Full text: Die Freizeitoption in Kollektivverträgen (143)

37 
 
Als großer Pluspunkt wird gesehen, dass die gewonnenen Stunden aus der Freizeitoption nicht verfallen kön-
nen. „Das hat eine große Qualität für die Leute.“ Damit wird es möglich, langfristig Zeit anzusparen. Gerade 
auch für das Thema „lebensphasen-orientierte Auszeiten“ spiele das eine wichtige Rolle. Generell bekommen 
MitarbeiterInnen durch die Freizeitoption mehr individuell verwendbare Zeit zur Regeneration zur Verfü-
gung, was insbesondere auch für Ältere ein wichtiger Punkt sei. Wenn nicht bereits durch anderweitige Ar-
beitszeitmodelle abgedeckt, könne die Freizeitoption gewissermaßen auch als eine arbeitnehmerfreundliche 
Flexibilisierung verstanden werden. Für manche, vor allem auch Jüngere, sei die Freizeitoption ein Ersatz zur 
noch nicht erreichten bzw. immer schwerer zu erreichenden 6. Urlaubswoche, ein „Sechs-Wochen-Urlaubs-
Ersatz“ sozusagen.  
 
Empfehlung 
Im Hinblick auf jene Unternehmen, die die Freizeitoption bislang noch nicht angeboten haben, ist die Mei-
nung der Betriebsräte wiederum einhellig. „Also, es macht auf jeden Fall Sinn.“ Es liege hauptsächlich an der 
Vorbereitung und auch an der Überzeugungskraft, ob man die Freizeitoption erfolgreich einführen könne 
oder nicht. „Ich denke, dass es überall problemlos funktionieren kann.“ 
 
3.2 Was sagt die ArbeitgeberInnen-Seite zur Freizeitoption 
 
Stellvertretend für die ArbeitgeberInnen-Seite wurde Brigitte Ederer, seit 2010 Obfrau des Fachverbands der 
Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) und Chefverhandlerin für den EEI-Kollektivvertrag, ehemalige Gene-
raldirektorin der Siemens AG Österreich und Aufsichtsrätin (u.a.) bei Infineon Technologies AG um eine Ein-
schätzung gebeten.
11
 
 
Allgemeines zur Freizeitoption 
Ursprünglich war die FZO vonseiten der UnternehmerInnen ausschließlich für ältere ArbeitnehmerInnen 
gedacht. Die Gewerkschaften bestanden in den Kollektivvertragsverhandlungen 2013 jedoch partout darauf, 
dass diese Möglichkeit für alle angeboten wird. Im FEEI selbst gab es zur Freizeitoption zu diesem Zeitpunkt 
noch keine gefestigte Meinung. Ederer selbst ging jedoch davon aus, dass im Endeffekt auch hauptsächlich 
eher Ältere die Freizeitoption beantragen würden. Deshalb wurde die Gewerkschaftsforderung akzeptiert. 
Dem war dann bekanntlich nicht so. „Ich habe mich völlig verschätzt.“ Diese Tatsache hat für Diskussionen 
gesorgt, weil befürchtet wurde, dass ausgerechnet junge, hochqualifizierte LeistungsträgerInnen die Frei-
zeitoption beantragen würden. Folglich war 2014 die Mehrheit im FEEI eigentlich gegen die FZO eingestellt. 
                                                                
11 Dieses Unterkapitel basiert auf einem persönlichen Gespräch mit Brigitte Ederer, geführt am 05.05.2015
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.