Full text: Grenzenlose Mobilität - grenzenlose Ausbeutung

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FAIR TRANSPORT EUROPE
FahrerInnen. Anweisungen werden aber von „oben“, 
den Transportfirmen oder anderen Akteuren der 
Transportkette ausgesprochen (Versender, Spedi­
teure, usw.). Eine konsequente Umsetzung der Mit­
haftung würde die Straßentransportunternehmen 
stärker in die Pflicht nehmen und ihnen die volle 
Verantwortung für Übertretungen zuweisen.
Die Kontrolle der Einhaltung von Lenkzeiten 
ist ein heiß diskutiertes Thema. Insbesondere von 
Seiten der UnternehmerInnen wird immer wieder 
der Ruf nach flexibleren Gesetzen und „Toleranzen“ 
laut. Aktuell beklagen ArbeitgebervertreterInnen 
der Branche, dass angesichts der langen Warte­
zeiten an den Grenzen durch die Wiedereinfüh­
rung der Grenzkontrollen hohe Mehrkosten durch 
Standzeiten entstehen. Insofern fordern sie, die 
Lenk­ und Ruhezeitenvorschriften für Kraftfahre­
rInnen vorübergehend zu lockern, Arbeitszeiten 
zu flexibilisieren6 oder Standzeiten bzw. sonstige 
„unproduktive Zeiten“ wie das Be­ und Entladen 
der LKWs nicht mehr zu vergüten. Jedoch zählt 
das Gütertransportgewerbe in Österreich bereits 
jetzt zu jenen Branchen, in denen am häufigsten 
Überstunden geleistet werden, nämlich insgesamt 
fast 7 Mio. Überstunden im Jahr. Gleichzeitig sind 
auch die durchschnittlichen Überstunden pro Kopf 
sehr hoch: ein Beschäftigter im Gütertransportge­
werbe erbringt im Durchschnitt 4,3 Überstunden 
pro Woche.7 Jedenfalls besteht bereits bei den 
geltenden Regelungen die Möglichkeit in begrün­
deten und aufgezeichneten Fällen Lenkzeiten zu 
überschreiten.
» Überlange Lenkzeiten ohne Pausen, 
Stundenlöhne von 2,20 Euro, dazu er-
folgsabhängige Vergütung, hoher Zeit-
druck durch den Auftraggeber, ständige 
Überwachung, wochenlange Abwe-
senheit von zuhause: Arbeitsalltag von 
Europas BerufskraftfahrerInnen! «
Rumänische LKW-FahrerInnen werden über eine Vermittlungsagentur in Rumänien eingestellt. Die Ver-
mittlungsagentur ist von einem Transportunternehmen beauftragt, das seinen Sitz in Zypern hat, wo die 
Steuergesetze und die für Sozialversicherungsbeiträge geltenden Regeln deutlich vorteilhafter sind. Alle 
eingesetzten LKWs sind in Zypern registriert. Die FahrerInnen allerdings haben noch niemals eine Beför-
derung in Rumänien, geschweige denn in Zypern, durchgeführt. Sie arbeiten überwiegend in Westeuropa. 
Derartige komplizierte, grenzüberschreitende Beschäftigungssysteme hindern die FahrerInnen daran, die 
Rechte und Ansprüche geltend zu machen, die ihnen zustehen. 
Europaweiter Straßengütertransport – undurchsichtige Beschäftigungssysteme
Quelle: ETF (2013): Moderne Sklaverei im heutigen Europa?, Brüssel, S. 6
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