Full text: Automatisiertes Fahren

Seite 1 
AutomAtisiertes FAhren
Thomas Hader, Richard Ruziczka
April 2017
Die wichtigsten Punkte: 
?  Automatisierung betrifft nicht nur Pkw, sondern 
alle Verkehrsträger; von der U-Bahn über die Bahn 
bis hin zum selbstfahrenden Lkw.
?  Bereits jetzt sind wichtige Weichenstellungen, wo 
solche Fahrzeuge unter welchen Bedingungen 
fahren dürfen, vorgenommen worden. Nicht alles 
was technisch machbar ist, ist auch verkehrspoli-
tisch sinnvoll.
?  Automatisierung braucht demokratisch legitimierte 
und durch die Politik vorgegeben Rahmenbedin-
gungen und muss den Prämissen, ein nachhalti-
geres Verkehrssystem zu schaffen, untergeordnet 
werden.
Worum es geht 
Schon heute verfügen Fahrzeuge über immer mehr 
Assistenzsysteme, um das Fahren einfacher, beque-
mer und sicherer zu machen. Viele sehen in der Voll-
automatisierung die logische Zukunft. Derzeit stehen 
Auto- und IT-Industrie im Wettkampf darum, wer die-
se technischen Lösungen als erstes anbieten kann. 
Auch in Österreich ist es seit dem Vorjahr offiziell 
möglich, dass autonome Fahrzeuge auf öffentlichen 
Straßen getestet werden. Jetzt werden die Weichen 
dafür gestellt, unter welchen Rahmenbedingungen 
automatisierte Fahrzeuge eingesetzt werden können 
und sollen. Viele Aspekte, wie etwa Datenschutz und 
Haftungsfragen werden dabei ausgeklammert.
Politischer Kontext 
Derzeit werden die Zukunftsvisionen, wie automati-
sierter Verkehr aussehen könnte, sehr stark von der 
Herstellerindustrie geprägt. Viele Aspekte, die bereits 
im Vorfeld diskutiert werden müssten, um dann in po-
litische Entscheidungen und rechtliche Rahmenbe-
dingungen zu münden, werden aber aktuell weitge-
hend ausgeklammert. Dies betrifft die Entscheidung, 
welche Anwendungsmöglichkeiten der Automatisie-
rung verkehrspolitisch sinnvoll sind, Fragen der Haf-
tung und des Datenschutzes. Aber auch die Zukunft 
der Arbeit im automatisierten Verkehr, einschließlich 
der Situation der bestehenden Beschäftigten im Ver-
kehrsbereich und ihren zukünftigen Ausbildungsan-
forderungen. 
Die Forcierung der Automatisierung im Verkehr, spe-
ziell des motorisierten Individualverkehrs (MIV), wird 
mit mehreren Argumenten vorangetrieben. Einerseits 
wird der Technik zugetraut, was mit anderen Maß-
nahmen bislang nicht gelungen ist, nämlich den Ver-
kehr ressourcenschonender und nachhaltiger zu ma-
chen. Auch Sicherheit und neue Mobilitätsstile und 
damit Geschäftsmodelle – Stichwort Sharing – wer-
den stets im Zusammenhang mit der Automatisie-
rung gesehen. Welch disruptive Veränderungen im 
Mobilitätsangebot in kürzester Zeit Realität werden 
können, zeigt sich am Beispiel des Fahrtendienstes 
Uber. Dieser hat in Österreich nur drei Beschäftigte 
und verfügt über kein einziges eigenes Fahrzeug, 
bringt aber mit seinem Angebot von Mietwagenfahr-
ten die gesamte österreichische Taxibranche unter 
Druck. Zuletzt mehrten sich Berichte über niedrigs-
te Vergütungen für die LenkerInnen und in Wien gab 
es in Folge der Konkurrenzsituation Anfang 2017 mit 
4400 TaxilenkerInnen um 600 weniger als noch ein 
Jahr zuvor. 
Ein weiterer Aspekt, der die Politik zum Handeln 
drängt, ist, dass in Österreich etwa 70.000 Arbeit-
nehmerInnen in der Kfz-Industrie und in Zulieferbe-
trieben beschäftigt sind. Will man diese Arbeitsplätze 
halten, ist es notwendig einen Rahmen zu schaffen, 
der Innovationen und Entwicklungsmöglichkeiten 
AK Policy PAPer
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.