Full text: Technologischer Wandel & Ungleichheit

Technologischer Wandel & Ungleichheit 30 Unternehmen haben prinzipiell mehrere Möglichkeiten, Investitionen zu tätigen. Einer- seits ist eine Investition in Form von Sachanlagen möglich, andererseits aber auch in Form von Finanzanlagen. Wie sich die Investitionen von Unternehmen auf diese Anlage- formen aufteilen und welche Auswirkungen dies auf die Beschäftigung und die Einkom- mensverteilung hat, ist empirisch nicht ausreichend untersucht. Allerdings hat der Fi- nanzdienstleistungssektor in den letzten Jahrzehnten erheblich an wirtschaftlicher Be- deutung gewonnen hat. Einigen entsprechenden Untersuchungen zufolge (z. B. Atkin- son, 2015) hat diese Entwicklung maßgeblich zum Anstieg der Top-1 % Einkommensan- teile beigetragen. Neben der Unterscheidung von Investitionen in Sach- und Finanzvermögen, können Teile der (temporär) höheren Erträge sowohl an ArbeitnehmerInnen als auch an Aktionäre weitergegeben werden. ArbeitnehmerInnen haben die Möglichkeit, durch Lohnverhand- lungen an den Erträgen teilzuhaben, während Aktionäre von höheren Dividenden profi- tieren können. Wie die Verteilung der Erträge auf ArbeitnehmerInnen und Aktionäre erfolgt, ist eine komplexe Materie, wird aber zentral durch die jeweilige Stärke der Inte- ressensvertretungen bestimmt. Diese jeweiligen Einkommenssteigerungen von ArbeitnehmerInnen und Aktionären können entweder für den Konsum genutzt oder gespart werden. Im ersten Fall wird die Nachfrage direkt erhöht, im zweiten Fall indirekt, indem die Ersparnisse über das Finanz- system als Kredite für Unternehmen und Haushalte weitergegeben werden, die damit wiederum Investitionen oder Konsum finanzieren können. Dieses Argument entstammt der Keynesianisch-Kaldorianischen Tradition und steht im Widerspruch zum neoklassi- schen Kompensationseffekt, demzufolge über die Senkung der Reallöhne einer techno- logischen Arbeitslosigkeit entgegen gewirkt wird. Es ist zwar möglich, dass Unternehmen aufgrund von niedrigeren Reallöhnen mehr Ar- beitskräfte einstellen, allerdings führen niedrigere Reallöhne auch zu einer Reduktion der effektiven Nachfrage, was sich wiederum negativ auf die Arbeitsnachfrage auswirkt. Die Wirkung des Einkommenseffekts, ? compensation „via increase in income“, hängt wiederum von der Verhandlungsmacht der ArbeitnehmerInnen, der Konsumneigung der Haushalte sowie der Investitionsneigung der Unternehmen ab. In Tabelle 1 werden die dargestellten Wirkungszusammenhänge auf Basis einer von Bock-Schappelwein et al. (2016) entwickelten Struktur auf die Taxonomie die Innovati- onsökonomie (siehe Kapitel 3.3.2) übertragen, die zwischen sog. Produkt- und Prozes- sinnovationen unterscheidet. Die bisher beschriebenen Kompensationseffekte 0-4 be- ziehen sich dabei alle auf sogenannte Prozessinnovationen, deren Zweck es ist, die Ar- beitsproduktivität zu steigern und Produktionskosten zu senken. Allerdings kann techni- scher Fortschritt auch neue Produkte und Dienstleistungen hervorbringen, die zusätzli-

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.