Full text: Crowdwork

47 nen mit körperlichen Behinderungen sowie Menschen mit anderen Pflichten, etwa im Haushalt, der Krankenpflege, in der Landwirtschaft oder in der Kindererziehung.102 2.3.1.2 Vorteile für die UnternehmerInnen Die betriebliche Produktion von Artikeln setzt einen gewissen Investitionsaufwand voraus, da Maschinen sowie Gebäude angeschafft werden müssen. Sie ist deshalb nur gewinnbringend, wenn eine gewisse Erzeugungsmenge nicht unterschritten wird. Wird diese Menge nicht erreicht oder fehlt es an dem notwendigen Kapital, wird oft die Form des Verlags gewählt.103 Außerdem bietet das Verlagssystem den UnternehmerInnen große Flexibilität. Sie können zB rasch und ohne viel Aufwand auf Marktentwicklungen reagieren. Ebenso können sie viele wirtschaftliche Risiken auf die HeimarbeiterInnen übertragen. Sie kön- nen sich schnell der Konjunktur anpassen, indem sie beispielsweise keine Aufträge mehr an die HeimarbeiterInnen vergeben.104 Ganz allgemein kann man sagen, dass die UnternehmerInnen jene Dinge in Heimarbeit herstellen lassen, die ohne große technische Hilfsmittel zu Hause ausgeführt werden können. Aber auch Arbeiten mit (kleineren) Maschinen lassen sich in Heimarbeit ver- legen. Die entscheidenden Faktoren, die für die Heimarbeit sprechen, sind dabei die relativ einfache Arbeit, die rasch erlernt werden kann, das geringe Lohnniveau und die Ersparung des Investitionsaufwands.105 Gerade dort, wo die Fabrikarbeit nicht rentabel ist, bietet sich oftmals Platz für die Heimarbeit. Eine zusammenfassende Darstellung der Gründe für die Bevorzugung des Verlagssystems gegenüber anderen Systemen bietet Dall:106 • Die finanziellen Mittel zur Errichtung und Fortführung eines Betriebs reichen nicht aus. Der/Die UnternehmerIn versucht häufig, die Mittel erst durch die Produktions- form des Verlags zu generieren. • Die Errichtung eines Betriebes ist wegen ungünstiger Standortbedingungen nicht möglich. • Es werden Wirtschaftsgebiete mit niedrigem Lohnniveau aufgesucht, um absatz- fähige Produkte produzieren zu können. • Für den Betriebseinsatz stehen nicht genügend Arbeitskräfte zur Verfügung. • Eine industrielle Fertigung ist technisch (noch) nicht möglich. • Für die Aufnahme einer Fabrikproduktion müssen Mittel aufgebracht werden, deren Anwendung überhaupt nicht oder schlecht rentabel scheint. Durch die niedrigen Löhne in der Heimarbeit sind die Produkte jedoch profitabel. 102 P Arndt, Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung2 10. 103 Dall, Die Heimarbeit (1947) 8 f. 104 Siehe aber auch P Arndt, Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung2 19 f. 105 Dall, Die Heimarbeit 9 ff. 106 Siehe Dall, Die Heimarbeit 13 f. 001-378, Warter, Crowdwork (mit zus Kapitel).indd 47 11.10.16 21:22

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