern. Das Pro-
jekt konzentrierte sich in erster Linie auf China, 
Kolumbien, Indien, Indonesien und Südafrika. 
Die Ergebnisse dieser ersten Phase wurden 
Ende Mai 2015 mit der Publikation „Innovation 
Policies for Inclusive Growth“ veröffentlicht1 
und werden wie folgt dargestellt: Grundsätzlich 
wird zwischen sozialer, industrieller und territo-
rialer Inklusion unterschieden. Beispielsweise 
wird in manchen Ländern die Einbindung sozial 
benachteiligter Bevölkerungsgruppen in das 
Bildungssystem durch IKT-gestützte Systeme 
gefördert. Innovationsförderung wird zur Anhe-
bung der Produktivität von kleineren Unterneh-
men oder „traditionellen“ Wirtschaftssektoren 
auf das „heutige“ Niveau gewährt und finanzi-
elle Anreize sollen Unternehmen veranlassen, 
sich auch in weniger innovativen Regionen 
anzusiedeln.
        

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