Full text: Österreichische Leitunternehmen im BilanzCheck

ATX-Unternehmen im BilanzCheck.Juni.2015 ? 16 
7 FAZIT  
Deutliche Umsatzrückgänge, sinkender Unternehmenserfolg und gravierende Gewinneinbrüche – für die öster-
reichischen Leitunternehmen des ATX war das vergangene Bilanzjahr alles andere als eine Erfolgsgeschichte. 
Dies bekommen insbesondere die MitarbeiterInnen zu spüren: In den österreichischen Standorten der ATX 
Konzerne sind in den letzten beiden Jahren insgesamt 2.520 Vollzeitarbeitsplätze verlorengegangen. Lediglich 
in einem Viertel der Leitbetriebe ist es gelungen, die Beschäftigung im Inland auszuweiten, drei Viertel haben 
beim Personal gespart. Erschwert wird die Beschäftigungssituation durch eine seit Jahren anhaltenden Stagna-
tion der Wirtschaft, kombiniert mit wachsendem Arbeitskräftepotenzial durch Zuwanderung und mehr Älteren 
am Arbeitsmarkt. Die wachsende Gruppe der Arbeitssuchenden findet keinen Arbeitsplatz. Vor dem Hinter-
grund der hohen Arbeitslosenzahlen und der stockenden Konjunktur ist es besonders wichtig, dass die – zuletzt 
vergleichsweise hart – erwirtschafteten Gewinne für Investitionen eingesetzt werden.  
 
Doch die Unternehmensrealität sieht anders aus, wie die Analyse der österreichischen Leitunternehmen am 
Beispiel der ATX Unternehmen gezeigt hat: Derzeit fließen insgesamt 1,5 Mrd. Euro und damit bereits 76,9 % 
der (stark rückläufigen) Gewinne als Dividende ab. Im Jahr davor waren es noch rd. die Hälfte (55,6 %). Zehn 
der 18 Unternehmen haben ihre Ausschüttungen erhöht. Ungeachtet der erzielten Verluste zahlen die Telekom 
Austria AG, die Lenzing AG und die Wienerberger AG Dividenden aus. Diese Ausschüttungspraxis geht an die 
Substanz der Unternehmen. Und: In letzter Konsequenz an die Substanz der Beschäftigten. Dies zeigt das pro-
minente Beispiel der Österreichischen Post AG: In den letzten beiden Jahren sind dort 1.160 Vollzeitarbeitsplät-
ze verlorengegangen (-5,6 %). Die Ausschüttungsquote hat hingegen mit 89,9 % (2015) bzw. 104,2 % (2014) ein 
vergleichsweises hohes Niveau erreicht.   
 
Dass es auch anders geht, zeigt beispielsweise die Voestalpine AG. Der Linzer Konzern scheint in einem widri-
gen Wirtschaftsumfeld gut positioniert zu sein. Seit Jahren gilt die Voestalpine AG in Europa als profitabelste 
Vertreterin ihrer Branche. Mit 21.691 Beschäftigten im Inland zählt das Unternehmen zu den wichtigsten und 
größten Arbeitgebern. In den letzten beiden Jahren ist es gelungen, allein in Österreich 792 Vollzeitarbeitsplät-
ze zu schaffen (+3,8 %), mit einem neuen Platinen-Werk wird weiter in den Standort Linz investiert. Die Aus-
schüttungsquote liegt in den Jahren 2014 und 2015 bei vergleichsweise moderaten 36,7 % bzw. 32,2 %. Sehen 
lassen kann sich aber auch das Gehalt des Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Eder, er erhält 2,7 Mio. Euro. Damit 
rangiert er auf dem vierten Platz im Ranking der ATX Manager. An der Spitze der Gehaltspyramide der ATX 
Vorstände stehen der scheidende Vorstandsvorsitzende der OMV AG Gerhard Roiss (5,5 Mio. Euro), der Fi-
nanzvorstand der OMV AG David C. Davies (2,9 Mio. Euro) sowie der Vorstandsvorsitzende der Andritz AG 
Wolfgang Leitner (2,7 Mio. Euro). Ungeachtet des Gewinneinbruchs (Rückgang um rd. 89 %) sowie der ange-
spannten Lage im Kerngeschäft (Rückgang um rd. 37 %) erreicht ein durchschnittliches ATX Vorstandsgehalt 1,3 
Mio. Euro. Nur einer der zehn Spitzenverdiener muss einen Rückgang hinnehmen.  
 
Diesen Ergebnissen zufolge sind die ATX Unternehmen ein weiteres Mal deutlich von einer angemessenen und 
langfristig orientierten Vergütungskultur für das Management entfernt. Dabei definiert doch die Plattform 
„Leitbetriebe Österreich“, dass ein Leitunternehmen nicht auf kurzfristige Gewinne, sondern auf nachhaltigen 
Unternehmenserfolg setzt. Durch Markt- und Werteorientierung gilt ein Leitbetrieb als Treiber der Entwicklung 
seiner Region und Branche und übernimmt auch Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt. Als solcher er-
füllt er eine Vorbildfunktion und erzielt daraus Wettbewerbsvorteile.
13
 Wenn die Leitunternehmen dieser Defi-
nition gerecht werden, ist bereits ein großer Schritt in Richtung mehr Verteilungsgerechtigkeit und nachhaltiger 
Unternehmenssteuerung getan.   
  
                                                                
13 vgl. www.leitbetriebe.at
        

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