Full text: Nachverdichtung (1)

AK Stadt · Seite 13 wien.arbeiterkammer.at/meinestadt
besonders hart zu spüren, da sie 
meist weder wegziehen wollen 
noch ökonomisch dazu in der 
Lage wären. Auf erwartbare Vor-
teile durch Sanierungen im Zuge 
von Baumaßnahmen wie Ener-
gieeinsparung und Barrierefrei-
heit hinzuweisen liegt auf der 
Hand. Genauso sollte aber auch 
ein offener Dialog über die 
Wohnkosten nach Veränderun-
gen geführt werden. Die Angst 
vor steigenden Mieten wird zwar 
geringer bewertet, sollte jedoch 
nicht unterschätzt werden. 
Leistbares Wohnungen
Fallen Sanierungen technisch 
aufwendiger aus, reichen die vor-
geschriebenen Betriebskosten 
und die vorhandenen Rücklagen 
häufig nicht aus, um alle Maß-
nahmen zu verwirklichen. Es 
kann deshalb durchaus zu einer 
höheren Belastung der beste-
henden MieterInnen kommen. 
Dringen solche sensiblen Infor-
mationen überraschend oder 
über Umwege zu den Betroffe-
nen durch, sind Konflikte vorpro-
grammiert. Was folgt, ist das 
Gefühl, überrumpelt worden zu 
sein, und dass „die da oben“ 
sowieso nur machen, was sie 
wollen. Rechtliche Schritte wie 
der Gang zur Schlichtungsstelle 
sind eine mögliche Konsequenz, 
dadurch ziehen sich die Verfah-
ren in die Länge und verursachen 
zusätzliche Kosten. Werden sol-
che Wohnsiedlungen durch kom-
paktere und leistbare Wohnun-
gen ergänzt, kann es Bestands-
mieterInnen ermöglicht werden, 
in eine kleinere Wohnung umzu-
ziehen und weiterhin in ihrem 
angestammten Wohnumfeld zu 
bleiben.
Vorteile für das gesamte Grätzl
Die Art der Veränderungen spielt 
ebenso eine wichtige Rolle für 
die Entscheidung der begleiten-
den Maßnahmen. Grundsätzlich 
gilt: Je mehr Gebäudesubstanz 
von Nachverdichtungsmaßnah-
men be troffen ist, desto höher ist 
das Konflikt potenzial. Wird  ein 
gesamtes Gebäude abge-
brochen, bietet das häufig Zünd-
stoff für große und medienwirk-
same Auseinandersetzungen. 
Konflikte spielen sich dabei oft 
zwischen den bühnenhaft ge-
genübergestellten AkteurInnen 
 „pri vate/r InvestorIn“ und „lang- 
jährige/r  MieterIn“ ab. Ökonomi-
schen Renditeerwartungen ste-
hen emotionale Bindungen an 
den unmittelbaren Wohn- und 
Lebensraum gegenüber. Hier 
braucht es mehr als eine gute 
Informationspolitik: Ein Neubau 
muss Vorteile im Grätzl bringen. 
 Belebung und Aufwertung des 
Wohn umfelds im Freiraum und 
wohnungsergänzende Angebote 
wie beispielsweise für mobili-
tätseingeschränkte Personen 
spielen eine wichtige Rolle.
Doch es sind oft nicht allein ratio-
nelle Gründe, die städtische Ver-
änderungsprozesse begleiten. 
Vollständig vorhersehbar sind 
Prozesse der Nachverdichtung 
nie. Unvorhergesehenes kann 
kleine Maßnahmen zu einem gro-
ßen Problemfeld machen, umge-
kehrt entwickelt sich selbst bei 
komplexen Vorhaben oft spontan 
eine positive Stimmung, aus der 
heraus einzelne Überzeugte 
andere „anstecken“. 
Der Grad an Sensibilität gegen-
über dem bereits Gebauten und 
Bewohnten ist auch Spiegel 
einer Kultur des Miteinanders.
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BEISPIEL FÜR EINE ERWEITERUNG UND 
SANIERUNG EINER GROSSWOHNSIEDLUNG
1. Ausgangssituation
Beeinspruchung bei 
der  Schlichtungsstelle
Verzögerung im  
Bauprozess
BEI GROSSEN PROJEKTEN MIT NACHVERDICHTUNG BRAUCHT  
ES MEHR ALS EINE GUTE INFORMATIONSPOLITIK: SIE MÜSSEN 
VERBESSERUNGEN FÜR DAS GESAMTE GRÄTZL SCHAFFEN.
 § ein Eigentümer
 § sanierungsbedürftig
 § höhere Dichte möglich
 § ältere BewohnerInnenstruktur und 
veränderte Bedürfnisse
 § vorwiegend Familientypologien
 § geringe Nahversorgung
 § kaum Erdgeschoßnutzung
 § ungenutzter Freiraum
 § ungenützte Gemeinschaftsräume
a
b
2. Beteiligte und Interessen
 § EigentümerInnen:  
Sanierung des Bestandes, 
Ver meidung von Konflikten 
und Verzö gerungen
 § MieterInnen 
Angst vor mehr Lärm und 
Erhöhung der Mieten, Angst 
vor Verbauung der Aussicht
 § Bezirksvertretung:  
Deckung strukturel-
ler Defizite im Wohn-
umfeld, Vermeidung 
von Konflikten
 § MieterInnen 
+ saniertes Gebäude
 + thermische Sanierung
 +  zusätzliches Angebot im Wohnumfeld
 - höhere Betriebskosten
 - höhere Mieten
 § EigentümerInnen
 + saniertes Gebäude
 + Bezug von Fördermitteln
 -  Mehrkosten durch Ver-
zögerung
4. Resultate
§
Eigentümer erhöht die Mieten 
über den Erhaltungs- und Ver-
besserungsbeitrag.
3. Umsetzung der Interessen
 § Externe Moderation 
Angebote neuer Wohnformen, Beteiligung bei der Freiraumgestal-
tung, neue Nutzung der Gemeinschaftsräume, laufender Infopoint
        

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