Full text: Sicherheit hautnah (2)

A R B E I T N E H M E R i N N E N S C H U T Z
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bahngarnituren mit verbesserter Fah-
rerplatzabsicherung im Einsatz. Überall 
dort, wo Betriebsrätinnen und Betriebs-
räte Druck machten, gibt es auch Kon-
flikt- und Deeskalationstrainings als fi-
xen Bestandteil der Ausbildung.
Wie reagieren die Unternehmen auf die 
Übergriffe?
Hebenstreit: Die Sensibilität ist an sich 
vorhanden, Verbesserungen scheitern 
allerdings meist am Kostendruck. Es gibt 
seitens der Behörden ja keine verbindli-
chen Vorgaben. Wie viel Personal – auch 
Polizei – ist bei Großereignissen nötig? 
Wie viele MitarbeiterInnen mit welcher 
Ausbildung sind nötig, wenn etwa ein 
Zug evakuiert werden muss? Wir brau-
chen gesetzliche Regelungen, wann und 
wo welche Sicherheitsmaßnahmen nö-
tig sind – auch im Sinne der Fahrgäste.
Wessely: Bei uns wurden auf Druck 
der Betriebsrätinnen und Betriebsräte 
Deeskalationstrainings eingeführt. Wei-
ters wurden eigene MitarbeiterInnen 
für die Erstbetreuung von attackierten 
Kolleginnen und Kollegen ausgebildet.
Hebenstreit: Wenn tatsächlich irgend-
wo eine neue Sicherheitsmaßnahme 
gesetzt wird, dann wird sie aus Kosten-
gründen manchmal bald wieder einge-
stellt. Kurz gesagt: Kaum hören wir auf 
zu rudern, treiben wir schon zurück. 
Wie weit ist der im Frühjahr beschlosse-
ne Forderungskatalog gediehen?
Hebenstreit: Wir wollen den öffentli-
chen Dienst noch ins Boot holen. Die 
Eckpunkte sind klar: gesetzliche Rah-
menbedingungen für mehr Sicherheit in 
den Öffis, mehr entsprechend geschul-
tes Personal – zusätzlich zu technischen 
Maßnahmen wie mobile Warngeräte 
oder Kameras.
Wessely: Es darf keinen Wettbewerb 
auf Kosten der Sicherheit geben. Von 
ausreichendem und geschultem Perso-
nal profitieren auch die Fahrgäste. 
Moderation: Astrid Fadler, freie Journalistin
Komplettes Interview unter
tinyurl.com/interview214
Immer wieder berichten die Medien 
von Übergriffen gegen Öffi-Personal. 
Werden die Attacken tatsächlich häu-
figer?
Hebenstreit: Insgesamt haben die Vor-
fälle – Gewalt gegen MitarbeiterInnen 
oder zwischen Kundinnen und Kunden, 
aber auch Erkrankungen von Fahrgästen 
– enorm zugenommen. Der Umgangs-
ton ist rauer geworden, die Übergriffe 
wurden brutaler. Da muss der Betriebs-
rat natürlich reagieren.
Wessely: Tätliche Übergriffe hat es im-
mer gegeben, leider verzeichnen wir ei-
nen Anstieg von 2012 auf 2013. Auch die 
Brutalität hat zugenommen.
Hebenstreit: Kameras alleine reichen 
nicht als Sicherheitsmaßnahme. Unse-
re Kolleginnen und Kollegen sind ja oft 
irgendwo allein in der Peripherie unter-
wegs, die Beschäftigten müssen außer-
dem ihre Fahrzeuge auch manchmal 
verlassen. 
Hintersteiner: Ein Teil unserer Forderun-
gen wurde bereits umgesetzt. So sind 
seit Kurzem acht adaptierte Straßen-
Im Gespräch zum Thema „Gewalt gegen Öffi-Bedienstete“:  Kurt Wessely (BR-Vorsitzender Fahrbetrieb und Kundendienst), Günter Hintersteiner 
(stellvertretender BR-Vorsitzender), Roman Hebenstreit (Gewerkschaft vida, Sektion Verkehr).
SPARZWANG KONTRA SICHERHEIT 
Tätliche Übergriffe gegen Öffi-Bedienstete – welche Maßnahmen gibt es bereits, was wollen die Gewerkschaf-
ten? Ein Gespräch mit Roman Hebenstreit (vida-Sektion Verkehr), Kurt Wessely (BR-Vorsitzender Wiener Linien) 
und Günter Hintersteiner (stellvertretender BR-Vorsitzender Wiener Linien).
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