Full text: Budgetanalyse 2017 (161)

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3. SONDERTHEMEN  
 
3.1 Beschäftigungspaket für Trendwende am Arbeitsmarkt 
Der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und Arbeitslosigkeit hat sich in 
den vergangenen Jahren markant verschoben. Obwohl das Wachstum der Wirtschaft schwach 
ausfällt, nimmt die Zahl der Beschäftigten kräftig zu. Gleichzeitig steigt allerdings auch die 
Arbeitslosigkeit stark. Diese Phänomene sind das Ergebnis einer starken Ausweitung der 
Teilzeitbeschäftigung und des Angebots an Arbeitskräften. 2015 liegt laut Eurostat das 
Arbeitskräfteangebot in Österreich um 14,2 % höher als 2000, in Deutschland beträgt der Zuwachs 
nur 5,3 %. Obwohl die Beschäftigung in Österreich sogar etwas rascher als in Deutschland zunahm, 
steigt bei uns die Arbeitslosigkeit, während sie dort sinkt.  
Höheres Wirtschaftswachstum allein reicht nicht, um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. 
Herausfordernde Zeiten erfordern daher neue Wege. Die Regierung muss mehrere Instrumente zu 
gleich einsetzen, um die Arbeitslosigkeit erfolgreich zu bekämpfen. Es bedarf expansiver Maßnahmen 
zur Steigerung der Nachfrage nach Arbeitskräften und gleichzeitig eine Verringerung des Angebots an 
Arbeitskräften.  
 
3.1.1 Angebot und Nachfrage ins Lot bringen  
In den vergangenen Jahren ist das Arbeitskräfteangebot stark gestiegen und hat wesentlich zum 
Anstieg der Arbeitslosigkeit beigetragen. 2015 lag das Arbeitskräfteangebot laut Hauptverbandsdaten 
um rund 300.000 Personen höher als 2008. Der überwiegende Teil resultiert aus Zuwanderung, 
daneben spielt auch die höhere Erwerbsbeteiligung von Älteren und Frauen eine Rolle.  
Es bestehen Spielräume zur Beschränkung des Angebots an Arbeitskräften. Klug angewandt, könnten 
Maßnahmen zur Verknappung des Arbeitskräfteangebotes zu einer besseren Balance zwischen Arbeit 
und Freizeit, zu einer besseren Qualifizierung der ArbeitnehmerInnen und zur Durchsetzung des 
Grundsatzes „gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort“ sorgen. 
 
3.1.1.1 Faire Verteilung der Arbeitszeit  
Österreich weist die dritthöchste effektive Arbeitszeit unselbständiger Vollzeitkräfte in der EU auf. 
2015 wurden Überstunden im Ausmaß von über 250 Mio. geleistet, 20 % davon unbezahlt. Die hohe 
Arbeitszeitbelastung beeinträchtigt mittelfristig Gesundheit und Lebenszufriedenheit der 
ArbeitnehmerInnen und wirkt sich zudem negativ auf den Arbeitsmarkt aus. Mit Formen innovativer 
Arbeitszeitverkürzung, wie dem Ausbau der Freizeitoption in den Kollektivverträgen, Abbau der 
Überstunden und der leichteren Erreichbarkeit der 6. Urlaubswoche könnte das Arbeitskräfteangebot 
um rund 30.000 Vollzeitäquivalente verringert und der Arbeitsmarkt in diesem Ausmaß entlastet 
werden.  
 
3.1.1.2 Unfaire Konkurrenz einschränken und soziale Schieflagen beseitigen  
Österreichs Arbeitsmarkt ist in einer exponierten Lage: durch den Arbeitskräftezuzug aus den neuen 
EU Mitgliedstaaten, die TageseinpendlerInnen und die große Zahl an entsendeten Arbeitskräften wird 
das Arbeitskräfteangebot stark erhöht.  
Die grenzüberschreitenden Entsendungen haben allein von 2014 auf 2015 von ca. 106.000 auf knapp 
134.000 stark zugenommen. Mängel in der Entsenderichtlinie und beim Gesetz gegen Lohn-und 
Sozialdumping müssen beseitigt werden; sie führen dazu, dass nach Österreich entsandte 
ArbeitnehmerInnen den Unternehmen billiger kommen als jene, die hierzulande angemeldet sind. Das
        

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