Full text: Verankerung wohlstandsorientierter Politik (165)

68 (5.2) Theoriegeleitete Schlussfolgerungen Ziel des vorliegenden Unterkapitels ist es, unter Rekurs auf den in Kapitel 2.1 eingeführten Theorierahmen und im Hinblick auf das einleitend skizzierte Erkenntnisinteresse aus den dargestellten Forschungsergebnissen theoriegeleitete Schlussfolgerungen abzuleiten. Unseren Ausgangspunkt bildet dabei die Feststellung, dass sowohl was die Problemformulierung in Bezug auf eine einseitig am BIP-Wachstum orientierte Wirtschaftspolitik anbelangt als auch was den Lösungsvorschlag bezüglich einer an alternativen Indikatoren orientierten Wohlstandspolitik betrifft, seit längerem schon Konzepte vorliegen und von verschiedenen politischen Kräften gestützt werden. Durch die Krise ab 2007 wurde – wenn auch in zeitverzögerter Form – ein Möglichkeitsfenster, konkret ein sogenanntes „problem window“ (Kingdon 1984: 182) geöffnet, wodurch die einseitig verkürzte Wirtschaftspolitik der vorangegangenen Jahre und Jahrzehnte kurzzeitig an prominenter Stelle als Problem auf der politischen Agenda erschien bzw. auf der politischen Prioritätenliste nach oben rückte. Vor dem Hintergrund der eingangs skizzierten, parallel zum Ausbruch der Krise auf internationaler Ebene initiierten Debatten um eine an alternativen Indikatoren orientierten Wohlstandspolitik veränderten sich in der Folge auch auf Ebene der Nationalstaaten die Möglichkeiten eines darauf bezogenen Agenda-settings. Konkret ergab sich vor allem mit Blick auf soziale, in abgeschwächter Form aber auch auf ökologische Ziele die Gelegenheit, wohlstandsorientierte Ansätze als Lösungen für das Problem einer einseitig verkürzten Wirtschaftspolitik ins Spiel zu bringen und Interessenkoalitionen für eine Unterstützung solcher Ansätze zu schmieden. In Österreich traten in diesem Kontext an der Schnittstelle von Wissenschaft und Verwaltung – konkret etwa in der Statistik Austria, am WIFO oder im BMLFUW – Policy Entrepreneurs auf den Plan, um das dargestellte Window of Opportunity für eine Stärkung von Ansätzen wohlstandsorientierter Politik zu nutzen. Im Rahmen von Projekten wie Wie geht’s Österreich?, WWWforEurope oder auch Wachstum im Wandel wurden von den angesprochenen AkteurInnen erhebliche Ressourcen etwa im Sinne von Reputation und Zeit in dieses Vorhaben investiert. Was die Frames bzw. Deutungsmuster anbelangt, mittels derer das politische Sachthema diskursiv gerahmt wurde, bemühte man sich vor allem im Zusammenhang mit den beiden letztgenannten Projekten darum, unter Rekurs auf die Indikatorendebatte ein erweitertes Wachstums- und Wohlstandsverständnis zu entwickeln und zugleich darauf bezogene (u.a. ressortübergreifende) Interessenkoalitionen zu schmieden. Darüber gelang es zwar, das Thema auf die Agenden

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