Full text: Technologischer Wandel & Ungleichheit

Technologischer Wandel & Ungleichheit 14 
 
die Berechnung sektoraler Lohnquoten mit Messproblemen behaftet ist, wobei diese 
in den Dienstleistungssektoren deutlicher ausgeprägt sind als in der Sachgüterpro-
duktion. Nichtsdestotrotz zeigt sich beim Vergleich der Lohnquoten in den Jahren 
2008/2009 und 2013/2014, dass in der Mehrzahl der Branchen der Sachgüterpro-
duktion und der Dienstleistungssektoren die Lohnquote gewachsen ist – sowohl in 
Branchen mit wachsender als auch mit schrumpfender Beschäftigung; wobei fast alle 
Branchen mit sinkender Lohnquote in Bereichen mit schrumpfender Beschäftigung 
zu finden sind (z.B. Datenverarbeitungsgeräte oder Verkehr und Lagerei). Nur in zwei 
Branchen (sonstiger Fahrzeugbau und IT-Dienstleistungen) ist die Lohnquote trotz 
Beschäftigungswachstum gesunken. Die zum Teil starken Anstiege der Lohnquote in 
manchen Branchen (z.B. Finanz- und Versicherungsdienstleistungen) sind – insbe-
sondere in den unmittelbaren Krisenjahren 2008–09 – der starken Rückgänge der 
Gewinne in dieser Periode geschuldet. Bemerkenswert ist aber auch, dass die Ni-
veaus der Lohnquote in den meisten Branchen auch zwischen 2011 und 2014 noch 
über dem Vorkrisenniveau liegen. Ein Abwärtstrend über alle drei Subperioden 
(2005–2008, 2009/2010, 2011–2014) ist nur in vereinzelten Fällen auszumachen 
(etwa bei Getränken, Lederwaren und Verkehr). 
? Die durch qualitative Untersuchungen ergänzte Clusteranalyse der Branchen fand, 
dass: (i) Branchen, die von einer Divergenz in der Lohnverteilung besonders betrof-
fen sind, vorwiegend im Dienstleistungssektor zu finden sind. Hier könnte auch die 
Digitalisierung in Form hoher IKT-Investitionen ein wichtiger (mit)beeinflussender 
Faktor sein, (ii) Innovative und F&E-intensive Branchen, welche insbesondere auch 
vergleichsweise hohe Umsätze aus Innovationen generieren, von einer Polarisierung 
der Lohnverteilung vergleichsweise wenig betroffen sind.  
Die wichtigsten Befunde aus der ökonometrischen Analyse sind: 
? Für die Beschäftigungsentwicklung 2008–2014 im Sachgütersektor haben das 
Wachstum der Arbeitsproduktivität einen negativen, der Anteil der F&E-
Beschäftigten einen signifikant positiven Einfluss auf das Beschäftigungswachstum. 
Letzteres deutet auf positive Komplementaritäten zwischen den Beschäftigungs-
gruppen hin. Zusätzlich werden die IKT-Investitionen signifikant positiv, wenn sie 
gleichzeitig mit dem Anteil der F&E-Beschäftigten in die Regression einfließen. D.h., 
dass im Durchschnitt höhere Anteile der IKT-Investitionen an den Gesamtinvestitio-
nen mit positiven Beschäftigungseffekten auf der Branchenebene einhergehen. Da-
her liegt der Schluss nahe, dass es sich bei IKT-Investitionen und F&E-Beschäftigten 
um komplementäre Faktoren handelt. Insgesamt bietet sich also das Bild von in der 
Regel positiven Beschäftigungseffekten von ‚F&E-/Wissensintensität‘ und ‚Digitali-
sierung‘ in Sachgütersektor.
        

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