Full text: Die Freizeitoption in Kollektivverträgen (143)

24 Regelungen zum Freizeitkonsum Wie die Freizeit verwendet werden kann, hängt natürlich auch davon ab, ob es diesbezüglich Regelungen in den Betrieben gibt. Auf Basis der Umfragedaten ist dies in 40 % der Betriebe der Fall, in den restlichen 60 % gibt es keinerlei vorab definierte Regeln. Nach den konkreten Regelungen gefragt, gaben die meisten Be- triebsrätInnen an, dass die Freizeit in ganzen Tagen oder Wochen verbraucht werden muss. Einmal wurde vereinbart, dass die Freizeitoption erst ab Mai 2016 verwendet werden darf. Außerdem gab es Beschränkun- gen des Zeitkontos, bspw. dass die Zusatz-Freizeit innerhalb eines Jahres verbraucht werden muss bzw. nur eine bestimmte Anzahl an Plusstunden ins nächste Jahr übernommen werden kann. Weiters wurde in einzel- nen Betrieben eine individuelle Regelung betreffend die Rückabwicklung der Freizeitoption getroffen oder eine Ankündigungsfrist für die Inanspruchnahme der Freizeit etabliert. 2.1.8 Kompensation der Fehlzeiten Die andere Seite der Medaille ist die Notwendigkeit für Betriebe, die zusätzlichen Fehlzeiten zu kompensie- ren. Auch hier wurden den BetriebsrätInnen mehrere Antwortmöglichkeiten zur Auswahl gestellt. Wiederum zeigen sich, dargestellt in Abbildung 9, zwei sehr eindeutige Tendenzen: Am weitaus häufigsten (93 % „oft“ und „manchmal“) gab es bislang keinerlei Kompensation. Bei dieser Antwortmöglichkeit überschneiden sich zwei Aspekte: einerseits spiegelt sich hier die Tatsache, dass ein Gutteil der Zeitguthaben noch unverbraucht auf den Konten harrt (vgl. Abbildung 8); wo andererseits schon Freizeit verbraucht wurde und trotzdem keine Kompensation bemerkbar wurde, haben die MitarbeiterInnen offenbar ihre Aufgaben schlicht in kürzerer Zeit geleistet (was einer Produktivitätssteigerung entspricht). Die zweite, sehr eindeutige Tendenz geht in Richtung Überstunden. Auch diese Reaktion ist keineswegs verwunderlich, bietet das Ausweichen in Über- stunden – kurzfristig gesehen – doch die einfachste Lösung. Langfristig dürfte diese Kompensationsstrategie mangels Kosteneffizienz eher wenig nachhaltig sein. Da die Freizeitoption auch im Kontext traditioneller Arbeitszeitverkürzung diskutiert werden kann, sollen auch die anderen Antwortmöglichkeiten nicht außer Acht gelassen werden. Immerhin 15 % der Betriebsräte gibt an, dass Teilzeitkräfte „manchmal“ zur Kompensation der Fehlzeiten durch die Freizeitoption länger arbeiten, 23 % sagen, dass dies „selten“ aber doch der Fall ist. Würde sich diese Tendenz zukünftig bestäti- gen, könnte die Freizeitoption also in bescheidenem Umfang dazu beitragen, die (oft unerwünschte) Lücke zwischen Teilzeit- und Vollzeitarbeitskräften zu schließen. Die Gretchenfrage, ob durch die Freizeitoption neue Vollzeitarbeitsplätze entstehen können, beantworten immerhin 8 % der BetriebsrätInnen mit „manch- mal“, weitere 8 % mit „selten“. Knapp ein Drittel meint außerdem, dass „selten“ auch neue Leasing- Arbeitskräfte eingestellt wurden, nur 15 % sehen dies auch für neue Teilzeitkräfte so. Zu wiederholen bleibt jedoch, dass mangels umfassenden Freizeitverbrauchs die Frage nach den Kompensa- tionsarten ebendieser Freizeit freilich nur vorläufig und unzulänglich beantwortet werden kann. Erst die Zu- kunft wird zeigen, wie Betriebe mittel- und langfristig auf diese neue Art der Arbeitszeitverkürzung reagieren.

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