Full text: Mitbestimmung im Betrieb

Forschungsinteresse, Fragestellungen und Daten 
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1. FORSCHUNGSINTERESSE, FRAGESTELLUNGEN UND 
DATEN 
1.1. Hintergrund: Betriebliche Mitbestimmung im Wandel 
Betriebsratsgremien müssen gemäß ihrer gesetzlichen Funktionsbestimmung einer Reihe 
von Anforderungen gerecht werden. Sie vertreten die sozialen Interessen der Mitarbeiter-
Innen gegenüber der Unternehmensleitung, die vor allem wirtschaftliche Interessen ver-
folgt. Sie sind dabei Ansprechstelle für eine Vielzahl von Anliegen der Belegschaft, be-
treffen diese nun die Anliegen einzelner Personen oder gesamtbetriebliche Problemlagen. 
Gleichzeitig sind Betriebsräte ein Kontrollorgan, das in vielen Bereichen des Unterneh-
mens darüber wacht, dass gesetzliche Vorgaben, z.B. die Bestimmungen des Arbeits-
rechts, eingehalten werden. Schließlich ist der Betriebsrat auch in Fragen der Weiterent-
wicklung des Betriebs ein wichtiger Partner des Managements. Er kann Vorschläge 
machen, Initiativen setzen und so Veränderungsprozesse in Gang bringen oder unter-
stützen und muss auch auf gesetzlicher Basis in manchen Bereichen in Veränder-
ungsprozesse eingebunden werden (Kozak 2016, Guger 2001; Müller-Jentsch 2017 für 
Deutschland). Auch in Zeiten von Krisen im Unternehmen oder in der Gesamtwirtschaft 
kommt dem Betriebsrat große Bedeutung als Partner („Co-Management“) zu, der das 
Vertrauen der Belegschaft in Maßnahmen der Betriebsleitung sicherstellen und so den 
Zusammenhalt und damit auch die Bewältigung von Krisen enorm unterstützen kann.  
Die Aufgaben und Rechte des Betriebsrates sind gesetzlich klar vorgegeben. Je nach The-
menbereich kann zwischen erzwingbaren Mitbestimmungsrechten, Widerspruchsrechten 
und Mitwirkungsrechten des Betriebsrates unterschieden werden (vgl. Kozak 2016 bzw. 
Müller-Jentsch 2017, S.51ff). Die Einleitung von Kampfmaßnahmen ist dem Betriebsrat 
verboten, er ist zu Konsens, Kooperation und Problemlösung angehalten.  
Die konkrete Ausgestaltung der Anforderungen an BetriebsrätInnen unterliegt einem tief-
greifenden Wandel. Wichtige Antreiber dieses Wandels sind der technologische Fort-
schritt, mit dem neue Berufsbilder und Möglichkeiten der Arbeits(zeit)gestaltung entste-
hen. Gleichzeitig bieten diese Technologien den Unternehmen neue Möglichkeiten der 
Steuerung der Arbeitsabläufe und der Kontrolle der MitarbeiterInnen. Neue Beschäfti-
gungsformen verwischen die Grenzen zwischen abhängiger Beschäftigung und selbstän-
diger Tätigkeit und machen die Abgrenzung häufig schwierig, welche Interessen welchen 
Personenkreises vom Betriebsrat vertreten werden sollen (vgl. etwa Pernicka/Aust 2007).  
Schließlich wird die Legitimation von betrieblicher Interessenvertretung sowohl von 
manchen Beschäftigten, mehr aber noch von manchen ManagerInnen in Frage gestellt. 
So geht insgesamt der Anteil der Beschäftigten, die von einem Betriebsrat vertreten 
werden, zurück. Laut den Ergebnissen des Arbeitsklimaindex wurden im Jahr 2003 in 63
        

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