Full text: Verankerung wohlstandsorientierter Politik (165)

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Medienkonsumenten“ (ebd.), die entsprechende Debatten kritisch verfolge. 
 
(4.1.2) Problemformulierung  
Hinsichtlich der Frage, welche Ursachen für die mangelhafte Verankerung in der breiten 
medialen Öffentlichkeit verantwortlich zeichnen, wurde im Rahmen der 
ExpertInneninterviews auf eine Reihe von Hürden und Hindernissen verwiesen.  
So würden Berichte wie WGÖ? zwar eine Sichtbar- und Bewusstmachung von 
Entwicklungen in Bezug auf unterschiedliche Indikatoren gesellschaftlichen Fortschritts 
und Wohlstands ermöglichen (vgl. Himpele INTV). Sie scheitern jedoch – wie Markus 
Marterbauer (INTV), Leiter der Abteilung Wirtschaftswissenschaft und Statistik der AK 
Wien, es formuliert – daran, „den Diskurs auch zu organisieren“. Entsprechend gehe es 
nicht primär um die Frage, ob WGÖ? „schlecht […] vermarktet wurde“ (Waltner INTV). 
Zentraler sei vielmehr die Frage, warum der davon ausgehende Impuls nicht breit 
aufgegriffen und in vielfältiger Form diskursiv vermittelt werden konnte. 
In diesem Kontext wird auch problematisiert, dass der dargelegte, von der Statistik Austria 
im Hinblick auf die Fort-/Entwicklung von WGÖ? initiierte Kommunikationsprozess auf 
,traditionelle‘ AkteurInnen (VertreterInnen aus Wissenschaft, Verwaltung und Verbänden) 
beschränkt blieb, wohingegen eine „Partizipation und Einbindung von NGOs“ (Pühringer 
ITV) und anderen AkteurInnen unterblieb. Vor allem NGO-VertreterInnen sehen in der 
Entwicklung solcher Indikatoren-Sets „im Rahmen von sehr kleinen ExpertInnen-Kreisen“ 
(Strickner ITV) das Problem, dass dadurch nicht bloß das jenseits dieser Kreise 
angesammelte Know How ungenutzt bleibe, sondern auch deren breite (zivil-
)gesellschaftliche Verankerung beeinträchtigt werde.35 
Neben der mangelhaften Organisierung des Diskurses lässt sich aus der Perspektive der 
InterviewpartnerInnen eine zweite zentrale Hürde für die Verankerung in der breiten 
(medialen) Öffentlichkeit ausmachen: Wie vielfach konstatiert wurde, haben alternative 
Fortschritts- und Wohlstandsindikatoren gegenüber dem BIP in seiner Einfachheit und 
Schlichtheit nämlich ein grundlegendes „Vermittlungsproblem“ (Marterbauer INTV): „Die 
                                                 
35
 Damit in Zusammenhang stehend wird auch die Ansicht vertreten, dass bei NGOs in Österreich „diese 
Frage der Indikatoren und diese zu beeinflussen nicht so sehr im Vordergrund steht“ (Strickner INTV; vgl. 
ähnlich Pühringer INTV). Oder wie Christian Felber (INTV), Initiator des Projekts Gemeinwohl-Ökonomie, 
es formuliert: „In Österreich gab es von zivilgesellschaftlicher Seite bis vor Kurzem keine prominente 
Anwaltschaft für einen Ersatz des Bruttoinlandsprodukts durch einen umfassenden Wohlstandsindikator“.
        

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