Full text: Verankerung wohlstandsorientierter Politik (165)

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(1) Problemaufriss und Erkenntnisinteresse 
Seit Ende der 2000er-Jahre intensivieren sich die Debatten um eine einseitig verengte 
Wirtschaftspolitik unter Ausklammerung sozialer und ökologischer Dimensionen. Vor 
diesem Hintergrund gewinnt auch die Problematisierung traditioneller Kennzahlen 
gesellschaftlichen Wohlstands und Fortschritts sowie die Forderung nach ihrer Ersetzung 
bzw. Ergänzung durch alternative Indikatoren (erneut) an Bedeutung. Schließlich besteht 
ein enger Zusammenhang zwischen statistischen Erhebungen und politischen 
Entscheidungen; oder wie der Abschlussbericht der Commission on the Measurement of 
Economic Performance and Social Progress es prominent formulierte (vgl. Stiglitz et al. 
2009: 7): „What we measure affects what we do; and if our measurements are flawed, 
decisions may be distorted.“ Wie in diesem einleitenden Kapitel kurz dargelegt werden 
soll, steht im Zentrum der Auseinandersetzung das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als jener 
Indikator, der ausgehend von den 1930er-Jahren zur „mächtigste[n] Kennzahl der 
Menschheitsgeschichte“ (Lepenies 2013: 9; vgl. auch Fioramonti 2013: 1) avancierte.  
 
(1.1) Von der Indikatorendebatte zur Debatte um ihre mangelhafte Verankerung 
Vor rund zehn Jahren bereits, nämlich im Jahr 2007, gingen auf internationaler Ebene 
zwei Konferenzen über die Bühne, die als zentrale Ausgangspunkte jener Debatte gelten, 
die dann infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise massiv an Fahrt gewann (vgl. etwa 
ESSC 2011: 9; STAT 2015a: 30f.): Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit 
und Entwicklung (OECD) startete bei ihrem zweiten Weltforum zu Statistics, Knowledge 
and Policies in Istanbul das Projekt Measuring the Progress of Societies; und die EU-
Kommission organisierte gemeinsam mit dem EU-Parlament sowie einer Reihe weiterer 
AkteurInnen wie OECD und Club of Rome die Konferenz Beyond GDP.  
Im Bereich der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung und Beratung wurde die Debatte 
um neue Indikatoren gesellschaftlichen Wohlstands und Fortschritts in der Folge 
wesentlich von der bereits zitierten Commission on the Measurement of Economic 
Performance and Social Progress vorangetrieben, die zu Beginn des Jahres 2008 vom 
damaligen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy eingesetzt worden war (vgl. 
Stiglitz et al. 2009). Im Bereich der wirtschaftspolitischen Debatte und Praxis markierte 
eine im August 2009 seitens der Europäischen Kommission unter dem Titel GDP and 
beyond: Measuring progress in a changing world veröffentlichte Roadmap for Action einen
        

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