Full text: Verankerung wohlstandsorientierter Politik (165)

7 internationalen Vergleichs, schafft bessere soziale Beziehungen, so wie umgekehrt gesundheitliche und soziale Probleme in Ländern mit großen Einkommensdifferenzen signifikant stärker sind (vgl. ebd.: 35/61). Wirtschaftswachstum verschärfe demgegenüber soziale Probleme, da es in Gesellschaften mit weitgehend gesicherten Grundbedürfnissen zur Entstehung oder Entfaltung von Konkurrenz und Konsumismus beiträgt. Entsprechend benötigen die Menschen einen anderen Blick auf ihre eigenen Gesellschaften, um ein breiteres Verständnis von Lebensqualität zu erhalten. Die inzwischen sehr ausdifferenzierte Diskussion um Beyond GDP und Postwachstum der letzten Jahre hat deutlich gemacht, dass es nicht um ein apodiktisches ,Ja‘ oder ,Nein‘ zu Wachstum geht, sondern um eine Neuformulierung von individuellem und gesellschaftlichem Wohlstand und Fortschritt. Als problematisch wird nicht wirtschaftliches Wachstum per se gesehen: In Bereichen wie Bildung, Gesundheit und Pflege, aber auch was erneuerbare Energien, ökologische Landwirtschaft oder nachhaltige Angebote für Mobilität anbelangt, müssen gesellschaftliche Angebote eher ausgeweitet werden. Es geht vielmehr um eine gesellschaftspolitische Kritik und Schwächung der kapitalistischen Wachstumstreiber. Diese sind eng verbunden mit den Profitinteressen privater Investoren und ihrer Financiers, den Akkumulationserfordernissen kapitalistischer Gesellschaften, den einseitigen gewerkschaftlichen Orientierungen an Umverteilung, den Finanzgrundlagen des Staates und den Subjektivierungen der Menschen (vgl. etwa Schmelzer/Passadakis 2011; Welzer 2011; Brand 2014; Muraca 2014; Reuter 2015; AK Postwachstum 2016). Diese knappen Bemerkungen zum Kontext und zu zentralen Argumenten der aktuellen Debatte zeigen, dass die Diskussion um den Stellenwert des BIP einen gesellschaftspolitischen Kern hat. Die Art und Weise, wie Wohlstand und Lebensqualität geschaffen werden – das heißt, wie die Bedingungen für ein auskömmliches und sinnerfülltes Leben in einer Gesellschaft gestaltet sind –, ist abhängig von politischen Auseinandersetzungen, Kräfteverhältnissen und Strategien, welche die wirtschaftliche und soziale Entwicklung bedingen; kurz, sie ist umkämpft. Zugespitzt formuliert bedeutet dies auch, dass die Frage, inwiefern diese Strategien Teil einer kohärent formulierten Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik sind oder eher Teil eines krisengetriebenen und durch die Positionssicherung der Eliten induzierten ,muddling through‘, historisch offen ist. (1.3) Zum Anliegen der Studie Unter anderem aufbauend auf Erkenntnisse aus den genannten Arbeiten und eingedenk des knapp skizzierten zeitgeschichtlichen Kontextes fragt die vorliegende Studie nach den

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