Full text: Schule, Aus- und Weiterbildung im digitalen Wandel

Seite 3 
kationsbedarf auswirken wird, gehen auseinander. 
Allerdings wird der vermehrte Einsatz von digitalen 
Technologien in fast allen Bereichen das Arbeiten 
verändern und es braucht – bildlich gesprochen – 
einen „Rucksack“, in den digitale Kompetenzen ge-
packt werden müssen, genauso aber auch soziale, 
emotionalen, kognitive – bspw. kreative – Fertigkei-
ten und berufsspezifische Skills.
Es wird zu einer Anhebung der Anforderungen auf die 
Qualifikationsstruktur auf allen Qualifikationsstufen 
kommen, aber es steht auch die Gefahr eines „Gro-
wing Gap“ im Raum, d.h. dass Aufgaben und Kompe-
tenzen für eine „FacharbeiterInnen-Elite“ und Akade-
mikerInnen steigen, es aber sinkende Anforderungen 
und einen sinkenden Bedarf für operative Facharbeit 
und angelernte Arbeitskräfte gibt. Hier gilt es mit ge-
eigneten Bildungsprogrammen zu reagieren.
?  Fachliche Kompetenzen bleiben wichtig – sind 
aber branchen- und berufsspezifisch unterschied-
lich. Für den industriellen Bereich werden Fach-
kompetenzen in den Bereichen Web 2.0/Mobile 
Geräte, CPS/Internet of Things, Additive Verfahren 
(bspw. 3D-Druck), Robotik, Wearables (bspw. Da-
tenbrillen) wichtiger. (Vgl. Pfeiffer, 2016) 
?  Überfachliche Kompetenzen werden von den Un-
ternehmen zwar oft prioritär genannt, aber es gibt 
noch kaum betriebliche Weiterbildung in diesen Be-
reichen. Um welche Kompetenzen handelt es sich? 
(komplexe) Problemlösungskompetenzen, Sprach-
kompetenzen (v.a. Englisch), interkulturelle und ko-
gnitive Fertigkeiten, System- und Gesamtprozess-
verständnis (interdisziplinäres Denken), Umgang 
mit Verantwortung und soziale Fähigkeiten (bspw. 
Teamfähigkeit, Kreativität, „um die Ecke denken“, 
proaktive Haltungen). (Vgl. Hausegger et al, 2016)
?  „Querkompetenzen“ (Sabine Pfeiffer) werden für 
alle Berufe wichtiger: Datenschutz & Privacy, Um-
gang mit großen Datenmengen („Big Data“), Inter-
disziplinäre Zusammenarbeit und Gestaltung von 
Innovationen bzw. Kreativität. 
?  Digitale Kompetenzen reichen von Wissen über 
Datenschutz, vom Suchen-Auswählen-Bewerten 
von Informationen, von der Bedienung von Maus/
Touchscreen über Digital Literacy, Programme nut-
zen, adaptieren bis hin diese konzipieren zu können. 
Beschäftigte müssen diese Kompetenzen aber nicht 
alle neu erlernen. Vieles wurde bereits in beruflicher 
und privater Sphäre erlernt. Beruflich Qualifizierte 
von heute sind also bereits gut gerüstet. Die Betriebe 
müssen allerdings auch entsprechende Möglichkeit 
für Bildung aller MitarbeiterInnen schaffen. 
Zwar bieten laut Eurostat (CVTS-4) 87% der öster-
reichischen Unternehmen betriebliche Weiterbildung 
an, aber nur Drittel der ArbeitnehmerInnen kann da-
ran teilnehmen. Bezüglich der Inhalte der Weiterbil-
dung schulen Unternehmen hauptsächlich fachliche 
Inhalte, die in Studien und Befragungen dringend ge-
nannten überfachlichen Kompetenzen werden hin-
gegen kaum geschult (Statistik Austria 2013). Hinzu 
kommt, dass die Hälfte der Erwachsenen mit maxi-
mal Pflichtschulabschluss laut der Kompetenzmes-
sung PIAAC 2012 über keinerlei Computerkenntnis-
se verfügen oder Computertestungen grundsätzlich 
verweigerten. Bei Erwachsenen mit akademischen 
Abschlüssen sind dies nur 8 Prozent (OECD 2015b).
Forderungen
Da nicht alle Menschen gleich an der digitalen Bil-
dung teilhaben können, sind mutige und voraus-
schauende Maßnahmen aller Beteiligten nötig, um 
die drohende Segmentierung des Arbeitsmarkts 
und der Gesellschaft zu verhindern. Ziel muss sein, 
dass sich künftig alle Menschen aktiv an unserer 
Gesellschaft beteiligen können.  
Schule
?  Digitale Kompetenzen nach den Vorgaben von 
„digikomp“ müssen in der Unterrichtspraxis auf 
allen Bildungsstufen verankert und umgesetzt 
werden. Kinder müssen möglichst früh mit digita-
len Technologien vertraut gemacht werden. In den 
Schulen braucht es neben einer entsprechenden 
IKT-Ausstattung (WLAN, Tabletsets, leistungsfä-
hige Internetanschlüsse, Stromanschlüsse usw.) 
auch einen breiten Einsatz von digitalen Lernbe-
gleitern im Unterricht. Ein besonderes Augen-
merk ist dabei auf die Berufsschulen zu legen.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.