Full text: Verankerung wohlstandsorientierter Politik (165)

16 
die Unzulänglichkeit des BIP, nicht-marktvermittelt produzierte Güter und Leistungen etwa 
im Bereich privater Haushalte zu erfassen. Letzteres hebt u.a. auf die Schwierigkeit ab, 
dass das BIP als Kennziffer der Produktion generell nicht dazu in der Lage ist, 
gesellschaftlichen Wohlstand im umfassenden Sinn, bspw. also „environmental 
sustainability […] and social progress“ (Europäisches Parlament 2011: 2) zu messen. 
Verwiesen wurde darüber hinaus immer wieder auf eine Kluft zwischen der objektiven 
Entwicklung von Kennziffern wie dem BIP und ihrer subjektiven Wahrnehmung seitens der 
Bevölkerung (vgl. etwa SVR/CAE 2010: 3f.; ESSC 2011: 10). Dieser „gap between the 
statistical measurement of socio-economic phenomena and citizen perception of the same 
phenomena“ (vgl. Stiglitz et al. 2009: 7) bildete so auch die Ausgangsproblematik der 
Commission on the Measurement of Economic Performance and Social Progress.  
Durch eine Ersetzung bzw. Ergänzung des BIP um Kennziffern für soziale und ökologische 
Aspekte gesellschaftlichen Wohlstands und Fortschritts sollte es entsprechend gelingen, 
diese Kluft in neuer Form zu überbrücken.8 Konkret ging es etwa darum, neben Aussagen 
über den (gesamtwirtschaftlich) produzierten Wohlstand auch solche über dessen soziale 
Verteilung bzw. über dessen ökologische Folgen zu treffen. Wie unter Verweis auf rezente 
Umfragewerte betont wurde, werde solches auch seitens der Bevölkerung gewünscht (vgl. 
etwa Europäische Kommission 2009: 4; 2013: 9; SVR/CAE 2010: 7).  
Ebenso vielfältig wie die Problemdiagnosen in Bezug auf das BIP sind die darauf 
bezogenen konkreten Lösungsvorschläge. Auf einer grundlegenden Ebene lassen sich 
dabei solche Ansätze, die traditionelle Kennziffern ersetzen wollen, von jenen 
unterscheiden, die sie in angepasster bzw. erweiterter Form beibehalten wollen. In 
letztgenanntem Bereich stehen sich wiederum das BIP adaptierende und das BIP 
ergänzende Ansätze gegenüber – seien es auf zusammengesetzten Indikatoren 
basierende Composite Indicator-Ansätze oder auf Indikatorensets basierende Dashboard-
Ansätze (vgl. etwa Pesendorfer/Leitner 2010: 536ff.).9  
Vor dem Hintergrund des hier sich andeutenden „Spannungsfeld[s] zwischen 
Punktgenauigkeit und Überfluss, zwischen der einen Maßzahl und dem Zahlenfriedhof“ 
                                                 
8
 Daneben wurde versucht, die objektive Dimension von Wohlstand und Lebensqualität durch die 
subjektive Dimension zu ergänzen, was lange Zeit – wie die Sponsorship Group on Measuring Progress, 
Well-being and Sustainable Development es formulierte – „has been broadly considered to lie outside the 
scope of official statistics“ (ESSC 2011: 21). 
9
 Eine Spezialform markiert das Satellitenkonten-Konzept, das die VGR in ihrer Grundstruktur beibehält, 
aber über ein Satellitensystem mit auf ökologische und soziale Aspekte bezogenen Statistiken in nicht-
monetären Größen in Verbindung setzt.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.