Full text: Verankerung wohlstandsorientierter Politik (165)

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(etwa im Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge) ausgeweitet, welche (beispielsweise 
von der Automobilität hin zu anderen Möbilitätsformen) verändert werden? Was für 
Vorstellungen von Wohlstand und ,gutem Leben‘ gibt es? Geht es also um den Konsum 
möglichst günstiger Produkte, deren sozialer und ökologischer Produktionsprozess 
ausgeblendet wird? Oder geht es eher um den Konsum von langlebigeren, vielleicht auch 
weniger materiellen Gütern – dafür aber stärker um ein an guten sozialen Netzwerken und 
ökologisch sensiblen Lebensweisen ausgerichtetes Leben auch jenseits der Versorgung 
mit dem Grundlegenden? Welche Formen der Erwerbsarbeit und der nicht-bezahlten 
Arbeit (Hausarbeit, Versorgungsarbeit usw.) – Letztere nimmt durchschnittlich 
insbesondere für Frauen immer noch einen größeren Teil der Zeit in Anspruch –, aber 
auch welches Verhältnis zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit (work-life-balance) tragen zu 
einem erfüllten Leben bei? Wie werden persönliche Sicherheiten und individuelle 
Freiheiten, politische Partizipationsmöglichkeiten und eine lebenswerte Umwelt jenseits 
individuellen Einkommens gewährleistet?  
Tim Jackson (2011) hat in seinem Aufsehen erregenden Buch Wohlstand ohne Wachstum 
gefragt, wie Wohlstand beschaffen sein soll, „der es den Menschen ermöglicht, ein gutes 
Leben zu führen, mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft zu schaffen, mehr Wohlbefinden 
zu erfahren und trotzdem die materiellen Umweltbelastungen zu reduzieren“ (ebd.: 54). 
Dabei vertraut er weder auf wirtschaftliches Wachstum noch auf technologische Lösungen, 
denn diese seien eine Selbsttäuschung. Ein nachhaltiges Wirtschaftssystem bedarf 
Jackson zufolge vielmehr politischer Rahmenbedingungen wie etwa einer ökologischen 
Steuerreform und strikter Obergrenzen für den Verbrauch von Ressourcen und den 
Ausstoß von Emissionen. Es bedarf aber auch kultureller Veränderungen wie etwa eines 
Abbaus des Konsumismus, einer Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit, einer Stärkung der 
Fähigkeiten und Kompetenzen der Menschen sowie einer Unterstützung südlicher Länder 
beim Umbau ihrer Ökonomien (vgl. ebd.: 175ff.).  
So zeigen die GesundheitsforscherInnen Richard Wilkinson und Kate Pickett (2010) mit 
dichtem empirischen Material: „Wirtschaftswachstum war für lange Zeit Motor des 
Fortschritts, doch in den reichen Ländern ist dieser Antrieb inzwischen weitgehend 
erschöpft. Das ökonomische Wachstum ist nicht mehr wie einst von Maßnahmen für das 
Wohlergehen und Wohlbefinden der Bürger begleitet. Schlimmer noch: Langfristig haben 
Ängste, Depressionen und andere soziale Probleme mit wachsendem Wohlstand 
zugenommen.“ (ebd.: 20) Mehr Gleichheit, so die grundlegende These ihres
        

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