Full text: Wirtschaftspolitik - Standpunkte 2017 Heft 25 (25)

tigten, wobei Kündigungen verhindert werden 
konnten. Dies, weil die frei werdenden Res-
sourcen andernorts benötigt wurden. Hierbei 
muss allerdings angemerkt werden, dass sich 
alle befragten Unternehmen in Wachstums-
phasen befanden. Den sukzessiven Rück-
gang von Beschäftigungsoptionen im Bereich 
von Routinetätigkeiten heben auch die be-
fragten ExpertInnen hervor. Es handelt sich 
dabei um einen längerfristigen, bereits seit 
längerem beobachtbaren Prozess. Grenzen 
des Ersatzes von Routinetätigkeiten durch 
Maschinen sowie auch Grenzen der Auslage-
rung derartiger Tätigkeiten in Billiglohnländer 
sehen die befragten ExpertInnen insbesonde-
re im Bereich der personenbezogenen und 
persönlichen Dienstleistungen. Gerade diese 
Bereiche könnten zukünftig stärker als bisher 
nachgefragt sein und entsprechende Be-
schäftigungsoptionen für Menschen mit ho-
her Affinität zu Routinetätigkeiten bieten. In 
Summe, so wird beim Thema Beschäfti-
gungsentwicklung betont, ist daher eher von 
einem gleichbleibenden, allerdings inhaltlich 
anders strukturierten Beschäftigungsvolumen 
auszugehen.  
Interesse an intensivierter Beschäftigung 
von Frauen  
Automatisation und Digitalisierung bringen in 
der Regel abnehmende Bedeutung von phy-
sischer Kraft in der Produktion mit sich. Die 
Befragten berichten von sehr positiven Erfah-
rungen mit weiblichen Beschäftigten und 
betonen hohes Interesse an einer intensivier-
ten Rekrutierung von Frauen. Es wird aller-
dings berichtet, dass sich kaum Frauen für 
technische Stellen bewerben.  
Wie sich Tätigkeitsprofile und damit einher-
gehende Anforderungen genau entwickeln 
werden, ist von mehreren Faktoren abhängig. 
Wesentlich wird beispielsweise sein, ob Un-
ternehmen einen sogenannten „technikzen-
trierten“ Ansatz wählen oder eine ganzheitliche 
Strategie verfolgen – im Sinne einer ausgewo-
genen Gesamtlösung in den Dimensionen 
Mensch, Technik und Organisation – oder, ob 
sie einen Mittelweg zwischen diesen beiden 
Polen beschreiten. Einfluss wird des Weiteren 
die konkrete Ausgestaltung der Arbeitsorgani-
sation haben. Darüber hinaus wird die Konfigu-
ration von Assistenzsystemen eine Rolle spie-
len. Manche Bereiche werden auch in Zukunft 
nicht durch Maschinen ersetzt werden, da Men-
schen über bestimmte Fähigkeiten verfügen, 
die nur schwer oder mit unverhältnismäßig ho-
hem Aufwand durch Technik ersetzt werden 
können.
3
 
Disposition zur Selbstorganisation wesent-
lich 
Betrachtet man die Aussagen zu Kompetenzan-
forderungen im Kontext von Industrie 4.0, so 
lassen sich diese am besten mit dem Begriff 
„Kompetenz“ zusammenfassen: Denn Kompe-
tenz beinhaltet (auch) Qualifikation, geht aber 
darüber hinaus und wird als Disposition zur 
Selbstorganisation, die ein situations- und kon-
textadäquates Handeln und Problemlösen er-
möglicht, verstanden.
4
  
Selbstkompetenzen und fundiertes fachli-
ches Verständnis  
Im Vordergrund stehen sogenannte 
„Selbstkompetenzen“, wie die Bereitschaft zu 
eigenständigem Lernen und Arbeiten, Verände-
rungsbereitschaft, Bereitschaft zur Verantwor-
tungsübernahme und Innovationsorientierung. 
Grundsätzlich werden diese Kompetenzen von 
allen MitarbeiterInnen in der einen oder anderen 
Form erwartet – die konkrete Ausprägung ist 
abhängig von der jeweiligen Position im Unter-
nehmen. Mit zunehmender Verantwortung wird 
auch die Reichweite der gewünschten Verbes-
serungs- und Veränderungsimpulse breiter.  
Die starke Fokussierung auf Selbstkompeten-
zen darf keineswegs darüber hinwegtäuschen, 
dass eine Reihe anderer Kompetenzebenen 
erwartet wird. Parallel zu den angeführten 
Selbstkompetenzen wird ein aufgabenspezi-
fisch unterschiedliches, jedoch in der Regel 
sehr fundiertes fachliches Kompetenzniveau 
vorausgesetzt.  
Dieses fachliche Rüstzeug muss einerseits 
fachspezifisch vertieft und andererseits durch-
        

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